https://www.faz.net/-gum-to9a

Chaos Computer Club : Die neue Hack-Ordnung

  • -Aktualisiert am

Es geht gegen den „Überwachungsstaat” und seine Instrumente Bild: Kay Herschelmann

Der „Chaos Computer Club“ hat sich verändert: In 25 Jahren sind aus anarchischen Technikfreaks digitale Bürgerrechtler geworden. Constanze Kurz repräsentiert die neue Zeit: weiblich, technikaffin, politisch engagiert.

          Sie ist eine Frau. Schon dadurch fällt sie auf. Constanze Kurz, blonder Zopf, 32 Jahre alt, sitzt zwischen vier Männern auf dem Podium. Die Männer sprechen über Computer, über das Internet und darüber, was ihr Verein im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt hat. Es geht um „Vorratsdatenspeicherung“, um das „Informationsfreiheitsgesetz“ und um „Wahlcomputer“.

          Eigentlich hätte Constanze Kurz genausoviel zu sagen wie die Männer, aber diesmal ist sie nur Moderatorin. Sie liefert die Stichworte, und manchmal drängt sie: „Bitte faßt euch kürzer, wir haben nur noch wenig Zeit.“ Sie selbst spricht immer schnell, fast hektisch. Weil sie so stark berlinert, wirkt ihr Tempo aber nicht unsicher. Bei dem Dialekt würden selbst Kurt Krömer und der verstorbene Günter Pfitzmann vor Neid erblassen. Im Publikum sitzen knapp 300 Männer und nur eine Handvoll Frauen. Einige balancieren einen Laptop auf dem Schoß. Viele lachen über Sprüche wie: „Die Humorfähigkeit der Polizei ist extrem ausbaufähig.“

          Weiblich, technikaffin, politisch

          Bis Samstag tagte der Kongreß des „Chaos Computer Clubs“ (CCC) in Berlin, eine Art Klassentreffen der Hacker-Szene, zu dem jedes Jahr knapp 3000 Technikbegeisterte anreisen. Das Motto diesmal: „Who can you trust?“ Wem kannst du trauen? Den CCC gibt es schon seit 25 Jahren, gegründet in den Redaktionsräumen der „taz“ an der ovalen Tafel der Kommune 1. Als „galaktische Gemeinschaft“ bezeichneten sich die frühen Mitglieder, die für ein „Menschenrecht auf Kommunikation“ kämpften. Inzwischen sind aus den Computerfreaks von einst digitale Bürgerrechtler geworden. Vier Tage hocken sie in einem sanierten DDR-Kongreßzentrum, essen in unregelmäßigen Abständen Pizza Hawaii oder Hamburger und denken in großen Dimensionen: Es geht gegen den „Überwachungsstaat“ und seine Instrumente - den biometrischen Paß und den Funkchip im Ausweis.

          Fällt auf: Constanze Kurz vom Chaos Computer Club

          Frauen sind hier eher selten, nur knapp ein Zehntel der Besucher ist weiblich. Constanze Kurz mittendrin, die Moderation ist vorbei. Jetzt hämmert sie die Gliederung für den nächsten Vortrag in ihren schwarzen Apple-Laptop. Sie hat den Kongreß mit vorbereitet, hat nächtelang an Vorträgen gefeilt, die Presseeinladungen verschickt und vergangene Nacht nur ein paar Stunden geschlafen. Es sind auch ihre Themen, über die hier gesprochen wird. Sie schreibt an einer Dissertation über „Überwachungstechnologien“ und hält Vorlesungen zur „Geschichte der Verschlüsselung“ an der Universität. „Aber da kann ich nicht politisch argumentieren“, sagt sie, „sondern nur wissenschaftlich. Ich bin aber ein zutiefst politischer Mensch.“ Sie repräsentiert die neue Zeit im CCC: weiblich, technikaffin, politisch engagiert.

          Der erste digitale Bankraub in Deutschland

          Als Constanze Kurz Ende der neunziger Jahre zum ersten Mal von diesem Club hört, wirkt der Verein eher wie eine technische Bastel-Runde. Sie studiert damals im ersten Semester Informatik an der Humboldt-Universität in Berlin, ein VWL-Studium hat sie nach dem Vordiplom abgebrochen. Kommilitonen nehmen sie mit zu einem Treffen. „Da saßen Geeks und Nerds“, sagt sie, „aber ich mochte die sofort.“ Erst mal hört sie nur zu und macht Hausaufgaben für die Uni.

          „Damals waren die berühmt für ihren BTX-Hack“, erzählt Constanze Kurz - eine zur mythischen Heldentat verklärte Aktion aus den achtziger Jahren. Der Coup der Hacker damals: CCC-Mitglieder knackten 1984 das Bildschirmtext-System BTX der Bundespost und überwiesen sich von der Hamburger Sparkasse 135.000 Mark - einfach so, per Knopfdruck. Weil es darum ging, auf Risiken der Technik hinzuweisen, machten die Computerfreaks die Sicherheitslücke öffentlich und gaben das Geld zurück. Es war der erste digitale Bankraub in Deutschland und für die Hacker der erste PR-Erfolg. „Online gehen“ hieß noch „Datenfernübertragung“, und Constanze Kurz war zehn Jahre alt.

          Weitere Themen

          Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Nach Unwettern : Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Ein starkes Unwetter sorgt in Teilen Deutschlands für Störungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Auch auf vielen Autobahnen gibt es massive Behinderungen. Am Frankfurter Flughafen wird die Abfertigung zwischenzeitlich eingestellt.

          Topmeldungen

          Nach Unwettern : Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Ein starkes Unwetter sorgt in Teilen Deutschlands für Störungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Auch auf vielen Autobahnen gibt es massive Behinderungen. Am Frankfurter Flughafen wird die Abfertigung zwischenzeitlich eingestellt.
          Tenor seiner Aussagen: „Ibiza“ war peinlich, aber nichts Unrechtes sei gesagt worden, „ich habe eine saubere Weste.“ – Heinz-Christian Strache

          Strache und die FPÖ : „Ich habe eine saubere Weste“

          Die Zukunft der skandalträchtigen FPÖ ist nach dem „Ibiza“-Skandal um Heinz-Christian Strache weiter ungewiss. Die Razzien bei FPÖ-Leuten bezeichnete er als ein politisch motivierten „Unrechtsakt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.