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Celine Dion : Das singende Konjunkturpaket

  • -Aktualisiert am

Neonlicht-umflutete Heimkehr nach Las Vegas Bild: REUTERS

Keine fünf Monate nach der Geburt ihrer Zwillinge kehrt Schmusesängerin Celine Dion auf die Bühne zurück. In Las Vegas kassiert sie 100 Millionen Dollar für drei Jahre Show im Akkord. Dafür soll sie nicht nur Gäste unterhalten. Sie soll auch der schwer gebeutelten Glitterstadt zum alten Glanz verhelfen.

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          Während in Las Vegas ein weiterer Wüstennachmittag allmählich der Nacht weicht, versammelt sich vor dem „Caesars Palace“ ein ungewöhnlicher Pulk von Menschen, der die Gipssäulen der Hotelzufahrt vibrieren lässt. In der Menge finden sich weißhaarige Führungskräfte, PR-Leute, kamerabewehrte Touristen, Hunderte von Pause machenden Hotelbediensteten sowie der unvermeidliche als Caesar höchstselbst verkleidete Darsteller, inklusive einer Phalanx von Miet-Centurionen. Schließlich fährt ein wuchtiger schwarzer Cadillac Escalade heran; ihm entsteigt, eine schimmernde Erscheinung, Celine Dion, direkt auf einen mit Rosen bedeckten roten Teppich. „Willkommen zu Hause, Celine!“ rufen die ,Hoi polloi' der Sängerin zu, während aus verborgenen Lautsprechern plötzlich die Ouvertüre aus dem Film „Ben Hur“ losbricht.

          „Es fühlt sich nicht so an, als ob ich weg gewesen wäre“, wird sich Dion, 42, später an ihre neonlichtumflutete Heimkehr nach Las Vegas erinnern.

          Doch der Blick vom roten Teppich kann täuschen. Seit die Sängerin vor drei Jahren ihren Abschied als Star des „Caesars Palace“ nahm, ist die Glittermetropole praktisch kollabiert. Zwangsvollstreckungen und Entlassungen von epischen Ausmaßen haben die bescheidenen Träume vieler jener Frauen und Männer pulverisiert - der Cocktailkellnerinnen in ihren römisch inspirierten Miniröcken, der Handtuchjungs an den Pools, der Köche in den Steakhäusern -, die gerade erst jene Illusion erschaffen, die Las Vegas im Kern ist. Offiziell beträgt die Arbeitslosenrate hier beinahe 14 Prozent, was unter Amerikas großen Städten ein Rekord ist; die Megaresorts am „Strip“ mussten jüngst bekanntgeben, dass sie in den vergangenen zwei Jahren beispiellose Verluste gemacht haben, mehr als sechs Milliarden Dollar. Noch nie war die Kluft zwischen Glamour und Schmuddel, die schon immer zu Las Vegas gehörte, größer. „Könnte es noch schlimmer sein?“, fragte Stephen Brown, Wirtschaftswissenschaftler an der University of Nevada, Las Vegas, im Winter während einer Rede vor Geschäftsleuten. „Die Antwort ist: Nein.“

          Vor drei Jahren hatte Celine Dion ihren Abschied als Star des „Caesars Palace” genommen

          Nicht nur ein Star, sondern die Erlöserin

          All das erklärt, warum viele in Dion, die für eine knapp „Celine“ betitelte Show nun wieder da ist, nicht nur einen Star sehen, sondern eine Erlöserin. Die Zeitung „Las Vegas Sun“ unterteilt die jüngere Geschichte der Stadt schon in v. C. und n. C.; das „Las Vegas Review-Journal“ spricht vom bevorstehenden „Dawn of a New Day“, dem Anbruch eines neuen Tages, eine Anspielung auf den Titel von Dions letzter Show, „A New Day“. „Kann eine einzige ,Celine' Las Vegas neues Leben einhauchen?“ fragt „USA Today“ in einer Schlagzeile, bevor es den Präsidenten des „Caesars Palace“ ausführen lässt, warum genau das möglich sei, selbstredend.

          Sicher ist, dass Celine gut für „Caesars“ ist - und „Caesars“ gut zu ihr. Angeblich bekommt die Francokandadierin in den kommenden drei Jahren 100 Millionen Dollar für 210 Shows. Beim letzten Mal, in den Jahren 2003 bis 2007, lieferte sie mehr als 700 ausverkaufte Auftritte ab, brach mit fast drei Millionen Zuschauern insgesamt den Rekord einer an Entertainern nicht gerade armen Stadt und spielte mehr als 400 Millionen Dollar an der Konzertkasse ein - mehr als das „Rat Pack“, Liberace und Elvis zusammen.

          Dieses Mal wird Dion als ein Konjunkturprogramm in Frauengestalt gefeiert; mindestens 114 Millionen Dollar pro Jahr und Tausende von Jobs soll sie bringen, laut den Ökonomen an der University of Nevada. Aber kann Dions Rückkehr in einer Wirtschaft, in der Milliarden bewegt werden - 18,2 Milliarden Dollar wurden 2010 auf dem „Strip“ umgesetzt -, wirklich eine spürbare Wirkung haben? Noch dazu in einer Zeit, in der das Wirtschaftsleben so träge ist? „Wir ändern unsere Vorhersagen nicht“, sagt Michael Lawton, ein Analyst bei Nevadas Kontrollausschuss fürs Glücksspiel; der Celine-Dion-Effekt werde nur den Cher-Effekt aus der vorangegangenen Saison ersetzen.

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