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Carl Benz' Geburtshaus : Verräterische Trauzeugen

Geburtshaus von Carl Benz an der Karlsruher Rheinstraße Bild: Stadtarchiv Karlsruhe

Der Leiter des Karlsruher Stadtmuseums hat Carl Benz' Geburtshaus ausfindig gemacht. Seine Recherchen belegen, dass der Erfinder des Automobils in einem Wirtshaus an der Karlsruher Rheinstraße zur Welt kam.

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          Ausgerechnet zum 125. Jahrestag der Automobilerfindung scheint das Geburtshaus von Carl Benz entdeckt. „Man wusste bislang ja nicht, wo Benz geboren ist, weil man die Quellen nicht genau untersucht hat“, sagt Pretsch, der Leiter des Karlsruher Stadtmuseums.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Historiker recherchierte in diversen Kirchenbüchern und fand zwei entscheidende Einträge: Im Kirchenbuch der evangelischen Gemeinde von Mühlburg ist für das Jahr 1844 die Taufe von „Karl Friedrich Michael Wailand“ eingetragen. Mühlburg war bis 1886 eine selbständige Kleinstadt, gehört seitdem aber zu Karlsruhe. Das Neugeborene ist verzeichnet als „uneheliches Kind der Josepehine Wailand“. Carl Benz' Mutter war in der Tat das Dienstmädchen Josephine Vaillant. Sie stammte aus einer französischen Hugenottenfamilie. Pretsch fand ihren Namen auch im „Karlsruher Dienstbotenbuch“. Danach war sie seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts in der badischen „Haupt- und Residenzstadt“ bei unterschiedlichen Dienstherren beschäftigt. Offenbar sprach der Kirchenbeamte kein Französisch, weshalb er ihren Geburtsnamen zu „Wailand“ germanisierte.

          Geburt im Wirtshaus

          Eigentlich weiter gebracht haben Pretsch aber die im Kirchenbuch ebenfalls notierten Namen der Taufzeugen. Aufgeführt sind der Schuhmachermeister Karl Axtmann und der „Bürger, Gastwirth und Bierbrauer“ Michael Kramer. „Es ist naheliegend, dass Kramer ihr Dienstherr war, er musste für Kost und Logis sorgen. Deshalb hat sie das Kind mit großer Wahrscheinlichkeit in seinem Gasthaus zur Welt gebracht. Wo sollte sie denn auch sonst hin“, sagt Pretsch. Noch plausibler wurde für den Historiker diese Vermutung, als er vor wenigen Tagen im Kirchenbuch der katholischen St.-Stephans-Gemeinde in Karlsruhe die Eintragung von Josephine Vaillants Trauzeugen fand: Wieder findet sich der Name des Gastwirts Kramer in den Dokumenten.

          Die evangelische Dienstbotin Josephine Vaillant heiratete Ende 1845 den mutmaßlichen Vater von Carl Benz, den Lokomotivführer Johann Georg Benz, einen Katholiken. Erst danach konnten die Eheleute in der Karlsruher Kronenstraße 16 eine gemeinsame Wohnung beziehen. Doch verstarb der Lokomotivführer Benz schon im Sommer 1846 an einer Lungenentzündung. Josephine beherbergte später Studenten des Karlsruher Polytechnikums, um ihrem Sohn Carl das Studium ebendort finanzieren zu können. Das heutige „Karlsruher Institut of Technology“ (KIT) hat im Polytechnikum einen Vorläufer.

          Das Kramersche Wirtshaus in Karlsruhe-Mühlburg, das später den Namen „Stadt Karlsruhe“ trug, existiert heute nicht mehr. Das baufällige Haus musste Ende der fünfziger Jahre abgerissen werden, weil die Rheinstraße verbreitert werden sollte. Heute steht in der Nähe dieses Standorts eine Filiale einer Kaufhauskette. Nach Carl Benz sind zahlreiche Hallen und Schulen benannt, an der Beiertheimer Allee erinnert auch eine Büste an den Ingenieur und Autoerfinder. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde es in der Rheinstraße schon bald eine weitere Gedenktafel geben, sagt Pretsch. „Das Stadtplanungsamt macht sich darüber schon Gedanken.“

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