https://www.faz.net/-gum-7vup6

Burkina Faso : Amerika verurteilt Machtübernahme des Militärs

  • Aktualisiert am

Neuer starker Mann im Land ist der bisherige Vize-Kommandeur der Präsidialgarde: Isaac Zida. Bild: AP

In Burkina Faso hat das Militär die Macht übernommen. Kritik kommt aus den Vereinigten Staaten und von der Opposition im Land. Bleibt die Lage friedlich?

          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten haben die Machtübernahme des Militärs im afrikanischen Burkina Faso verurteilt. Die Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums, Jen Psaki, erklärte am Samstag in Washington, Amerika rufe das Militär auf, die Macht unverzüglich wieder an Zivilisten zu übertragen. Es sollten umgehend freie und faire Präsidentschaftswahlen abgehalten werden. Die Opposition in Burkina Faso verurteilte die Machtübernahme des Militärs ebenfalls und rief zu einer Protestversammlung am Sonntag auf.

          Nach dem Rücktritt des Langzeit-Präsidenten von Burkina Faso, Blaise Compaoré, einigte sich die Militärführung des Landes auf einen Nachfolger für eine Übergangszeit. Damit wurde ein Machtkampf in der Hauptstadt Ouagadougou vorerst abgewendet. Neuer starker Mann im dem verarmten westafrikanischen Binnenstaat ist der bisherige Vize-Kommandeur der Präsidialgarde, Isaac Zida. Compaoré war nach Massenprotesten zurückgetreten. Er verließ am Samstag sein Land und flog mit einem Hubschrauber in die benachbarte Elfenbeinküste.

          Zida: Habe Verfassung außer Kraft gesetzt

          Nach einem Treffen mit Zida sagte Armeechef Honoré Traoré dem in der Bevölkerung bis dahin wenig bekannten Oberst seine Unterstützung zu. Traoré hatte zunächst selbst Anspruch auf die Staatsführung erhoben. Allerdings gab es in den Reihen der Opposition starken Widerstand gegen ihn, da Traoré als Gefolgsmann der alten Staatsführung gilt.

          Der bisherige Präsident Compaoré hatte sich am Freitag den massiven Protesten gegen seine geplante Amtszeitverlängerung beugen müssen. Compaoré war vor fast 30 Jahren mit einem Putsch in der früheren französischen Kolonie Obervolta an die Macht gelangt.

          Der erklärte Nachfolger Zida verkündete am Samstag im Radiosender Omega FM, er habe die Verfassung des Landes außer Kraft gesetzt. Zudem versprach der Offizier Wahlen innerhalb von drei Monaten. Armeechef Traoré hatte Zidas Ankündigungen zunächst als unwirksam bezeichnet und war erst nach dem Treffen mit Zida zum Verzicht auf eigene Ansprüche bereit.

          Nach den Ausschreitungen und Massenprotesten gegen Compaoré blieb die Lage in Ouagadougou in der Nacht zum Samstag ruhig. Die Opposition hatte ihre Proteste gegen Compaoré in Anlehnung an den Arabischen Frühling hoffnungsvoll als „Schwarzen Frühling“ gefeiert.

          Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Freitagabend in Brüssel: „Wir rufen alle Akteure und alle lokalen politischen Kräfte auf, ihre Verantwortung zu übernehmen und die Regeln der Verfassung zu beachten.“ Dies gelte vor allem für die Organisation einer Übergangsregierung und das Abhalten demokratischer Wahlen.

          Von den 17 Millionen Einwohnern in Burkina Faso lebt die Hälfte weiterhin unter der absoluten Armutsschwelle. Das Land ist fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen. Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet. Im „Human Development Index 2013“ rangiert das Binnenland weltweit auf Platz 181 von insgesamt 187 Ländern. Von dem in Statistiken ausgewiesenen Wirtschaftswachstum Burkina Fasos profitieren die wenigsten Menschen im Land.

          Weitere Themen

          Corona-Pandemie „hätte verhindert werden können“ Video-Seite öffnen

          Experten sind sicher : Corona-Pandemie „hätte verhindert werden können“

          Eine von der WHO eingesetzte Experten-Kommission ist sich sicher: Die Coronavirus-Pandemie hätte verhindert werden können. Doch viele Staaten und die WHO hätten zu spät reagiert, und viele Politiker hätten ihre Augen vor wissenschaftlichen Erkenntnissen verschlossen, monieren die Experten.

          Topmeldungen

          Jetzt auch für Junge: eine Impfung mit Vaxzevria

          AstraZeneca-Impfung : Wann ist die beste Zeit für Dosis zwei?

          Fachleute sind vorsichtiger, als es der Politik lieb ist: Sie raten weiterhin dazu, mit der zweiten Dosis des Vakzins von AstraZeneca zwölf Wochen zu warten. Nicht nur, weil das die Wirksamkeit erhöht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.