https://www.faz.net/-gum-72ex4

Burg Eltz : Im Labyrinth der Erker

  • -Aktualisiert am

Der Burgherr Karl Graf zu Eltz will sein Schloss in ein paar Jahren seinem Sohn übergeben Bild: Marcus Kaufhold

Einst zierte Burg Eltz den 500-Mark-Schein. Nach drei Jahren sind die Renovierungsarbeiten abgeschlossen. So wird sie nun vielleicht auch den Euro überleben.

          4 Min.

          Eltz, im August. Beim Rundgang durch sein Schloss schaut der Burgherr argwöhnisch einen ausgestellten Tonkrug an. „Seltsam!“ Dabei wird die Vitrine mit kaltem Licht ausgeleuchtet! Nur ein winziger Riss, kaum zu erkennen, doch Karl Graf zu Eltz sieht alles. Und das ist bei einem solchen Monument ziemlich viel.

          „Man kann diese Burg in Worten kaum beschreiben. Sie ist wie ein Märchen in Stein; das gesamte Bild scheint eher wie ein Traum als die Wirklichkeit zu sein, und deshalb klingt jede Beschreibung entweder ungenügend oder übertrieben“, schrieb die englische Reiseschriftstellerin Katharine Macquoid 1895 in ihrem Buch „Die Eifelreise“ über Burg Eltz. Fast 120 Jahre später sehen das 250000 Besucher im Jahr ähnlich. Das enge Tal des Elzbachs, der dichte Wald, die Spitztürmchen - man fühlt sich in vergangene Zeiten versetzt. „Illusion des Mittelalters“, sagt Sophie zu Eltz, die Ehefrau des Hausherrn.

          Neues Dach für die nächsten 500 Jahre

          Aus dem Traum vom Mittelalter wird diese Burg nicht so schnell erwachen. Gerade erst ist sie für fünf Millionen Euro renoviert worden. Drei Jahre lang war sie eine Baustelle. An vielen Stellen wurde mit verdeckten Ankern und Stahlstiften die Statik verbessert. Das Dach wurde neu gedeckt, der Dachstuhl erneuert. Die Fallrohre wurden ausgetauscht. „Das muss jetzt wieder 500 Jahre halten“, sagt Karl Graf zu Eltz. In solchen Zeiträumen muss man wohl als Burgherr denken. Dreimal in der Woche ist er während der Renovierungsarbeiten von Frankfurt, wo das Ehepaar lebt, zur Burg gefahren. Im ersten Jahr war das ganz schön stressig. Da hatte der promovierte Betriebswirt nämlich noch zwei Rollen auszufüllen: die eines Burgherrn und die eines Partners der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Seine Maxime damals: „Ernähre dich fremd und sorge dich um das Haus.“

          Einst zierte die Burg Eltz die Rückseite des 500-Mark-Scheins.

          Sorgen um sein finanzielles Wohlergehen muss sich der Graf aber auch als hauptberuflicher Ruheständler nicht machen. Langweilig dürfte ihm auch nicht werden. Denn seine Burg zieht viel Publikum an, Deutsche natürlich, Niederländer, Briten, Amerikaner. Für Menschen aus der Gegend ist es einfach „unsere Burg“ und für viele Schüler des nahen Gymnasiums in Münstermaifeld ein Nebenerwerb. In manchen Familien ist es Tradition, als Burgführer zu arbeiten.

          Besucher kamen trotz Staub und lauten Bauarbeiten

          Für Rheinland-Pfalz ist die Anlage wichtig. 1,75 Million Euro steuerte das Land zu den Renovierungskosten bei. Der Bund und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gaben 2,25 Millionen. Die Burg, sagt der Graf, sei die einzige private museale Einrichtung gewesen, die Mittel aus dem Konjunkturpaket II erhalten habe.

          Natürlich, darauf legt der Hausherr großen Wert, hätten auch die Besucher wesentlichen Anteil daran, dass der Bau nun in neuem Glanz erstrahle. Es wurde gebohrt, es staubte und war laut - aber sie kamen trotzdem. (Acht Euro kostet die Visite, Führung und Schatzkammer inklusive.) Nur die Bundesgartenschau im vergangenen Jahr in Koblenz führte zu einem leichten Rückgang der Besucherzahlen.

          Weitere Themen

          Überlebende legen Kränze nieder Video-Seite öffnen

          Gedenken in Auschwitz : Überlebende legen Kränze nieder

          Überlebende des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz haben 75 Jahre nach ihrer Befreiung Kränze an der so genannten Schwarzen Wand niedergelegt. Vor der Todesmauer im Stammlager des KZ Auschwitz vollstreckten die Nazis im Dritten Reich tausende Todesurteile.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.