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Bundeswehr : Stimmungskanonen im Einsatz

  • -Aktualisiert am

Jubel in Afghanistan: Peter Maffay vor deutschen Soldaten Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ablenkungsmanöver: Die wohl seltsamste Sondereinheit der Bundeswehr bringt Künstler in Krisengebiete, um bei deutschen Soldaten im Ausland für Stimmung zu sorgen.

          Spätestens seit Francis Ford Coppolas Vietnamkriegsfilm „Apocalypse Now“ haben Zivilisten eine genaue Vorstellung von Truppenbetreuung. Freilich keine gute, denn das Playmate-Einsatzkommando für die Urwald-Show mündete im Fiasko. Weniger exzessiv, in seiner Imagewirkung aber ähnlich desaströs endete vor einigen Jahren eine Maßnahme der Truppenbetreuung bei der Bundeswehr, die Soldatenkontingente im Ausland ab und zu mit Live-Unterhaltung versorgt. Ein DJ hatte zwei Background-Sängerinnen mitgebracht, die sich als Stripperinnen entpuppten. Massiver Ärger mit einer Soldaten-Ehefrau war die Folge.

          „Eine unschöne Sache, weil die Familie für die Soldaten extrem wichtig ist. Es ist allerdings das einzige Mal, daß wir so eine negative Überraschung erlebt haben“, sagt Hauptmann Alexander Voigt, der den Vorfall nur vom Hörensagen kennt, weil er sich vor seiner Zeit als Chef der kulturellen Truppenbetreuung zutrug. Der Neunundzwanzigjährige leitet die wohl seltsamste Sondereinheit der Bundeswehr: eine Art Booking-Agentur, untergebracht in der Potsdamer Henning-von-Tresckow-Kaserne. Hauptmann Voigt und drei Feldwebel sind dort dafür zuständig, den deutschen Soldaten in Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan und bald wohl im Kongo außer DVDs und Zeitschriften leibhaftige Unterhalter zu schicken. Das Zimmer der Feldwebel erinnert daher mehr an eine Musikredaktion: Poster von diversen Bands an den Wänden, auf dem Tisch CDs von Gruppen namens „Jailrock“, „Peppermint“ oder „Dirty Deeds“.

          Künstler auf Unterhaltungsmission

          Was Alexander Voigt im bescheidenen Umfang organisiert, ist für die - übrigens privat finanzierte - „United Service Organisation“ (USO) der Amerikaner längst eine Großoperation. Sie versorgt GIs rund um den Globus mit Ablenkungskräften, darunter auch Pop-Kaliber wie Mariah Carey, die im Kosovo auftrat, oder Bruce Willis, der vor US-Soldaten im Irak sang. Auch die Briten haben eine Entertainment-Organisation für die Armee: die CSE, die Kleinkünstler auf Flugzeugträger verschifft oder das Ex-Spice-Girl Geri Halliwell zu Soldaten nach Oman schickte.

          Amerikanische Soldaten feiern die Gruppe U2 in Bosnien

          Seit nun auch deutsche Soldaten im Zusammenhang mit UN-Friedensmissionen in Krisengebieten stationiert sind, folgen ihnen Künstler auf Unterhaltungsmission. Im vergangenen Jahr gab es dreißig Musikerauftritte in Stützpunkten auf dem Balkan und in Afghanistan, nachdem zuvor schon unter anderen die „No Angels“ für die Kfor-Soldaten im Kosovo und Xavier Naidoo mit den „Söhnen Mannheims“ für die Sfor-Truppen in Bosnien konzertiert hatten. Auch Peter Maffay spielte im Sommer 2005 im Kabuler Isaf-Camp vor tausend deutschen Soldaten.

          An Interessenten herrscht kein Mangel

          Meist jedoch werden weniger bekannte Bands eingeflogen, gern auch Cover-Bands. Schließlich geht es in erster Linie darum, gute Stimmung zu verbreiten und nicht darum, Geld zu verdienen oder ein aktuelles Album zu bewerben. Die deutschen Künstler bekommen nämlich im Gegensatz zu Briten und Amerikanern keine Gage. Ihnen werden lediglich die Reisekosten ersetzt, außerdem ist man beim Transport des Equipments behilflich. „Außer dem Jubel der Soldaten am Konzertabend kann man nichts gewinnen“, sagt Hauptmann Voigt. „Wir können nur mit neuen Erfahrungen locken, nicht mit Geld“, ergänzt Feldwebel Dana Thieme.

          Damit die Musiker auch „Eindrücke von Land und Leuten in einem ehemaligen Kriegsgebiet“ erhalten, werden sie zum Beispiel zu den zerstörten Olympiastätten in Sarajevo gefahren. An Interessenten herrscht dennoch kein Mangel, was wiederum Sorgfalt bei der Auswahl der Bands erforderlich macht. Für Voigt ist politische Korrektheit ein sehr wichtiges Kriterium: „Böhse Onkelz ginge gar nicht.“

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