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Bundeswehr : Fliegende Intensivstation wartet auf ihren Einsatz

  • Aktualisiert am

Der Airbus A-310 - das fliegende Lazarett der Bundeswehr Bild: dpa

Die zu fliegenden Lazaretten umgebauten Airbusse der Bundeswehr könnten sofort in Richtung Afghanistan starten.

          2 Min.

          Die Amerikaner sind zu uns gekommen und haben mit feuchten Augen geguckt.“ Oberstabsarzt Rüdiger Rohowsky gerät ins Schwärmen, wenn er über die Leistungsfähigkeit der weltweit einmaligen fliegenden Intensivstationen der Luftwaffe spricht. Zwei Flugzeuge vom Typ Airbus A 310 stehen voll ausgerüstet auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn, um notfalls binnen Stunden verwundete Soldaten oder Zivilisten aus Krisengebieten wie Afghanistan auszufliegen.

          Jeder der beiden Airbusse verfügt über sechs computerüberwachte Intensivbehandlungsplätze, die nach Aussage der Bundeswehrmediziner den Vergleich mit modernsten Einrichtungen in Kliniken auf dem Boden nicht scheuen müssen. Dazu kommen 38 Betten für nicht lebensbedrohlich Verletzte sowie 32 Passagierplätze. Auch das medizinische Personal, bis zu 25 Soldatinnen und Soldaten, genügt nach den Worten von Oberfeldarzt Stefan Schäfer höchsten Ansprüchen.

          Der an der Entwicklung des für MedEvac (Medical Evacuation) gerüsteten Airbus beteiligte Notfallmediziner wies darauf hin, dass die Intensivmediziner an Bord von Bundeswehrkrankenhäusern wie dem in Koblenz kämen und besser ausgebildet seien als normale Notärzte. Sie müssten schwerstverletzte Patienten sechs bis acht Stunden am Leben halten können, bis der Rettungsflug ein reguläres Krankenhaus erreicht habe.

          Fliegendes Krankenhaus - im Innern des Airbus A-310
          Fliegendes Krankenhaus - im Innern des Airbus A-310 : Bild: dpa

          Regelrechte Operationen an Bord sind allerdings nicht möglich. „Der Vogel wackelt ja auch“, sagte Rohowsky. Machbar seien lediglich notfallchirurgische Eingriffe, beispielsweise um einen Pneumothorax zu behandeln, also einen durch eine Verletzung zusammengefallenen Lungenflügel wieder zu dehnen.

          Bundeswehr hat vier Maschinen gekauft

          Insgesamt vier Airbus 310 hat die Bundeswehr von der Lufthansa gekauft und vor zwei Jahren zu flexiblen Mehrzwecktransportern umbauen lassen. Die luftwaffengrau gestrichenen Flugzeuge können auch 30 Tonnen Material oder 214 Passagiere etwa 9.000 Kilometer nonstop befördern. Äußerlich zeichnen sich die Flugzeuge durch eine riesige Frachtluke auf der linken Seite vor den Tragflächen aus. Durch das hydraulisch bediente Tor können Verwundete auf Tragen ins Flugzeug gehoben werden. Für zwei der Maschinen steht bisher die MedEvac-Ausrüstung zur Verfügung. Etwa fünf Tage dauert der Umbau zwischen den Einrichtungsvarianten.

          Bereits seit dem Abend des 12. September, dem Tag nach den Terroranschlägen in den USA, stehe ein MedEvac-Airbus einsatzbereit in Köln, sagte Dieter Zekai, der Kommandeur der technischen Gruppe auf dem Bundeswehrflugplatz. Er hätte Verletzte aus New York nach Deutschland bringen können. Die zweite Maschine wurde in der vergangenen Woche umgerüstet. Praktische Erfahrung hat die Luftwaffe schon. Ein MedEvac-Airbus habe verletzte Palästinenser aus Gaza in ein Bundeswehrkrankenhaus geflogen, berichtete Oberstabsarzt Dr. Dieter Harms, der Leitende Fliegerarzt der Luftwaffe in Köln.

          Zehn Stunden bis zum Patienten

          Die zum deutschen Beitrag für den Afghanistan-Einsatz gehörenden Rettungsflugzeuge bleiben in Köln/Bonn stationiert. Im günstigsten Fall wären sie binnen drei Stunden startbereit, erläuterte der Kommandeur der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums, Oberst Horst Abromeit. Ein Landung in Afghanistan selbst kommt allerdings nicht in Frage. Der Airbus benötige einen größeren Flughafen mit entsprechender technischer Ausrüstung. Zielflughäfen könnten Neu-Dehli, Islamabad, Taschkent oder Duschanbe sein.

          Etwa zehn Stunden dauere es, bis die fliegende Intensivstation „am Patienten“ aus Afghanistan sei, erklärte Schäfer. Das sei völlig ausreichend, versicherte er. Schließlich müsse ein Verwundeter aus dem Kampfgebiet zunächst per Hubschrauber oder Rettungsfahrzeug zu einem Notlazarett gebracht werden.

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