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Bundesrats-Entschließung : Wildtiere sollen aus dem Zirkus verbannt werden

  • -Aktualisiert am

Elefanten des Circus Krone im Freigehege. Kritiker sind überzeugt: Artgerechte Wildtierhaltung ist in Zirkussen unmöglich. Bild: obs

Lange Zeit gehörten Löwen, Tiger und Elefanten zum Zirkus wie Clowns und Artisten. Tierschützer stört das schon seit Jahren. Jetzt will auch der Bundesrat es schnellstmöglich ändern.

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          Elefanten oder Bären sollen aus der Manege verschwinden. So jedenfalls wünscht es sich der Bundesrat, der an diesem Freitag einem entsprechenden Antrag der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen zugestimmt hat. In ihm wird die Bundesregierung aufgefordert, den Zirkussen die Haltung von Wildtieren zu verbieten. „Elefanten, Affen, Bären, Giraffen, Nilpferde oder Nashörner gehören nicht in Zirkuszelte“, begründete Hessen Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen), die sich besonders für ein Wildtierverbot stark macht, den Vorstoß.

          Zwei Mal sind die Länder schon mit einer solchen Initiative an der Bundesregierung gescheitert, 2003 und 2011. Die war und ist offenbar weiterhin skeptisch, ob ein Wildtierverbot zulässig ist. Die Verbannung von Elefanten oder Bären aus der Zirkusmanege sei nur dann möglich, wenn die betreffenden Tiere nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden transportiert oder an wechselnden Orten gehalten werden könnten, heißt es im Landwirtschaftsministerium.

          Die Gegner von Wildtieren im Zirkus argumentieren damit, dass eine artgerechte Haltung exotischer Tiere in Zirkussen nicht möglich sei. Elefanten etwa seine Herdentiere, ihnen fehlten in Zirkus oft die so wichtigen Sozialkontakte. Die Tiere litten, behaupten die Länder in ihrem Antrag und verweisen unter anderem auf jenen spektakulären Fall im vergangenen Sommer, als die Elefantenkuh „Baby“ in Baden-Württemberg aus einem Zoo ausriss und einen Spaziergänger zu Tode trampelte.

          Ende der Elefanten im Zirkus auch ohne Verbot absehbar

          Dieser Argumentation widersprechen Zirkusleute wie Sascha Melnjak, der Direktor des Zirkus Charles Knie, der immer wieder Elefanten in seinen Programmen auftreten lässt. Zirkuselefanten seien keine lebenden Zeitbomben, sagt er. Vielmehr handele es sich um liebe und anhängliche Tiere, die mit Menschen aufgewachsen und ganz an sie gewöhnt seien. „Was soll mit ihnen passieren, wenn es ein Wildtierverbot gibt?“, fragt Melnjak.

          Tatsächlich ist das Ende der Elefanten im Zirkus auch ohne Wildtierverbot absehbar. Seit 1976 gilt ein Importverbot für diese Tiere, seither kommen keine neuen Elefanten mehr nach Deutschland. Die ungefähr 50 Zirkuselefanten in Deutschland sind fast alle in einem höheren Alter, deshalb zeugen sie auch kaum mehr Nachwuchs. Die Tiere werden in den nächsten Jahren eines natürlichen Todes sterben. Dann hat sich das Thema Elefanten im Zirkus erledigt.

          Affen gibt es faktisch ohnehin nicht mehr in deutschen Zirkussen. Über den 44 Jahre alten Schimpansen Robby, den letzten seiner Art, hat im vergangenen Jahr ein Gericht entschieden: Er darf weiter im Roller durch die Mange fahren. Robby sei in seiner Familie aufgewachsen, man könne ihn nicht zu Wildtier resozialisieren, sagte sein Besitzer damals. Auch Giraffen, Nashörner und Nilpferde werden nicht mehr in einer nennenswerten Zahl in Zirkussen gehalten.

          Sind die Tiere überhaupt noch wild?

          Dagegen sieht man häufig Vorstellungen mit Löwen und Tigern. Diese fallen eigentlich in Deutschland nicht unter die Kategorie Wildtiere, sondern unter Raubtiere. Doch auch ihre Haltung und Vorführung im Zirkus möchten die Befürworter eines Wildtierverbots bei fahrenden Unternehmen möglichst schnell untersagen.

          Ob man Zirkus-Löwen und -Tiger überhaupt noch als Wildtiere bezeichnen kann, bezweifeln die Dompteure, die sich heute Tierlehrer nennen. Die Raubkatzen wurden allesamt nicht in der Wildnis gefangen, sondern in hiesigen Zoos oder Safari-Parks nachgezogen. „Sie sind nicht mehr wild“, sagt Frank Keller vom Berufsverband der Tierlehrer. Dort weist man darauf hin, dass durch ein Wildtierverbot über viele Tierlehrer faktisch ein Berufsverbot verhängt werde.

          Für Zirkusdirektor Melnjak gehören Tiere in den Zirkus: auch Elefanten und Raubtiere. Es gebe strenge Leitlinien, wie jede Tierart zu halten sei. Ein Zirkus werde in jeder Stadt, in der er sein Zelt aufschlage, von einem Amtsveterinär geprüft, dieser sehe sich die Ställe und die Tiere an und prüfe deren Zustand. Zirkustiere, so Melnjak, lebten gut in menschlicher Obhut.

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