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Bürgermeister im Interview : „Fans von Energie Cottbus sind geerdet“

  • -Aktualisiert am

Insgesamt schlugen laut dem Blitz-Informationsdienst von Siemens 2014 mehr als 622.600 Blitze in Deutschland ein, etwa 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: dpa

Cottbus ist die Blitzhauptstadt Deutschlands - und dagegen habe der gelernte Elektromonteur und Oberbürgermeister Holger Kelch nicht einmal etwas unternommen. Was steckt dahinter?

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          Herzlichen Glückwunsch, Herr Kelch. Sie sind Bürgermeister der Blitzhauptstadt Deutschlands. Eine Ehre?

          Ob mich das ehrt? Da gäbe es andere Titel. Erfolgreichste Stadt im Osten oder so etwas.

          Ist Cottbus das denn?

          Wir arbeiten daran.

          In Cottbus gingen 2014 im Durchschnitt 8,4 Blitze pro Quadratkilometer nieder. Das hat Siemens gerade ermittelt. Wie haben Sie das Jahr überstanden?

          Ich habe zwar viele Gewitter gesehen und gehört, aber ich empfand es nicht als außergewöhnlich viel. Schäden sind mir nicht bekannt, auch über die Feuerwehr nicht. Im Nachbarort ist ein Strohdach angebrannt, aber das war’s. Es hat zwar schon richtig gerumst bei uns im vergangenen Jahr. Aber ich schaue mir die Gewitter dann vom Balkon aus an.

          Hat Ihr Haus einen Blitzableiter?

          Ja.

          Wie viele Fernseher sind bei Ihnen im vergangenen Jahr kaputt gegangen?

          Keiner. Auch bei Freunden nichts.

          Was machen Sie bei Gewittern?

          Ich gehe ins Haus. Wenn ich unterwegs bin, gehe ich ins Auto. Wenn man draußen ist, sollte man Schutz suchen, nur nicht unter Bäumen. Am besten ist es, einen Faradayschen Käfig in der Nähe zu haben. Das kann auch eine Bushaltestelle sein, mit dem Gestell oben.

          Herr Kelch, wo erwische ich Sie gerade?

          Ich bin auf einer Klausur in einem Hotel in Cottbus. Wir entwickeln gerade ein Konzept für ein neues Standortmarketing. Wir überlegen uns, was wir sein wollen. Cottbus soll bekannter werden. Wir wollen keine Stadt sein, von der man nur den Fußballklub kennt.

          Wie wäre es mit „Cottbus. Blitzhauptstadt“?

          Ich nehme es mal mit in die Konferenz.

          Sie sind im November zum Oberbürgermeister gewählt worden – nach einer langen Blitzsaison. Und Sie sind gelernter Elektromonteur. Hat Ihnen Ihre Ausbildung den Wahlsieg gebracht?

          Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU)

          Na, ich denke mal eher, das hat was damit zu tun, dass ich das Projekt „Schnelles Internet für alle“ durchgesetzt habe. Wir sind die erste Stadt in Brandenburg, in der es flächendeckend Glasfaserkabel gibt. Und das haben alles private Unternehmen finanziert. Wir brauchten kein öffentliches Geld.

          Was haben Sie im Amt gegen die Blitze unternommen?

          Nichts. Da kann man nichts unternehmen.

          Haben Sie in Ihrer Zeit als Elektromonteur vielleicht selbst Blitzableiter installiert?

          Nein. Ich war eher für die Inneninstallation zuständig.

          Herr Kelch, wie viele Wortwitze haben Sie heute schon über „Cottbus“ und „Energie“ gehört?

          Heute noch keine. Und als Fan von Energie Cottbus, bei den Niederlagen, da ist man ganz schnell geerdet.

          Ganz ehrlich, Herr Kelch: Cottbus ist Blitzhauptstadt Deutschlands, Sie sind gelernter Elektromonteur, das Fußballteam heißt Energie Cottbus. Ist das nicht alles Teil einer gigantischen Marketingkampagne?

          Sehen Sie mal! Das könnte unserem Image schon helfen. Andererseits: Wie positiv ist der Begriff Energie besetzt?

          Nicht so.

          Genau. Der eine mag die Windräder nicht, der andere die Braunkohle nicht, der dritte hat was gegen Atomkraft. Wir alle brauchen Strom, aber woher der kommt, wird manchmal vergessen.

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