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Buchmesse : Aus dem Schmähkästchen

Dieter und Katja Bild: AP

Dieses Kitzeln. Dieses Suchen. Los, noch mal nachhaken. Ui, jetzt sagt er wieder was. Hoffentlich was Peinliches. Dieter "the Bohlen" hält Audienz für Journalisten auf der Buchmesse.

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          Dieses Kitzeln. Dieses Suchen. Los, noch mal nachhaken. Ui, jetzt sagt er wieder was. Hoffentlich was Peinliches. Dieter "the Bohlen" hält Audienz für Journalisten auf der Buchmesse. Ob er eine Führungsrolle bei Bertelsmann anpeilt? Wann er in die Politik geht? Ob er auch junge Autoren fördere? Fragen über Fragen. Dieter, gib uns mehr. Mehr von deinen Absurditäten, mehr von deinem dreisten Jargon. Und er enttäuscht nicht. "Für Katja müßt ihr lauter klatschen. Die wird bald Mama. Jetzt gebt mal richtig Feuer, Mensch." Bravo, das fängt ja gut an. Katja Keßler strahlt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die "Schreiberin vom Gitarristen von Thomas Anders", so steht es auf ihrem T-Shirt, ist voll des Lobes. Der Dieter, "der alten und jungen Damen in den Mantel hilft", "der auch mal Tee nachschenkt". Echt, authentisch. Der spricht so, wie ihm der Mund gewachsen ist. Da können noch so viele einstweilige Verfügungen ("Ehvaus") gegen den zweiten Teil seiner Biographie "Hinter den Kulissen" erlassen werden: "Alles in dem Buch entspricht der Wahrheit." Sagt Dieter. Und wenn da irgendeiner anderes behauptet, dann ist das "pillepalle". "Didel dadel du." Gejohle und Applaus für Bohlen-Neologismen.

          Inszenierung ohne Grenzen

          Man hat sich groß inszeniert. Stapelweise "Wackeldieter", Plastikminiaturen für die Autoscheibe. Random-House-Verleger Klaus Eck ("Verleger vom Gitarristen von Thomas Anders") schwärmt von den an einem einzigen Tag verkauften 150.000 Exemplaren. Bis die "Ehvaus" kamen. Das wird die Auflage wohl noch einmal in die Höhe treiben. Bohlen bedankt sich bei Eva Herman, Jens Riewa und Thomas Anders für die Werbung. Sollte das Buch allerdings ganz verboten werden, so sei das "schade für die deutsche Kulturgeschichte". Jammerschade.

          Für inhaltliche Kritik hat er kein Verständnis. Diese Verleugnungen ("Daß der Tagesschausprecher jetzt nicht mal mehr ,Hallo Dieter' gesagt haben will") und Unfeinheiten ("Wenn der Mann von Eva Herman Estefania am Hintern rumfummelt") - das sei doch "alles nicht normal". Normal ist wenig: Wenn der Guru von seiner Nähe zu Joseph Beuys erzählt. Dessen Kunstwerke haben damals doch auch die Putzfrauen weggeräumt. "Und heute?" Ja, heute? Der Sänger schlendert gerne durch die Galerien und träumt von ein wenig Unvergänglichkeit. Mit Modern Talking vielleicht im ewigen Buch der Popgeschichte. Oder doch als Politiker? Jedenfalls sagt er über Arnold Schwarzenegger: "Man sollte Menschen nicht nach ihren Muskeln oder ihrer Musik beurteilen." Sondern? Na, nach dem Charakter. "Was denn sonst?"

          Der Bohlensche Charakter

          Über den Bohlenschen Charakter ist viel geschrieben worden. "Einmal bin ich kacke, einmal bin ich cool." Dabei sei er doch eigentlich nur ein netter Mensch, der seine Steuern zahle und helfe, wo er könne. Immerhin könne Random House es sich durch seinen Erfolg leisten, mehr junge Talente zu unterstützen. Und er stört sich auch nicht an den Umfrageergebnissen, wonach 98 Prozent der Deutschen sein Buch nicht kaufen werden. Denn immerhin bleiben ihm so noch 1,6 Millionen Leser, und damit sei er "der King". Und wo bleibt die Moral? Intimitäten zu verbreiten bereitet ihm keine schlaflosen Nächte. Schließlich habe man aus Rücksicht die Originalfassung schon gekürzt. Nett sein um jeden Preis sei jedenfalls nicht seine Maxime: "Wer keine Feinde hat, hat auf der Welt nichts erreicht." So plaudert er weiter vergnügt aus dem Nähkästchen der Banalitäten. Als Durchschnitts-Deutschen stellt er sich dar. "Ich bin einfach 08/15." Sagt er.

          Das Hamburger Landgericht hat am Freitag Eva Herman, Jens Riewa und Jenny Elvers in vollem Umfang recht gegeben und sechs einstweilige Verfügungen gegen das Bohlen-Werk "Hinter den Kulissen" bestätigt. Bohlen habe "zum Teil ehrenrührige Tatsachenbehauptungen" aufgestellt, die vor Gericht nicht "glaubhaft gemacht worden seien", urteilte die Pressekammer. Der Verlag Random House kündigte an, bis zum Montag eine überarbeitete druckreife Fassung des Bohlen-Buches vorzulegen: Gewisse Passagen werde man entschärfen. (F.A.Z.)

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