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BSE : Zu viel Fleisch in deutschen Pfannen

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Deutschen essen zu viel Fleisch und Wurst. So das Fazit des „Ernährungsberichts 2000“. Das passt zur BSE-Panik. Viele Kunden wollen trotzdem nicht auf ihr Wurstbrot verzichten. Die Metzger versprechen ihnen Qualität ohne Angst vor Rinderwahn.

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          Wurst und Fleisch sind des Deutschen liebstes Kind. Der Eindruck entsteht beim Blick auf die aktuellen Zahlen. Im letzen Jahr stieg der Pro-Kopf-Fleischverbrauch auf 62,3 Kilogramm. Rund 40 Kilogramm davon Schweinefleisch, etwa zehn Kilo Rind. Über die Hälfte des Fleischs essen wir in Form von Wurst oder sonstigen Fleischprodukten. Kein Wunder also, dass die Autoren des „Ernährungsberichts 2000“ den Zeigefinger heben: In deutschen Haushalten brutzelt zu viel Fleisch in der Pfanne.

          Zuviel tierisches Fett wird verzehrt, so das zentrale Fazit des Berichtes, den die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Auftrag der Bundesministerien für Gesundheit und Landwirtschaft alle vier Jahre herausgibt. Die aktuelle Ausgabe stellte Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) kurz vor Weihnachten vor. Zufällig am gleichen Tag, an dem der dritte BSE-Fall in Deutschland bestätigt wurde. Besser konnten die mahnenden Worte der Ministerin und des Präsidenten des DEG, Helmut Erbersdobler, gar nicht in platziert werden. Wegen der BSE-Gefahr rieten beide vom Verzehr von Rindfleisch ganz ab. Auch von Wurst, die Rindfleisch enthält. Eine Rückholaktion von Wurstwaren gibt es allerdings nicht, seit Jahren würde in Wurstwaren kein Risikomaterial wie Hirn verarbeitet werden, klärte Ministerin Fischer auf. Zumindest in deutschen Metzgerein und Wurstfabriken.

          Ratlose Kunden

          Trotzdem stehen viele Kunden derzeit ratlos vor der Wursttheke. Über 1.500 Wurstsorten gibt es in Deutschland, viele sind regionale Spezialitäten. Was der Metzger in Bierschinken und Schwartenmagen reinmischen kann, ist im „Deutschen Lebensmittelbuch“ in den „Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse“ niedergelegt. Wie viel Innereien er in die Wurst mischt - und ob er sie überhaupt verwendet war dem Metzger bis Oktober 2000 freigestellt. Erst da kam das EU-weite Verbot von sogenannten Risikomaterialien, die nach Ansicht von Wissenschaftlern den Erreger des Rinderwahnsinns BSE übertragen können. Damit wurde spezifisches Risikomaterial wie Hirn, Rückenmark, Augen und Mandeln von Rindern, Schafen und Ziegen aus der Nahrungskette verbannt.

          Hauptsächlich aus Schweinefleisch

          Die ganze Diskussion um Rinderhirn in der Wurst löst beim Deutschen Fleischer-Verband in Frankfurt am Main heftiges Kopfschütteln aus. „Die Fachgeschäfte verarbeiten seit Jahren kein Hirn. Aus wirtschaftlichen Gründen macht das schon gar keinen Sinn, weil fast alle Hirn zukaufen müssten“, so Pressesprecher Christoph Silber-Bonz. 20.500 Metzger sind in dem Verband organisiert. Nur noch etwa 7.000 schlachten selbst. Nach den Standard-Rezepturen wird für die meisten Würste Schweinefleisch verwendet. Das gilt für alle Kochwürste, für die Bratwürste und für viele Brühwürste wie Lyoner, Schinken- und Jagdwurst sowie Gelbwurst. „Es besteht keine Veranlassung, den Wurstverzehr einzuschränken“, wirbt Silber-Bonz.

          Das sieht die Herausgeberin des „Ernährungsberichts“ anders. Sie würde Wurst mit Rindfleischanteil nicht kaufen, sagte Andrea Fischer. Deutlicher kann eine Ministerin nicht werden.

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