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BSE : Briten untersuchten Rinder statt Schafe

  • Aktualisiert am

Ein Schaf? Bild: dpa

Eigentlich sollten britische Forscher untersuchen, ob BSE auf Schafe übertragbar ist. Doch wie sich jetzt zeigte, studierten die Wissenschaftler Rinderhirne.

          2 Min.

          Fünf Jahre lang haben britische Forscher das Falsche unterm Skalpell gehabt. Eigentlich sollten sie an Schafhirnen prüfen, ob die Rinderkrankheit BSE auf Schafe übertragbar ist. Doch leider stellte sich nun heraus, dass insgesamt 2863 untersuchten Hirne Rinderhirne waren. Die Studie ist damit hinfällig.

          Die Studie ist damit hinfällig - und der Ruf der Forschungseinrichtung ramponiert. Der Direktor des Instituts für Tiergesundheit, Chris Bostock, war nach dem Fehler "entgeistert, am Boden zerstört". Ein Sprecher des Londoner Ministeriums für Lebensmittel und Landwirtschaft, das die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte, kommentierte den peinlichen Vorfall so: "Die Frage, die wir uns stellen, ist, wie das passieren konnte."

          Das werden sich auch die europäischen Agrarminister fragen. Die EU wollte auf Basis der Studienergebnisse über Maßnahmen gegen den Rinderwahn BSE diskutieren wollten. Sogar über die Tötung von Schafen war schon gesprochen worden. Schließlich waren die Tierforscher angesichts ihres falschen Forschungsmaterials zwangsläufig zu dem Schluss gelangt, BSE könne bei Schafen auftreten.

          Scrapie und BSE sollten untersucht werden

          Die Studie sollte klären, ob und wie die Schafkrankheit Scrapie mit dem Rinderwahn zusammnenhängt. Die beiden Krankheiten zeigen ähnliche Krankheitsbilder. Deshalb sollten Schafhirne auf Spuren von BSE untersucht werden.

          DNS-Tests haben aber ergeben, dass das untersuchte Material zu 100 Prozent von Rindern stammte. Das Ministerium und das Institut für Tiergesundheit haben nach Angaben des Sprechers Untersuchungen eingeleitet. Alle Versuche, die in den vergangenen Jahren unternommen wurden, müssen nun wiederholt. Auch das wird wieder mehrere Jahre dauern. Die britische Öffentlichkeit hofft, dass man sich diesmal sofort versichert, dass man mit dem korrekten Material arbeitet. Schließlich kostete die jahrelange Versuchsreihe immerhin mehr als 680.000 Mark.

          Hohn und Spott für das Institut

          Mit der Blamage ist das im schottischen Edinburgh ansässige Institut für Tiergesundheit schon genug gestraft. Doch zusätzlich prasseln nun auch noch Hohn, Spott anderer Wissenschaftler und beißende Kritik aus der Politik auf die Einrichtung herab. Ein dramatischer Rückschlag für die Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens, sei die Untersuchungspleite, wetterte Peter Ainsworth, Sprecher der konservativen Opposition. "Man kann es schlicht nicht glauben." Professor Peter Smith, Chef des Regierungskomitees zur Untersuchung von BSE und Creutzfeldt-Jakob, sprach in typisch britischem Understatement von einem "ziemlich katastrophalen Fehler". Nur der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums zeigte sich erleichtert, dass die Sache ans Licht gekommen ist: "Wir hätten uns als Regierung viel mehr blamiert, wenn wir auf der Grundlage dieser fehlerhaften Tests irgendwelche weitreichenden Maßnahmen ergriffen hätten."

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