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Brunei : Eine Hochzeit wie aus Tausendundeiner Nacht

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Bruneis Kronprinz Muhtadee Billah heiratet die 17 Jahre alte Sarah Salleh Bild: AP

Im kleinen, aber überaus reichen Sultanat Brunei hat der Kronprinz in einer prachtvollen Zeremonie die Bürgerliche Sarah Salleh geheiratet. Die Mutter der 17jährigen stammt aus der Schweiz.

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          In einer orientalischen Märchenhochzeit hat der Kronprinz des südostasiatischen Ölsultanats Brunei, Muhtadee Billah, seine erst 17 Jahre alte bürgerliche Braut Sarah Salleh geheiratet. Im Beisein von Tausenden geladenen Gäste aus aller Welt wurde das Paar in einer farbenprächtigen, Jahrhunderte alten malaiischen Zeremonie in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan am Donnerstag getraut. Anschließend zeigte sich das strahlende, frischvermählte Paar an der Spitze eines Autokorsos aus mehr als 100 Fahrzeugen vielen jubelnden Untertanen.

          Die Hochzeit galt in dem winzigen, streng muslimischen Monarchenstaat auf der Insel Borneo und in den Nachbarregionen als das Ereignis des Jahres. Die Trauung in Bandar Seri Begawan war die spektakulärste Eheschließung in Asien seit der Hochzeit von Naruhito und Masako vor elf Jahren. Von Freitag an sollen drei Nächte in Folge Feuerwerke den Himmel über Brunei erleuchten.

          Traditionen

          Als sie das moslemisch-malaiische Hochzeitsgebet sprechen, sitzen die Brautleute auf gelb-goldenen Prunksesseln mit reichen Verzierungen, der Kronprinz trägt eine goldene Krone, die Braut ein mit Diamanten besetztes Diadem. Die Brautleute küssen die Hände des 58jährigen Sultans Hassanal, eines der reichsten Männer der Welt, um den Segen für ihre Ehe zu erhalten. Um die Ehe zu besiegeln, hatte der Vater des Bräutigams, Sultan Hassanal Bolkiah, die Hand seines Sohnes genommen und mit ihr den Kopf der Braut berührt.

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          Brunei : Eine Hochzeit wie aus Tausendundeiner Nacht

          Die Braut trug bei der nach Angaben der Organisatoren umgerechnet rund vier Millionen Euro teuren Hochzeit ein traditionelles malaiisches Gewand in saphirblau und einen passenden, bis zum Boden reichenden Seidenschleier. Der Kronprinz war in ein hellviolettes Kostüm ebenfalls in der Tradition seiner Heimat gekleidet. Dazu trug er einen goldenen Kopfschmuck.

          Im Autokorso wurde auf einem Wagen des langen Zuges auch die Krönungsinsignien des Sultanats präsentiert, darunter ein vergoldeter Schirm, eine goldene Truhe mit Nüssen, 16 Schwerter mit Gold- und Silbergriffen sowie juwelengesäumte Seidentücher.

          Die Brautleute

          Muhtadee Billah war 1998 offiziell zum Kronprinz von Brunei ernannt worden. Der in Oxford in Diplomatie, Recht, Politik und Wirtschaft ausgebildete Monarchensproß soll einmal als 30. König Nachfolger seines Vaters Sultan Hassanal Bolkiah werden. Seine junge Frau besucht bislang eine örtliche Universität. Die Mutter der Braut stammt aus einem Dorf bei Zürich. Sie kam in den 70er Jahren nach Brunei und arbeitete im Gesundheitsministerium. Der Vater arbeitet als Manager im Ministerium für öffentliche Arbeiten.

          Zu den Gästen der Traumhochzeit zählten die Premierminister von Singapur und Malaysia, die philippinische Präsidentin, der japanische Kronprinz und der Herzog von Gloucester als Vertreter des britischen Königshauses.

          Gesundheitsversorgung gratis

          Das kleine moslemische Sultanat Brunei teilt sich die Insel Borneo mit Malaysia und Indonesien. Es blickt auf eine Tradition von sechs Jahrhunderten zurück, sein heutiger Reichtum beruht auf Ölvorkommen. Der Sultan galt bis zum Beginn der High-Tech-Ära als reichster Mann der Welt. Er hält im mit knapp 1800 Zimmern weltweit größten Residenzpalast Hof und steuert als Hobbypilot bisweilen selbst einen Jumbo-Jet.

          Eine Serie von Fehlspekulationen durch den jüngeren Bruder des Kronprinzen, Prinz Jefri, bescherte dem Herrscherhaus in den 90er Jahren aber Verluste von rund sieben Milliarden Dollar. Jefri lebt jetzt in Europa und war auch nicht bei der Hochzeit. Ob er überhaupt eingeladen worden war, blieb unbekannt.

          Wahlen gab es in dem 310.000 Einwohner zählenden Land zuletzt 1962. Im Gegenzug wurde den Bürgern Steuerfreiheit, kostenlose Ausbildung und Gesundheitsversorgung gratis gewährt.

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