https://www.faz.net/-gum-8g4gm

Britische Kronjuwelen : Indische Regierung will Diamanten zurück

  • Aktualisiert am

Stein des Anstoßes: der Diamant in der Krone von Queen Mum, hier auf einem Bild aus dem Jahr 1937. Bild: dpa

Wem gehören die Schätze, die Kolonialherren aus aller Welt zusammenrafften? Gerade streiten Indien, Pakistan und Großbritannien um einen besonderen Diamanten.

          1 Min.

          Die indische Regierung will den unschätzbar wertvollen Diamanten „Koh-i-Noor“ aus den britischen Kronjuwelen zurück auf den Subkontinent holen. Der legendäre Stein war während der Kolonialzeit in britische Hände übergegangen. Nun ist der 109 Karat große Diamat das zentrale Stück in der Krone von Königin Elisabeth, der späteren Queen Mum, die 2002 starb.

          Die indische Regierung werde versuchen, den Stein auf „gütlichem Weg“ nach Indien zu überführen, erklärte das Kultusministerium in Neu Delhi am späten Dienstagabend. Vorherige Regierungen hatten erklärt, der „Koh-i-Noor“, dessen Name „Ein Berg voller Licht“ bedeutet, sei ein Geschenk gewesen. Deswegen gebe es keine Grundlage, auf der eine Forderung gestellt werden könne.

          Großangelegtes Rückführungsbestreben

          Die derzeitige hindu-nationalistische Regierung von Premierminister Narendra Modi aber versucht, Kunstgegenstände aus aller Welt zurückzuholen. Kanzlerin Angela Merkel brachte bei ihrem Indienbesuch im vergangenen Jahr eine Durga-Statue aus Stuttgart mit, die ein Hehler aus dem Land geschafft hatte.

          Derzeit laufen sowohl in Indien als auchin Pakistan Gerichtsverfahren zur Rückführung des „Koh-i-Noor“, die von Privatleuten und Nichtregierungsorganisationen initiiert wurden. Gefunden wurde der Stein wahrscheinlich vor vielen Hundert Jahren im südindischen Andhra Pradesh. An die Briten übergeben wurde der Stein 1849 vom Sohn des Maharadscha Ranjit Singh, dem erst 14 Jahre alten Daleep Singh. Dessen Herrschaftssitz war in Lahore, das heute in Pakistan liegt.

          Bei einer Anhörung vor Indiens höchstem Gericht hatte der Generalstaatsanwalt am Montag die Haltung der Regierung in Neu Delhi erklärt. Indische Medien berichteten daraufhin übereinstimmend, die einstige Kolonie erhebe heute keine Ansprüche auf den Diamanten. Dieser Darstellung widersprach das indische Kultusministerium nun vehement.

          „Alte Positionen“

          Der Generalstaatsanwalt habe nur alte Positionen wiedergegeben, heißt es in dem Statement. Demnach wurde zum Beispiel Indiens erster Premierminister Jawaharlal Nehru zitiert. „Es scheint erstrebenswert, dass ausländische Museen indische Kunstgegenstände haben“, soll Nehru gesagt haben. Was genau die Regierung nun unternehmen wolle, um den „Koh-i-Noor“ zurückzubekommen, werde dem Gericht in spätestens sechs Wochen mitgeteilt.

          Großbritanniens Regierungen haben eine Rückgabe des Diamanten immer wieder abgelehnt. Zuletzt sagte Premierminister David Cameron bei einer Indienreise im Jahr 2010 zu lokalen Medien, dies schaffe einen Präzedenzfall. „Wenn man einmal ‚Ja‘ sagt, dann wäre das Britische Museum auf einmal leer.“

          Weitere Themen

          Auch Taiwan hat nun Probleme

          Corona-Liveblog : Auch Taiwan hat nun Probleme

          Großbritannien gilt wieder als Risikogebiet +++ Spahn mit AstraZeneca-Vakzin geimpft +++ WHO-Chef fordert Impfstoff für ärmere Länder statt für Kinder +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Israels Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt Raketen ab, die vom Gazastreifen aus abgefeuert wurden, gesehen von Aschkelon am Freitag.

          Mehr Geschosse aus Gaza : Im Hagel der Hamas-Raketen

          Laut den israelischen Streitkräften wurden seit Montag mehr als zweitausend Geschosse auf Israel abgefeuert. Das zeigt: Die Feuerkraft der Hamas und anderer Milizen ist gewachsen. Doch wie ist ihnen das gelungen?
          Andreas Jung, CDU: „Größte Stromverbilligung seit Erfindung der Steckdose“

          Klimaschutz : CDU will CO2-Preis steigern und Strom billiger machen

          Die Regierung will beim Klima Tempo machen, aber sie sagt nicht wie. Der CDU-Abgeordnete Jung sagt jetzt: Wer mehr Treibhausgas ausstößt, muss zur Kasse gebeten werden. Und er legt Zahlen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.