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Wenn ein Dorf in einer Grube verschwindet

Von STEFANIE GRUBE und CHRISTIAN A. WERNER (Fotos)

29.06.2016 · Wegen des Tagebaus Garzweiler wurden ganze Siedlungen versetzt. Bis ein neues Haus aber ein Zuhause ist, das dauert.

Dass das Ende für Borschemich kommen würde, war eigentlich allen klar. Sabine Rosen zum Beispiel fuhr schon in ihrer Jugend in den siebziger Jahren durch verlassene Nachbardörfer, wenn sie zum Freibad wollte – Dörfer, die dem Braunkohle-Tagebau weichen mussten. Damals hieß es schon: Dieses Schicksal wird auch Borschemich bald treffen, irgendwann wird es abgerissen. Aber das Ende kam nicht.

Und so hielt Sabine Rosen nichts davon ab, noch 1999 mit ihrem Mann Udo ein neues Haus in Borschemich zu bauen. Rosen ist dort auf dem landwirtschaftlichen Hof ihres Vaters aufgewachsen, ihr Sohn Niklas liebte es, Traktor zu fahren, die Kühe zu füttern und den Stall aufzuräumen. Aber wo sollte sie sonst ihre Zukunft planen? Und schließlich gab es auch solche Dörfer, die dann doch stehen blieben, bei denen RWE die Route für die weitere Ausbaggerung änderte.

Nachbarschaften: Vernageltes Haus in Borschemich (alt) und ein neues Haus in Borschemich (neu)

Seit Ende 2011 wohnen die Rosens nun in „Borschemich (neu)“. Sie wurden umgesiedelt, wie mittlerweile alle 500 Borschemicher, die letzten von ihnen Ende vergangenen Jahres. Im Februar wurde die alte Linde in Alt-Borschemich gefällt, das Dorfsymbol – durch die Dorfbewohner persönlich, damit kein Fremder Hand anlegen konnte. Da standen noch die Kirche und ein paar letzte verlassene Häuser. Alles andere, egal ob Gebäude oder Natur, war bereits abgerissen.

Man muss nicht erst zu deutschen Kriegszeiten zurückkehren, um Menschen zu finden, die in Deutschland ihre Heimat verloren haben. Wilfried Lörkens, Anneliese Cremer, Sabine und Udo Rosen, Brigitte Albrecht und Hans-Willi Fischermann, die Menschen in unserer Geschichte, teilen alle dasselbe Schicksal: Sie mussten ihre Häuser und ihre Heimat verlassen, damit darunter in 250 Metern Tiefe Braunkohle abgebaut werden kann.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs mussten in Deutschland mehr als 50 Orte dem Tagebau weichen, Autobahnen wurden verlegt, Äcker, Wiesen und Wälder abgetragen. Rund 35 000 Menschen wurden umgesiedelt. Allgemeinwohl geht vor Privatgut: Umsiedlungen und Enteignungen zur Gewinnung von Braunkohle verstoßen nicht gegen das Grundrecht auf Heimat, urteilten die Richter des Bundesverfassungsgerichts 2013.

Wilfried Lörkens mit seinem Schulfreund Theo Gormans, Anneliese Cremer, Sabine und Udo Rosen, Brigitte und Rainer Albrecht (von links)

Garzweiler. Das war doch gestern, oder? Nein: Braunkohle wird in Deutschland immer noch abgebaut. Borschemich, 20 Kilometer südlich von Mönchengladbach gelegen und der Stadt Erkelenz zugehörig, ist ein jüngstes Beispiel: Wo das Dorf einst war, wird nun von RWE Power, einer Tochterfirma von RWE, Braunkohle gefördert. Garzweiler II heißt das Gebiet, das sich schon oder bald auch über Nachbardörfer erstreckt.

Der Letzte macht das Licht aus Für Wilfried Lörkens wird es jetzt der erste Sommer im neuen Borschemich. Er ist einer der letzten Dorfbewohner, die in den neuen Ort umgezogen sind. Lörkens wollte einfach nicht raus aus dem alten Borschemich, obwohl er dort längst allein wohnte. Nur nachts kam Leben in das halbverfallene Örtchen: Autos mit ausländischen Kennzeichen fuhren durch die verlassenen Straßen, Kupferkabel wurden aus den Hauswänden geklopft, leere Häuser durchsucht in der Hoffnung, irgendetwas von Wert dort noch zu finden.

Lörkens ließ sich davon nicht abschrecken, er blieb in seinem Zuhause: Haus Paland, ein ehemaliges Rittergut aus dem Mittelalter. Denkmalgeschützt, einst ein Wasserschloss, Graben inklusive. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte die Wasserburg der Familie Lörkens, und Sohn Wilfried wurde dort geboren; sie war immer ein Treffpunkt für das gesamte Dorf. Es gibt Fotos, die Kinder auf Schlitten zeigen, die über den gefrorenen Wassergraben rutschen.

Lange noch mähte er den Rasen rund um die Burg; es sollte ja, solange er dort wohnte, ordentlich aussehen. Nachgegeben hat Lörkens erst spät, im Frühling vergangenen Jahres. Da einigte er sich nach jahrelangen Verhandlungen schließlich mit RWE auf einen Preis für sein Haus und Grundstück. Den Rasen rund um seine Burg mähte er trotzdem immer noch mit seinem kleinen Trecker; es solle ja, solange er noch hier wohne, ordentlich aussehen, sagte er damals. Beugen musste sich Lörkens übrigens so oder so; wäre es zu keiner Einigung gekommen, hätte RWE die Möglichkeit gehabt, ihn zu enteignen.

Dass er wirklich würde umziehen müssen, konnte er nicht so recht glauben; dass er die Burg gegen Geld tauschen musste, fand er nicht richtig. „Ich dachte, vielleicht kann man mir stattdessen ein größeres Haus irgendwo anders anbieten“, sagt Lörkens über seine langen Verhandlungen mit RWE. Doch ein Recht auf einen Ersatz durch ein gleichwertiges Grundstück gibt es nicht. Wie hätte RWE das auch leisten sollen.

Haus Paland, eine beinahe eintausend Jahre alte Wasserburg, die seit über zweihundert Jahren im Besitz der Familie Lörkens ist, wurde im Dezember 2015 abgerissen.

So blieb Lörkens am Ende nichts anderes übrig, als alle Dinge in Umzugskisten zu packen, die er in der Burg in seinen 64 Jahren angesammelt hatte – oder die schon vor ihm dort waren. Im Sommer 2015 fuhr Lörkens jeden Tag die zehn Kilometer zwischen dem alten und dem neuen Borschemich hin und her. Er überwachte den Hausbau im neuen Dorf, schaute sich die Fortschritte an. Übernachten und wohnen wollte er aber nur in seinem alten Haus.

Groß ist es und wuchtig, das neue Haus von Lörkens im neuen Borschemich. Das breite Gebäude sticht aus der Masse der anderen neuen Häuser heraus. Aber eine Burg ist es natürlich nicht. Lörkens hat eine riesige Werkstatt eingebaut in das neue Haus, er will viel Platz haben für seine Geräte und Maschinen, für die er im Wasserschloss ausreichend Lagerraum besitzt. Den mit RWE vereinbarten Umzugstermin im Juni schaffte er nicht; zu viele Kisten und Gegenstände, von denen er sich nicht trennen konnte, verzögerten das Prozedere. Erst im September dann war es so weit.

Das neue Haus von Lörkens im neuen Borschemich

Beim Abriss von Haus Paland im Dezember war Lörkens vor Ort. Er stand hinter dem Bauzaun und sah sichtlich schweren Herzens zu, wie der Bagger die Wasserburg dem Boden gleichmachte. Schwierig sei das für ihn, klar, sagte er. Es führt kein Weg zurück. Im neuen Borschemich vollständig eingezogen, sagt er inzwischen: „Drüben ist immer für mich die Heimat, mein Zuhause.“

Einer, der das schon hinter sich hat mit der Umsiedlung, ist Hans-Willi Fischermann. Sein Dorf, Otzenrath, ist das Vorzeigeprojekt aller braunkohlebedingten Umsiedlungen. Das, was RWE immer gerne als positives Beispiel nennt: „80 Prozent Umsiedlungsrate“. 80 Prozent der Alt-Otzenrather sind mit in das neue Otzenrath umgesiedelt. Fischermann besucht oft das immer leerer werdende Borschemich, er sucht hier nach Kräutern und Pflanzen, die er in seinem neuen Dorf nicht findet. „Hier, Blutpfirsiche, die sind selten“, sagt er und klettert über eine kleine zerbröckelnde Mauer in einen verwilderten Garten. Dort triumphiert ein alter Baum mit dicken, gelb-orangen Pfirsichen, als könne er hier stehen bleiben. „Ich habe mal versucht, so einen Baum im neuen Dorf zu pflanzen“, sagt Fischermann, „Ist nichts geworden.“

Er macht eine Pause, dann sagt er: „Die neuen Dörfer sind klinische Dörfer. Keine Pferde, keine Kaninchen, kein Krach. Das ganze Dorfleben stimmt nicht mehr.“ Die Nachbarn wollten zusammenhalten, daher auch die hohe Umsiedlungsrate, die Otzenrather wollten weiter zusammen als Dorfgemeinschaft leben. „Aber das ist anders, den größten Teil der Leute kennt man nicht mehr, wenn alle umgesiedelt sind“, sagt Fischermann. „Einmal haben Nachbarn die Polizei gerufen, weil ein paar Jugendliche die Musik zu laut aufgedreht hatten. Am Nachmittag!“ Erst denke man, das werde schon alles noch, sagt Fischermann. Mittlerweile wohnt er seit 13 Jahren im neuen Otzenrath.

Schaufelbagger am Ortsrand Landwirte sind von den Umsiedlungen besonders betroffen. Sie können meist nicht mit in die neuen Dörfer siedeln, ohne ihre Landwirtschaft aufzugeben. Entweder gibt es in dem neuen Ort kein freies Ackerland mehr, oder die angrenzenden Bewohner haben durchgesetzt, dass Viehhaltung nicht erlaubt ist. RWE schreibt: „Für die Landwirte, die vom Braunkohlebergbau betroffen sind, ergibt sich insofern eine besondere Situation, als dass gleichzeitig mit dem Verlust der Wohnstätte auch die betriebliche Existenz beeinträchtigt werden kann.“ Fischermann meint: „Ein Dorf ohne Bauern? Das ist doch Stadtrand.“

Ein Auto mit Aachener Kennzeichen fährt durch das alte Borschemich, ein Pärchen steigt aus, die Frau fragt Fischermann erstaunt: „Was ist denn hier los? Warum ist denn das ganze Dorf verlassen?“ Fischermann muss lachen, er zeigt rund 100 Meter weiter auf den kaum übersehbaren Schaufelbagger am Rand der Braunkohlegrube. „Und dafür wird ein ganzes Dorf abgerissen?“, fragt die Frau entsetzt. Später, als das Auto weg ist, schmunzelt Fischermann und zündet sich noch eine Zigarette an. Nee, hier noch zu wohnen, das wäre nichts, sagt er.

  • Der Abriss eines Wohnhauses im alten Borschemich
  • Blick auf den Tagebau Garzweiler bei Borschemich
  • Blick auf den Tagebau Garzweiler bei Jüchen
  • Ein stillgelegter Abschnitt der Autobahn 44 bei Jüchen

„Man ist gezwungen, sein Zuhause zu verlassen. Und dann weiß man: Es gibt dieses Zuhause nicht mehr“, sagt Wilfried Lörkens’ Schwester Anneliese Cremer. Als beträfe das gar nicht sie, die jetzt in ihrem neuen Haus in Neu-Borschemich in der Küche sitzt – so unbenutzt sieht alles aus, dass man Cremer gar nicht glaubt, dass sie schon seit einem halben Jahr hier wohnt. Es sei irgendwie immer noch ein Gefühl von Urlaubswohnung, sagt sie.

Das Haus, in dem Cremer in Alt-Borschemich gewohnt hat, gibt es nicht mehr. Allerheiligen im November 2014 wurde es abgerissen. Bis dahin fuhr sie fast täglich mit dem Fahrrad in das alte, immer verlassenere Borschemich. „Manchmal habe ich mich einfach nur in unseren Garten gesetzt. Das war ein so schöner Ort, mit offener Feuerstelle. Alle Nachbarn kamen früher vorbei. Man hat sich einfach wohl gefühlt“, sagt sie. Was hält Anneliese Cremer jetzt davon ab, eine neue Feuerstelle zu bauen, sich im neuen Ort einen ähnlichen Platz zu schaffen? „Ach was! Was würden denn die Nachbarn hier sagen? Das stinkt und qualmt ja auch ganz schön, so ein offenes Feuer.“

Cremer hat Fotos vom Abriss ihres Hauses gemacht. „Das hat zwar weh getan, aber nicht so sehr, wie ich dachte“, sagt sie. „Dann war wenigstens klar: Ich muss nun wirklich im neuen Ort bleiben, jetzt endgültig.“ Ähnlich wie bei ihrem Bruder war auch Cremers neues Haus schon fertig, aber sie wollte lieber noch in ihrem alten wohnen. „Meine Kinder haben dann eines Abends hier im neuen Haus gesagt, als ich wieder zurück wollte: Du kannst ja gehen, aber wir bleiben hier.“

Die Kinder von Anneliese Cremer lieben das neue Dorf, weil sie nun nur durch eine Brücke vom Stadtkern von Erkelenz getrennt sind. Cremer kann den Enthusiasmus ihrer Kinder verstehen, für sie sei der neue Ort natürlich spannender: „Die konnten im alten Dorf ja nirgendwo ihr Taschengeld ausgeben, sich noch nicht einmal einen Kaugummi kaufen.“ Denn seit klar war, dass Borschemich tatsächlich abgerissen werden würde, gab es keine Lebensmittelläden, noch nicht einmal mehr einen Kiosk im Dorf. Cremer ist 49; als sie selbst Kind war, war Borschemich noch ein normales Dorf: „Da waren mehrere Gärtnereien und Lebensmittelläden, eine Bäckerei und drei Kneipen.“

„Die neuen Dörfer sind klinische. Keine Pferde; keine Kaninchen, kein Krach. Das Dorfleben stimmt nicht mehr.“ Cremer wohnt zwei Straßen von ihrem Bruder Lörkens entfernt. Eine dieser Straßen befindet sich noch im Bau, die andere ist schon fertig, gerahmt von fein säuberlich gestalteten Vorgärten. Die Pflanzen und Bäume sind hier noch klein, sehr klein. Im neuen Borschemich gibt es viele Spielstraßen, deren neue Pflastersteine in der Sonne glänzen. Es gibt auch eine Mehrzweckhalle. Hier trifft sich nun der Schützenverein, die Feuerwehr, Dorftreffen werden abgehalten, und der Schulsport findet hier statt. Neben der Halle steht die neue Kapelle. Von Beginn an war das ein wichtiger Punkt für die Borschemicher: dass es wieder eine Kirche oder eben wenigstens eine Kapelle gibt.

  • Die Kirche Sankt Martinus im alten Borschemich. Im November 2014 wurde die Kirche entweiht.
  • Der Friedhof in Borschemich (neu) mit umgesiedelten Gräbern

Die Kirche in Alt-Borschemich war ein wichtiges Dorfsymbol, ihre Entweihung ein weiterer Schritt des Abschieds vom alten Dorfleben. Die Kirchenbänke wurden verkauft. 100 Euro kostete eine, die Bank musste selbst abmontiert werden. „Da hatte ich erst überlegt, aber dann dachte ich mir, was soll man damit“, sagt Anneliese Cremer.

Gegen das Gefühl der Heimatlosigkeit hilft wohl entweder Jugend - wie bei den Cremer-Kindern - oder eine große Familie: Birgit und Rainer Albrecht haben den Umzug in das neue Dorf genutzt, um ihren beiden Kindern plus wiederum deren Kindern Grundstücke neben ihrem Haus zu sichern. Nun wohnen drei Generationen nebeneinander. „Das wäre im alten Borschemich nicht passiert“, sagt Brigitte Albrecht. Das alte Dorf sei so schwer erreichbar gewesen, mit weitem Busweg zur nächsten Schule.

RWE muss rekultivieren „Das hat alles seine Vor- und Nachteile“, sagt Rainer Albrecht oft über die Umsiedlung. Auch Brigitte Albrecht sieht das neue Zuhause ganz pragmatisch: „Viele ältere Paare haben sich hier neue Häuser gebaut, die viel zu groß für sie sind. Die sind genauso alt wie wir. Da frage ich mich: Wer soll das alles putzen?“ Birgit Albrecht macht eine ausholende Handbewegung und fügt hinzu: „Alles ebenerdig hier. Altersgerecht.“ Ihr Mann übernimmt: „Wir heizen mit Erdgaswärme“, sagt er und erzählt, wie viel Geld sie für Öl ausgeben mussten im alten Borschemich für ihren Bauernhof.

Der hängt, als eines der ersten Häuser abgerissen, noch als Foto im Flur. Man sieht das mehrteilige Gebäude, die Ställe und die weite Wiese dahinter. Das war den Albrechts bei der Wahl ihres neuen Grundstücks wichtig, dass sie einen freien Blick haben, wenn sie aus dem Wohnzimmerfenster schauen. Jetzt sagt das Paar sogar: „Es geht uns wie vielen Leuten, dass wir nicht mehr zurück wollen.“

Dörfer, die dem Tagebau weichen

Ist die Braunkohle im Gebiet des ehemaligen Borschemichs abgebaut, wird die Landschaft rekultiviert. RWE ist als das Unternehmen, das die Braunkohle fördert, auch für diese Rekultivierung verantwortlich. Es sollen dann wieder Ackerflächen entstehen, zusätzlich Seen und Teiche. In einer Fernsehsendung für Kinder erklärt der Sohn von Udo und Sabine Rosen mit Hilfe von Fachleuten, was für ein Einschnitt der Braunkohleabbau für die Natur bedeutet. Niklas Rosen war zwölf Jahre alt, als er mit seinen Eltern in das neue Borschemich zog. Nicht alle seine Freunde aus dem alten Dorf zogen mit um, manche Familien entschieden sich für einen anderen Ort. Niklas’ Großvater, Sabine Rosens Vater, der Landwirt war, siedelte zwar mit um in das neue Dorf, musste dafür aber die Landwirtschaft aufgeben. Seine 65 Milchkühe und 30 Rinder hat er verkauft.

Neue, alte Nachbarn Protest gegen die Umsiedlung gab es keinen. „Weil es eh nichts bringt, zu protestieren“, sagt Sabine Rosen. Damals habe man gegen Garzweiler vielleicht eine Lichterkette organisiert rund um die Kohlegrube, erzählt sie. Dann aber sei nichts weiter passiert, als der Abbau von mehr Braunkohle und die Planung der weiteren Umsiedlungen.

Die Rosens haben die Internetseite borschemich.de ins Leben gerufen. Sie setzen sich dafür ein, dass das neue Leben im Dorf gesellig bleibt, dass die Bewohner zusammenhalten – dass sie ein eigenständiges Dorf sind und eben kein Stadtrand. Aber das gestaltet sich bisher schwierig: Das neue Dorf besteht eben nicht nur aus den Umgesiedelten, sondern auch aus vielen „Neuen“, die die freien Grundstücke gekauft haben. Die (erwachsenen) Kinder der Albrechts zum Beispiel. Aber auch Menschen, die zuvor noch nie etwas von Borschemich gehört hatten.

Geht man im neuen Borschemich an dem kleinen Weg vor der Kapelle in Richtung Autobahn, vorbei an dem neu angelegten Garten der Rosens, in denen die Pflanzen noch viel zu klein sind, als dass sie den Blick in die Fensterfronten verhindern könnten, sieht man aufgetürmte Erdhügel. Hier entsteht das neue Keyenberg, offiziell dann so geschrieben: „Keyenberg (neu)“. Keyenberg – das ist das Dorf neben dem alten Borschemich. Die Keyenberger müssen ebenfalls umziehen, sie werden das nächste Braunkohle-Umsiedlungsprojekt von RWE. Jetzt soll das neue Keyenberg neben dem neuen Borschemich aufgebaut werden. Also alles fast wie früher.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 29.06.2016 16:16 Uhr