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Brauchtum : Am 1. April wird rund um die Welt gefoppt

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War Kaiser Karl der V. der „Vater des Aprilscherzes”? Bild: epd-bild

Woher der Brauch kommt, andere Menschen „in den April zu schicken“, ist unklar. Trotzdem ist er rund um den Erdball beliebt. Auch wenn französische Humoristen den „Tag ohne Humor“ ausrufen.

          Am 1. April muss jeder sich bei unwahrscheinlichen Geschichten fragen, ob sie wahr sind. Denn der Brauch, andere „in den April zu schicken“ ist rund um den Erdball verbreitet. Woher er kommt, ist unklar. Und für manchen scheint scherzen im Angesicht des Irakkrieges unangebracht. Französische Humoristen rufen an diesem 1. April sogar den „Nationalen Tag ohne Humor“ aus.

          Dabei stellt gerade der „April's Fool“ eine Gemeinsamkeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem „alten Europa“ dar: Denn als die „Neue Welt“ in Übersee besiedelt wurde, hatten die Pilgerväter den noch heute beliebten Brauch im Gepäck, dessen Ursprünge Forscher in Frankreich und Deutschland vermuten. Mittlerweile kennen viele Völker weltweit den Brauch, bis auf Juden und Moslems, bei denen der April ungescherzt beginnt. Selbst in Indien pflegt man den Brauch des Aprilscherzes, mancher sieht dessen Ursprünge sogar im alten indischen Hulifest.

          Ursprung unbekannt - oder ist auch das ne Ente?

          Woher der Brauch kommt, ist allerdings unbekannt. „Das ist wohl ungeklärt“, sagt der Münchner Volkskundler Dietz-Rüdiger Moser. Unter den zahlreichen Erklärungsversuchen gebe es aber einen, der stichhaltig sei und von einem „Börsenkrach“ des 16. Jahrhunderts ausgehe: Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530, auf dem die protestantischen Fürsten Kaiser Karl V. ihr Glaubensbekenntnis überreichten, sollte neben dem Religionsstreit auch das Münzwesen geregelt werden. Der Reichstag fand jedoch nicht die nötige Zeit, so dass für den 1. April 1530 ein besonderer Münztag ausgeschrieben wurde, der das Ziel zahlreicher und großartiger Gewinnpläne wurde. Als dann aber der 1. April endlich kam, wurde der verheißene Münztag doch nicht abgehalten, und es kam zu einer finanziellen Krise. Die Mehrzahl der Spekulanten, die dadurch ihr Geld verloren, wurden als „angeführte Narren“ ausgelacht. Sie waren „in den April geschickt“ worden. „Die Redensart selbst begegnet uns zuerst 1618 in Bayern, ist also vergleichsweise jung und deshalb durchaus auf den zuvor geschilderten Sachverhalt zurückführbar“, erklärt Moser.

          Eine weitere, häufig angeführte Erklärung ist die Kalenderreform in Frankreich in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Karl IX. von Frankreich verlegte demnach 1564 per Dekret den Jahreswechsel, der bis dahin am 1. April stattfand, auf den 1. Januar. Damit brachte er nicht nur die Tradition durcheinander, am 1. April Geschenke zu verteilen, sondern machte auch diejenigen zu „Narren“, die der neuen Regel nicht folgen wollten oder aus Unwissen weiterhin am 1. April Neujahr feierten.

          Römische Narren feierten am 1. April

          Auch das römische Narrenfest, die Quirinalia, wurde um den 1. April herum gefeiert. Ebenso das Herumschicken Jesus' „von Pontius zu Pilatus“, das am 1. April stattgefunden haben soll, muss als Deutungsversuch für „in den April schicken“ herhalten. Auch weitere christliche Hintergründe werden für Erklärungsversuche herangezogen: Der 1. April gilt als der Geburts- oder Todestag des Judas' und als der Tag des Engelssturzes und des Einzugs Luzifers in die Hölle - also als Unglückstag, an dem man sich generell in Acht nehmen müsse.

          Ursprünglich vergnügten sich am ersten Tag des Aprils Erwachsene auf Kosten ihrer Kinder und Herren oder Meister auf Kosten ihrer Untergebenen. Heutzutage versucht jeder jeden in den April zu schicken, vor allem Kinder freuen sich, wenn sie anderen einen Zettel auf den Rücken heften oder die Kleider beschmieren können, ohne dass diese es merken. Besonders kultiviert wird der Aprilscherz in den Medien. Wer sich also am Dienstag über merkwürdige Zeitungsmeldungen wundert, sollte nicht vergessen, dass speziell am 1. April nicht alles wahr ist, was in der Zeitung steht.

          „Tag ohne Humor“

          Vielleicht setzen sich aber auch die französischen Humoristen um den Cartoonisten Eric Deup durch und der 1. April geht in die Geschichte als der „Tag ohne Humor“ ein. Denn die „reuigen Humoristen“ organisieren mit zunehmendem Erfolg den Anti-Spaß-Tag zum vierten Mal hintereinander und wollen jetzt auch einen „Anti-Humor-Nobel-Preis“ vergeben.

          In einem Manifest des Cartoonisten heißt es: „Die heutige Welt ist nicht zum Lachen. Humor ist schädigend und verderblich, Humor ist eine Droge, aber Vorsicht - Humoristen sind keine Verbrecher, sie sind krank.“ Ein humorvoller Lebenswandel führe in eine soziale Sackgasse und halte davon ab, von den Vorteilen der Globalisierung zu profitieren. Die Zahl der Unterschriften unter dem Manifest hat sich seit dem Jahr 2000 von damals 100 auf mittlerweile 600 erhöht. Gemeinsam mit der „Akademie des Ernstes“, deren Mitglieder allesamt Slapstick-Komödianten, Comiczeichner, Kabarettisten und Sänger sind, ruft der „reuige Humorist“ alle Franzosen zum Protest gegen den Humor am 1. April auf.

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