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Karneval in Rio : Gewarnt wird vor Coronavirus, Masern und sexuellen Übergriffen

Bald ist es soweit: In Rio tanzt ein Mann auf einem der vielen Straßenfeste, die auf den großen Karneval hinfiebern. Bild: dpa

Noch gibt es keine belegten Corona-Infektionen in Brasilien. Doch mit dem Karneval, von dem viele meinen, dort sei alles erlaubt, könnte die Seuche sich ausbreiten. Der Gesundheitsminister ruft darum zu „mehr Etikette“ auf.

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          In den kommenden Tagen feiert sich Brasilien zur Ekstase. Der Karneval zieht Millionen Menschen auf die Straßen von Rio de Janeiro, Salvador, Recife und neuerdings auch São Paulo, wo in diesem Jahr fast ebenso viele Besucher erwartet werden wie in Rio. Musik, Tanz, Alkohol und andere Rauschmittel gibt es im Überfluss und dazu viel Freizügigkeit: Was für die Feiernden das reizvollste, ausgelassenste Fest des Jahres ist, sehen Fachleute aus dem Gesundheitswesen und die Behörden als idealen Nährboden für die Verbreitung von Krankheiten.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          In diesem Jahr ist das neuartige Coronavirus das bestimmende Thema. Doch die Meinungen darüber gehen auseinander. Die Gefahr einer weitreichenden Verbreitung sei klein, beruhigt ein Spezialist des Gesundheitssekretariats von Rio de Janeiro, es gebe keinen Hinweis darauf, dass das Virus in Brasilien sei und sich ausbreite. Tatsächlich wurden in Brasilien und anderen Ländern der Region bisher nur Verdachtsfälle gemeldet und noch keine Infektionen bestätigt. In den vergangenen Tagen gab es in Brasilien drei Verdachtsfälle, eine Gruppe Brasilianer, die aus der chinesischen Stadt Wuhan ausgeflogen worden waren, befindet sich weiterhin in Quarantäne.

          Umso größer ist die Angst, dass Touristen, die den Karneval besuchen, das Covid-19-Virus einschleppen könnten. Das Gesundheitsministerium weist zudem darauf hin, dass täglich Hunderte Personen aus China nach Brasilien einreisten und nicht vollständig ausgeschlossen sei, dass das Virus so unbemerkt schon Brasilien erreicht haben könnte. In diesem Fall wäre bei einem Massenereignis wie dem Karneval das Verbreitungsrisiko wesentlich erhöht.

          Im Karneval ist alles erlaubt?

          Brasiliens Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta mahnte trotz der Sorge während des Karnevals zur Ruhe. „Wir werden die Überwachung verstärken und unsere Gesundheitssysteme so organisieren, dass sie während des Karnevals den bestmöglichen Service bieten.“ Mandetta wies zudem darauf hin, dass die Aufmerksamkeit nicht allein dem Coronavirus gelte. Im vergangenen Jahr etwa sei nach dem Karneval eine Häufung von Masernfällen verzeichnet worden. Auch andere Krankheiten wie zum Beispiel das Denguefieber, das in Brasilien weiterhin häufig vorkommt, verbreiten sich in großen Menschenansammlungen rascher und einfacher. Und auch HIV bleibt trotz aller Präventionskampagnen weiterhin ein Thema in Brasilien.

          In einer Sitzung mit den Gesundheitssekretären verschiedener Städte forderte Mandetta daher, die Feiernden sollten bitte zu etwas mehr „Etikette“ aufgerufen werden. Wie die Städte das täten, sei ihnen überlassen, fügte er scherzhaft hinzu. Doch das Thema ist alles andere als spaßig. Im Karneval sei alles erlaubt, heißt es gerne, doch bei dem Aufruf, Grenzen zu setzen, geht es um mehr als das Verhindern der Ausbreitung von Krankheiten. Jedes Jahr kommt es zu zahlreichen sexuellen Übergriffen auf Frauen, die weit über vorgebliche Missverständnisse hinausreichen.

          In den vergangenen Jahren sind deshalb verschiedene Aufklärungskampagnen entstanden, um das Problem anzugehen. Oft helfen einfache Mittel wie ein temporäres Tattoo mit der Aufschrift „Nein ist nein“, das sich auf der Schulter tragen lässt. Das Zeichen ist eindeutig und zeigt Wirkung. Die Aktion „Não é não“ war im vergangenen Jahr in Rio de Janeiro derart erfolgreich, dass die Kurzzeit-Tätowierung nun auch in anderen Städten verteilt werden soll. Finanziert wird die Aktion mit Spendengeldern. Auch andere Organisationen bereiten sich mit Aktionen auf den Karneval vor, um sexuelle Übergriffe zu vermeiden. Außerdem gibt es zahlreiche Plattformen, bei denen Opfer sich melden können und Hilfe bekommen.

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