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Brasilianischer Karneval : Der Diktator im Sambodrom

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Millionenschweres Spektakel: die Sambaschule „Beija Flor“ im vergangenen Jahr Bild: AP

Der Wettkampf der Sambaschulen von Rio de Janeiro ist ein Millionengeschäft. Der zwölfmalige Karnevalsmeister „Beija Flor“ hat dafür einen umstrittenen Sponsor gefunden: Teodoro Obiang Nguema, seit 35 Jahren Diktator von Äquatorialguinea.

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          Zwölfmal hat „Beija Flor“ („Kolibri“) den Wettstreit der Sambaschulen von Rio de Janeiro gewonnen – so oft wie keine andere. Und schon vor dem diesjährigen Aufmarsch im Sambodrom hat der Karnevalsrekordmeister aus der Vorstadt Nilópolis eine weitere Bestmarke aufgestellt: zehn Millionen Reais, umgerechnet gut drei Millionen Euro Sponsorengeld hat „Beija Flor“ für ihren Umzug bekommen. Überwiesen hat das großzügige Geschenk Teodoro Obiang Nguema, 72 Jahre alt und seit 35 Jahren Diktator von Äquatorialguinea.

          Wie die brasilianische Zeitung „O Globo“ berichtet, ist Obiang schon seit längerem begeisterter Karnevalist. Seit mindestens zehn Jahren komme er regelmäßig zum Karneval nach Rio de Janeiro, begleitet von einem Tross Verwandter, unter ihnen auch sein Erstgeborener, Teodoro Nguema Obiang Mangue, genannt Teodorin, einer der Vizepräsidenten Äquatorialguineas.

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          Teodorin soll es auch gewesen sein, der seinen Vater während eines Brasilienbesuchs überzeugte, „Beija Flor“ für eine Privatvorführung zu engagieren. In einer Loge im Sambodrom trommelten und tanzten die Karnevalsmeister exklusiv für den Familienclan - gegen gute Bezahlung, versteht sich. Und so soll letztlich auch die Idee entstanden sein, Äquatorialguinea gleich einen kompletten Umzug zu kaufen.

          Derartiges Sponsoring ist im Wettstreit der Sambaschulen in Rio de Janeiro, der längst ein Millionengeschäft ist, nicht unüblich: Im Karneval 2012 präsentierte „Unidos da Tijuca“ ein „Verzaubertes Deutschland“ (ohne allerdings die erhofften Sponsoren-Millionen zu bekommen), in diesem Jahr widmet sie ihren Umzug der Schweiz.

          Obiang aber ist wie die Sambaschule seines Herzens selbst Halter mehrerer Rekorde: Er ist der dienstälteste Staatschef Afrikas (oder der zweite in dieser Liste, je nachdem, ob man seinen Putsch gegen den eigenen Onkel und dessen Hinrichtung oder seine offizielle Ernennung zum Präsidenten zwei Monate später als Startpunkt nimmt). Dank sprudelnder Ölquellen gehört der Herrscher des kleinen Landes, das etwa 750.000 Einwohner hat, zu den reichsten Staatsoberhäuptern der Welt. Und was Freiheit und Menschenrechte betrifft, zählt Äquatorialguinea immer wieder zu den schlimmsten Schurkenstaaten.

          Nichtsdestotrotz widmet „Beija Flor“ – die schon mit Lobeshymnen auf die brasilianische Militärdiktatur in den siebziger Jahren auffiel – ihren diesjährigen Umzug dem Hauptsponsor: „Ein weiser Mann erzählt die Geschichte: ein Blick nach Afrika und der Aufstieg Äquatorialguineas. Wir werden über den Weg unseres Glücks wandern“ lautet das Motto. Außerdem wurde im eigens komponierten Samba der Name „Guinea“ in „Äquatorialguinea“ geändert, obwohl das nicht so gut in den Rhythmus passt. Der greise Diktator, heißt es, habe befürchtet, dass sein Land im Sambodrom von Rio de Janeiro mit dem von der Ebola-Seuche geplagten Guinea verwechselt werden könnte.

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