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Bombenentschärfung in Koblenz : „Das ist nichts gegen Breslau“

Bild: Marcus Kaufhold

Der Rhein abgesperrt, die Straßen leergefegt, die Häuser verlassen – Koblenz im Ausnahmezustand. Eine Luftmine und eine Bombe wurden entschärft und eine logistische Meisterleistung vollbracht.

          „Ich will gar nicht wissen, was da noch so alles im Bach liegt“, sagt der Taxifahrer, stellt die Scheibenwischer ab und schaut durch die regennasse Scheibe auf den Rhein. Dort liegt im Lichtkegel eines Scheinwerfers die britische Sprengmine, die heute entschärft werden soll. Es ist viertel vor sieben in Koblenz-Pfaffendorf. Bis neun Uhr müssen 45.000 Koblenzer ein Gebiet von etwa zwei Kilometern rund um den Sprengkörper verlassen haben. Auch die ältere Frau, die mit ihren zwei Hunden einsteigt. „Ich fahre zu Verwandten“, sagt sie. Denn dorthin kann sie die Tiere mitnehmen, anders als in den sieben Betreuungsstellen, die die Stadt Koblenz eingerichtet hat. Sie werden im Viertelstundentakt von Shuttle-Bussen angefahren. Gerade fährt einer der ersten vorbei, noch leer. Die meisten Betroffenen fahren ohnehin mit dem eigenen Wagen zu Freunden oder Verwandten. Der Taxifahrer und sein Gast sind zuversichtlich: „Es wird schon alles gut ausgehen. Heute Abend sind wir alle wieder zu Hause.“

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Bis zum Abend will der Kampfmittelräumdienst nicht nur die 1,8 Tonnen schwere Luftmine entschärfen. Weil die Mine im Falle einer Explosion eine gewaltige Druckwelle erzeugen würde, ist die Sicherheitszone so großzügig bemessen worden. Jetzt ist der Sprengkörper von einem Wall aus jeweils einer Tonne schweren Sandsäcken umgeben. Dahinter steht ein großer Kran im Wasser.

          2500 Helfer im Einsatz

          Dann soll erst das Wasser um die zwei Meter lange Luftmine abgepumpt werden, bevor die Zünder entfernt und die Mine geborgen werden kann. Wenige Meter entfernt liegt noch eine amerikanische Fliegerbombe im Fluss und ein Tarnnebelfass der deutschen Wehrmacht. Auch sie müssen unschädlich gemacht werden. Die Bombe soll entschärft, das Nebelfass gesprengt werden. Doch nicht nur das zehnköpfige Team des Kampfmittelräumteams ist heute gefordert. 2500 Helfer sind ingesamt in der Stadt im Einsatz: Neben der Polizei sind das die Feuerwehr, Ordnungsamt, Rettungsdienste. Viele von ihnen sind Ehrenamtliche.

          Um viertel nach sieben hallen auf der anderen Seite des Rheins, im Stadtzentrum von Koblenz, schon Lautsprecherdurchsagen durch die Straßen. Das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr fahren durch die Stadt und fordern die Einwohner auf, ihre Wohnungen zu verlassen. Sie weisen auch darauf hin, dass dies eine behördliche Anweisung ist und man gezwungen werden kann zu gehen. Doch daran, zu bleiben, denken die Meisten ohnehin nicht.

          Bilderstrecke

          „Wahrscheinlich passiert ja nichts, aber trotzdem wäre es mir zu riskant“, sagt Rita Müller. Sie dreht noch rasch mit ihrem Hund eine Runde, dann steigt auch sie ins Auto und fährt Freunde besuchen. Für Volker Grabe, den Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes in Koblenz ist die Evakuierung dagegen ein Großeinsatz. „Ich habe 1000 Leute im Einsatz“, sagt er. Nicht nur DRK-Kräfte, sondern auch Malteser und Johanniter seien beteiligt. Mehr als die Hälfte des Personals ist mit Transportaufgaben beschäftigt.

          Eine große Aufregung

          „Die Krankenhäuser sind schon evakuiert. Heute werden aber noch sieben Altenheime geräumt.“ Im Altenheim „Geschwister De Hayesche Stiftung“ im Stadtteil Koblenz-Karthause ist die Räumung um halb zehn in vollem Gange. Fahrzeuge stehen im Hof bereit, Heimbewohner warten in der Eingangshalle. Jeder wird einzeln aufgerufen und auf einer Liste abgehakt. Heimleiterin Maria Dasbach ist zuversichtlich, dass alles gut funktioniert. „Von den 300 Bewohnern unseres Hauses leben 150 in Wohnungen. Sie sind so mobil, dass sie privat untergekommen sind oder in ein Hotel gezogen sind.“ Von den restlichen 150 Bewohnern würden 100 auf vier andere Altenheime in der Stadt verteilt, 50 fänden Unterkunft in Pfarrheimen. „Hallo Frau Simon!“, ruft Dasbach dann und wendet sich einer alten Frau im Rollstuhl zu, die zum Krankenwagen gefahren wird.

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