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Etliche Bombenfunde : Plötzlich taucht der Krieg wieder auf

  • -Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes sucht im Niedrigwasser der Elbe den Fundort einer Weltkriegsbombe ab. Bild: ZB

Es war lange trocken, vielerorts steht das Wasser tief – und in etlichen Flüssen und Seen tauchen Weltkriegsbomben auf. Manche Menschen sind leichtsinnig und bergen sie.

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          Der Ginsheimer Altrhein ist ein Idyll. Bäume säumen das Ufer, Schwäne ziehen vorbei, das Wasser glitzert. Vergangene Woche herrschte jedoch Aufregung am Seitenarm des Rheins bei Rüsselsheim. Wegen des niedrigen Pegels war eine Weltkriegsbombe zum Vorschein gekommen. Ein Passant, der sehr mutig oder sehr leichtsinnig oder beides war, hob die Bombe auf und legte sie am Ufer ab.

          „Es war wohl gut gemeint“, sagt Polizeisprecher Bernd Hochstädter zu der privaten Initiative. „Aber wir warnen davor, Kampfmittel zu bewegen oder zu berühren. Wir hätten es lieber gehabt, wenn die Person uns angerufen hätte.“ Das taten dann zum Glück andere Passanten. Bei dem Fund handelte es sich um eine 15 Kilogramm schwere Brandbombe der britischen Royal Air Force, die mit Benzin gefüllt war. Sie war nach Angaben des Kampfmittelräumdienstes schon ausgebrannt. Ein Laie könne das aber nicht sehen.

          Immer wieder kommen in diesem regenarmen Sommer Altlasten in Seen und Flüssen zum Vorschein. Erst Ende Juli fand ein Mann ganz in der Nähe bei Ginsheim-Gustavsburg ebenfalls eine Flammstrahl-Bombe sowie einen Revolver im Rhein. Kürzlich entdeckten Kinder eine 30 Zentimeter lange Sprenggranate beim Schnorcheln in einem See. Dabei handelt es sich nicht nur um Kriegsmaterial aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch aus dem Ersten Weltkrieg. Hinzu kommen Privat- und Tatwaffen, die in Gewässern entsorgt wurden.

          „Wir haben in den vergangenen zwei Monaten einmal wöchentlich Kampfmittel gefunden“, sagt Guido Kleemann von der Wasserschutzpolizei Hessen. Besonders betroffen sind die Gewässer größerer Städte wie Frankfurt, Köln, Hamburg oder Dresden. „Eben die Orte, die im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert wurden.“ Auch in Bingen verberge sich noch viel, da die Stadt am Rhein als Drehscheibe für den Zugverkehr das Ziel alliierter Angriffe war. Außerdem habe die Wehrmacht auf ihrem Rückzug immer wieder Material entsorgt. Das sei etwa bei Mainz auffällig.

          Fast jede Woche muss in Deutschland eine Bombe entschärft werden. Noch Zehntausende Blindgänger liegen im Boden. Die Zünder werden mit der Zeit empfindlicher, sodass die Bomben von alleine detonieren könnten. Anhand von Luftbildaufnahmen der Alliierten kann man sehen, wo ihre Flieger die Bomben abwarfen. Doch die systematische Untersuchung der Flächen ist aufwendig und teuer. Grundstücke, die bebaut werden sollen, werden auf Altlasten untersucht. Doch immer wieder kommt es zu Unfällen. Ein Familienvater wurde 2014 in Euskirchen von einer Bombe getötet, als er mit einem Bagger Schutt zerkleinerte.

          In diesem Sommer tauchen die Bomben vor allem in Flüssen auf. So entdeckten vergangene Woche Jugendliche an der Lahn einen „munitionsähnlichen Gegenstand“, wie die Polizei mitteilte. Sie hievten ihn in ihr Boot und brachten ihn auf den gegenüberliegenden Zeltplatz. Der Kampfmittelräumdienst stellte später fest, dass es sich um eine Panzergranate aus dem Ersten Weltkrieg handelte.

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