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Bohlen-Biographie : Geschwärzte Zeilen für schwarze Zahlen

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Leider bleiben die meisten Sätze lesbar Bild: AP

„Hinter den Kulissen“, das neue Buch von Dieter Bohlen, wird auf der Frankfurter Buchmesse nur mit geschwärzten Passagen zu sehen sein. Dem Erfolg der Biographie wird dies keinen Abbruch tun.

          Der Random-House-Verlag stellt sich auf einen nie gekannten Andrang auf der Frankfurter Buchmesse ein, wenn dort am Donnerstag Dieter Bohlen auftritt. Der Wirbel um seine Biographie dürfte das Interesse an dem Buch noch weiter anheizen. Ende vergangener Woche hatten mehrere Prominente Einstweilige Verfügungen gegen die Auslieferung des Buches erwirkt, weil sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen. Auf der Messe werden die Bücher jetzt mit geschwärzten Passagen erscheinen, sagt Claudia Hanssen von Random House Entertainment. Auch im Buchhandel sei damit zunächst zu rechnen.

          Die Vertriebspartner seien aufgefordert worden, die bereits an den Handel ausgelieferten Exemplare des Buches und des Hörbuches zurückzuschicken. Vom Buch allein habe der Handel mehr als 200.000 Stück erhalten. Der Verlag rechnet jedoch mit einem weit geringeren Rücklauf. Denn schon in der kommenden Woche werde das Werk an Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste stehen. In einzelnen Buchhandlungen kam es wegen des Titels am Montag zu tumultartigen Szenen.

          Küblböck und Naddel in den Bestseller-Listen

          Biographien von Prominenten, die sonst die Klatschspalten bevölkern, sind gefragter denn je. Zwar schütteln Verleger und Lektoren den Kopf über die Ergüsse von Fernsehstars, Schauspielern und Sportlern. "Ich hätte nie daran gedacht, daß ein Bohlen einen solchen Erfolg haben könnte", meint Klaus Eck, Chefverleger bei Random House, und das Entsetzen darüber ist aus seinen Worten zu hören. Dennoch versuchen die Unternehmen auf der Welle mitzuschwimmen und einen Teil der schwachen Konjunktur wettzumachen.

          Derzeit finden sich vier Titel auf der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher, zu denen die Biographien gezählt werden. Die Memoiren von Susanne Juhnke und Herbert Grönemeyer sowie die Debüts von Daniel Küblböck und Nadja Abd el Farrag. Über Mangel an Angeboten können sich die Verlage nicht beklagen. "Jeder, der irgendwann im Fernsehen gewesen ist, ist auf der Suche nach einem Verlag", sagt Hubert Bücken, Geschäftsführer von Zeitgeist Media, der Verlag von "Superstar" Alexander.

          Schnelles Geld

          Dennoch ist dieses Genre für den Verlag ein riskantes Geschäft. Es muß viel Geld einspielen, und zwar schnell. Nicht nur werden den Prominenten hohe Garantievorschüsse gezahlt. Im Fall von Bohlen ist von 500.000 bis 600.000 Euro die Rede. Die Titel finden auch nur kurze Zeit reißenden Absatz. Wer zu lange braucht, um ein neues Buch auf den Markt zu bringen, hat verloren. Im Fall von Stefan Effenbergs Biographie "Ich hab's allen gezeigt" hatte der Verlag Rütten & Loening gerade einmal sechs Monate Zeit, um das Buch herauszubringen. Normalerweise dauert dieser Prozeß dreimal so lange. Üblicherweise bleiben die Hardcover-Titel sechs bis maximal zwölf Monate gefragt.

          Gleichzeitig erfordert ein solches Buchprojekt deutlich höhere Marketing-Aufwendungen als sonst üblich. Denn die richtige Vermarktung ist ausschlaggebend für den Erfolg. Von weit mehr als der fünffachen Summe für die Vermarktung als im Normalfall berichtet Sissy Klauser, Vertriebsleiterin im Naddel-Verlag Herbig.

          Ein Ende der Modewelle ist noch nicht abzusehen. "Der Bohlen-Erfolg hat allen Mut gemacht, damit weiterzumachen", heißt es. Die Verlage hoffen, so neue Kundengruppen zu gewinnen. "Das sind nicht Leute, die ihren Thomas Mann für Bohlen liegen lassen, sondern Leute, die gar nicht lesen", erklärt Reinhard Rohn, Verlagsleiter von Rütten & Loening, der die Biographie von Stefan Effenberg herausgebracht hat. Klaus Eck von Random House indes warnt davor, die Prominentenwerke in ihrer Bedeutung zu überschätzen. Unter den 200 Novitäten der Bertelsmann-Verlagsgruppe befänden sich gerade einmal zwei Prominentenbücher: "Unser Kerngeschäft ist immer noch die kontinuierliche Entwicklung von guten Autoren."

          Hermann: „Ich fühle mich verletzt und verraten“

          Unterdessen sorgte eine weitere Prominente für (ungewollte) Werbung für das neue Bohlen-Buch. „Tagesschau-Sprecherin“ Eva Hermann, eine jener Personen, die eine Einstweilige Verfügung erwirkt hatten, sagte in der ARD-Sendung „Beckmann“, sie fühle sich von Bohlen „verletzt und verraten“. Es werde eine „Menge Ärger“ für den Musikproduzenten geben. Bohlen hatte Hermann in seinem Buch mehrere Seiten gewidmet. „Es wundert mich schon, mit welcher Frechheit er Privatgespräche wiedergegeben, verdreht hat und die Inhalte derartig aufgepeppt hat und dann unterhalb der Gürtellinie losschießt“, sagte sie vor laufender Kamera. Hermann war nach eigenen Angaben mit Bohlen befreundet.

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