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Bluetooth : Mit Espresso und Latte Macchiato surft sich's schöner

  • -Aktualisiert am

Online-Kaffee? Bild: dpa

Wie es gefällt: Mit Funkverbindung entscheidet jeder selbst, wo das ganz persönliche Internet zu Hause ist. Jedes Mal von Neuem.

          3 Min.

          Überall online: im Park, im Café, am Flughafen. Laptop oder Palmtop. In jedem Fall ohne Kabelgewirr und ohne versehentlich herausgerissene Stecker. Die Zukunft lässt grüßen. Aus weiter Ferne? Nein.

          Im Gegenteil, die Zukunft wartet direkt um die Ecke. In Frankfurt verbringt Aktienhändler Cornelius deutlich weniger Zeit in der Börse als noch vor wenigen Monaten. Nicht, weil er an der Berg-und-Tal-Fahrt der Kurse verzweifelt wäre, sondern weil er ein schöneres Plätzchen für sich und seine Werte gefunden hat: Die Kaffeebar auf der anderen Seite des Frankfurter Börsenplatzes. Hier sitzt er gemütlich bei einem Espresso und hat sämtliche Aktienkurse in Echtzeit bequem im Blick, dazu den Ticker mit den heißesten Wirtschaftsnews. Möglich macht's ein so genannter Hotspot, der allen Nutzern im Umkreis von rund hundert Metern per Funk einen drahtlosen Zugang zum Internet verschafft.

          Per Handheld den Einkauf erledigen

          Pierre Kerchner heißt der Mann, der Hotspots nicht nur in Frankfurt, sondern bundesweit in 13 weiteren Kaffeebars installiert hat. Seit einem guten Jahr arbeitet er mit seiner Firma Sofa Networks daran, seine beiden größten Leidenschaften zu kombinieren: In schöner Atmosphäre eine Latte Macchiato zu trinken und dabei zu surfen.

          Während Kaffeebars in Deutschland einen wahren Boom erleben, gibt Kerchner den Menschen zusätzlich die Möglichkeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Trader, ob privat oder beruflich, sind da nicht das einzige Ziel. Kontakthungrige lesen ihre E-Mails und chatten eine Runde, der Einkauf wird ohne abgelaufene Hacken erledigt, der Terminkalender im Palm mit dem Computer im Büro synchronisiert. Oder auch: Ein kurzes Businessfrühstück mit dem Geschäftspartner, neueste Entwicklungen inklusive, wird vereinbart.

          Ein legendärer König als Namenspate

          Die Technik hinter all dem ist schon eine Weile in aller Munde: Bluetooth, benannt nach dem dänischen König Blauzahn, der im 10. Jahrhundert die Wikingervölker in der realen Welt einte. Virtuell zusammenbringen soll der Bluetooth-Chip die Menschen, und zwar auf drahtlosem Wege. Kein Kabelgewirr mehr, keine herausgerissenen Stecker, die dem Vergnügen ein jähes Ende bereiten könnten, sondern ein Funk-Hotspot, der das entsprechende Signal in einem Umkreis von hundert Metern aussendet und so Handhelds und Laptops anbindet. Vorausgesetzt natürlich, es sind nicht allzu viele Betonmauern dazwischen.

          Die Vorteile des Bluetooth: Er ist kleiner als ein Fingernagel, günstig zu haben und verbraucht deutlich weniger Strom als die drahtlose Netzwerktechnik Wireless LAN (Local Area Network). Auch die Nutzer profitieren: Mit WAP und Handy kostet Onlinezeit mehr als das Doppelte, während die Übertragungsraten zwanzigmal langsamer sind als beim Bluetooth-Chip.

          Nahe Zukunftsmusik oder unbrauchbare Utopie?

          Für Kerchner gehört dem kleinen Chip die Zukunft: „In absehbarer Zeit wird in jedem Haushalt ein Bluetooth-Hotspot mit integrierter Flatrate sein, mit dem man alle Computer vernetzen kann und außerdem viel günstiger telefoniert als bisher“. Ganz so schnell wird es wohl noch nicht gehen, denn anfänglich hatte der Chip eher Schwierigkeiten, sich auf dem Markt durchzusetzen. Mittlerweile jedoch wird die Akzeptanz größer. Die Computer- und Telekommunikationsindustrie stattet immer mehr Geräte mit dieser Technologie aus, das neue Baby der Palm-Familie beispielsweise, der Tungsten, hat auch eine integrierte Bluetooth-Schnittstelle.

          Konkret funktioniert drahtloses Surfen folgendermaßen: In den angeschlossenen Kaffeebars kann man verschiedene Zeit-Tickets kaufen. Die Preise liegen aktuell bei teuren fünf Euro pro Stunde, für Studenten ermäßigt 2,50 Euro. Danach kann man sich mit dem Laptop oder Handheld einloggen und loslegen. Eine wechselnde Auswahl von WWW-Seiten wie beispielsweise www.gmx.de oder www.google.de kann man auch umsonst ansteuern.

          Wenn der Nutzer keine Bluetooth-Schnittstelle im Handheld hat, ist das auch kein Problem. Für solche Fälle gibt es Adapter. Die müssen allerdings beim ersten Gebrauch am Gerät installiert werden - nicht immer problemlos, denn Computernutzer wissen, dass so eine Installation nicht unbedingt reibungslos ablaufen muss.

          Free Trial in vierzehn Kaffeebars

          In sieben Städten hat Kerchner mittlerweile Hotspots installiert und so das erste Bluetooth-Netzwerk Deutschlands geschaffen. Seit Juni 2002 sind kontinuierlich neue Filialen dazu gekommen, und inzwischen gibt es insgesamt 14 vernetzte Kaffeebars in Berlin, München, Essen, Bielefeld, Mannheim und Heidelberg. In Frankfurt am Main gehen am 20. November 2002 vier Filialen von Frazer Coffee offiziell an den Bluetooth-Start. Wer das einmal ausprobieren möchte, kann sich im Internet ein Probeticket unter www.sofanet.de/sofatrial downloaden oder sich direkt in einer der vier Kaffeebars einen Surfgutschein abholen.

          Kerchners Pläne sind aber damit noch nicht erschöpft. Weitere Hotspots sind nicht nur bundesweit, sondern auch international vorgesehen. Außerdem plant er den Verkauf von ganzen Hotspot-Paketen, die vom Kunden dann ähnlich dem Franchise-System in Eigenregie betrieben werden. Und wenn sich Kerchners Vision erfüllt, dürfen sich auch Privatleute auf ihr eigenes Bluetooth-Funknetz im Haus freuen. Mit Flatrate kann dann nach Herzenslust unbegrenzt gesurft und - falls die dazugehörigen Lizenzrechte verhandelt werden - auch telefoniert werden. Das wäre dann eine Form der Kommunikation, die deutlich billiger ist als das, was die Telekom und ihre Konkurrenz heute anbieten.

          In Frankfurt nimmt Cornelius erst einen Schluck Espresso und dann sein Handy: „Wie hoch ist denn aktuell unser Aktienpaket von Bluetooth-Firmen? Wir sollten aufstocken.“

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