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Kutusowskij-Prospekt : Raserei in Moskau mit tödlichen Folgen

In sozialen Netzen kursierte die Aufzählung, allein zwischen 2015 und 2019 seien auf dem Kutusowskij-Prospekt 47 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. (Symbolbild) Bild: dpa

In Moskau kommt es auf einer Hauptverkehrsachse immer wieder zu tödlichen Unfällen wegen Raserei. Doch Mittelstreifenbegrenzungen, die Besserung bringen könnten, werden bislang abgelehnt.

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          Ein weiterer tödlicher Unfall hat in Moskau eine Diskussion über die Sicherheit einer der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt entfacht. Am Samstagnachmittag schlitterte ein BMW auf dem Kutusowskij-Prospekt, der aus westlicher Richtung ins Zentrum der russischen Hauptstadt führt, in den Gegenverkehr. Der Fahrer kam an der Unfallstelle ums Leben, sein Passagier, der Präsident eines Motorsportklubs der Teilrepublik Dagestan, starb im Krankenhaus.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Am Steuer des BMW saß der Blogger Said Gubdenskij, der Hunderttausende Abonnenten auf Youtube und Instagram mit Berichten über seine Leidenschaft für schnelle Autos unterhielt, insbesondere „M“-Tuningmodelle der bayerischen Marke. Zudem brüstete sich Gubdenskij mit der Teilnahme an illegalen Rennen in Moskau und veröffentlichte entsprechende Videos, die unter anderem eine Geschwindigkeit von weit mehr als 200 Kilometern in der Stunde dokumentieren. Gubdenskij fuhr angeblich häufig ohne Kennzeichen, auch auf seiner letzten Fahrt.

          Geschwindigkeitsverstöße werden sonst automatisch von Überwachungskameras erfasst und verfolgt. Eine solche Kamera zeichnete auf, wie der BMW des Bloggers quer über die zahlreichen Spuren der Straße zieht, ins Rutschen kommt und sich gegen die Fahrtrichtung dreht. Passagiere zweier SUVs, in die der BMW raste, wurden verletzt. Die Unfallursache soll überhöhte Geschwindigkeit gewesen sein. Auf dem Kutusowskij-Prospekt ist eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde erlaubt. Regelmäßig kommt es auf der Straße zu schweren Unfällen.

          In sozialen Netzen kursierte am Wochenende die Aufzählung, allein zwischen 2015 und 2019 seien auf dem Kutusowskij-Prospekt 47 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen und 427 verletzt worden, viel mehr als auf vergleich­baren Straßen, deren Fahrbahnen in der Mitte getrennt sind. Immer wieder wird daher eine Mittelstreifenbegrenzung für die Straße gefordert, auch jetzt wieder im Internet und im Radiosender Echo Moskwy.

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          Doch als die Verkehrsbehörde der Hauptstadt vor zwei Jahren einen ­entsprechenden Vorstoß unternahm, scheiterte sie am Geheimdienst FSO, der für die Sicherheit ranghoher Staatsdiener zuständig ist. Denn auf dem für besonders berechtigte Fahrzeuge reservierten Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen des Kutusowskij-Prospekts rasen Staatsdiener, die westlich der Hauptstadt in einem ­Villenviertel leben, zur Arbeit und zurück. Auch die imposanten Fahrzeugkolonnen des Präsidenten fahren stets in der Mitte der für sie dann kurzzeitig gesperrten „Zaren-Strecke“ von Wladimir Putins Residenz Nowo-Ogarjowo zum Kreml und zurück.

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