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„Blitzmarathon“ : Zu schnell für ein Leben

Zumindest dieser Verkehrsteilnehmer muss sich nicht sorgen, von der Polizei gestoppt zu werden. Bild: dpa

Wer rast, gefährdet sich und andere: Mit dem „Blitzmarathon“ will die Polizei Autofahrer sensibilisieren. Nicht alle finden das gut. Und Raser gibt es trotzdem.

          Die Folgen haben meist andere zu tragen: Fußgänger oder Autofahrer, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Im Januar wechselte ein Autofahrer auf der Autobahn 5 Richtung Darmstadt fast ungebremst vom linken auf den rechten von vier Fahrstreifen. Dabei fuhr er auf ein anderes Auto auf, das ins Schleudern geriet und auf dem rechten Fahrstreifen zum Stehen kam. Der Unfallfahrer blieb unverletzt. Der Fahrer des anderen Wagens wurde schwer verletzt mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es gehe nicht ums Geld, hoben Polizei und Innenministerien hervor, als sie den „Blitzmarathon“ am Donnerstag rechtfertigten. In Deutschland und 21 weiteren europäischen Ländern registrieren seit dem Morgen mobile Laser-Geräte ebenso wie fest installierte Kontrollstellen einen Tag lang Auto- und Motorradfahrer, die zu schnell fahren. Die Stellen, an denen die Blitzgeräte installiert sind, wurden schon vor Beginn der Aktion im Internet veröffentlicht. Rund 13.000 Polizisten sollten an mehr als 7000 Stellen kontrollieren. Wegen der zentralen Trauerfeier an diesem Freitag in Köln für die Opfer des Germanwings-Flugzeugabsturzes endet der „Blitzmarathon“ schon um Mitternacht. In Bayern ist die Aktion auf eine Woche angelegt – an diesem Freitag wird sie aber aus Rücksicht auf die Trauerfeier unterbrochen.

          Polizei will Ursache und Wirkung benennen

          Die großangelegte Kontrolle ist aus Sicht des Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, des Innenministers von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), ein wirksames Mittel gegen Raser: „Wenn wir es heute schaffen, dass ein schwerer Unfall verhindert wird, haben wir auch schon was erreicht.“ So will die Polizei wieder einmal Ursache und Wirkung benennen: Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland 3350 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, die häufigste Ursache der Unfälle war zu hohe Geschwindigkeit.

          Besonderes Augenmerk soll zum Beispiel in Hessen auch auf Motorradfahrer gelegt werden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 2014 erstmals wieder mehr Moped- oder Motorradfahrer verunglückt. 45.500 Zweiradunfälle wurden registriert, bei denen auch Personen verletzt wurden – zehn Prozent mehr als im Jahr 2013.

          In Bayern kontrollieren rund 2000 Polizisten an 2200 Messstellen die Geschwindigkeit. „Wer zu schnell fährt, gefährdet sein Leben und das der anderen – diese Botschaft muss in die Köpfe der Verkehrsteilnehmer“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag. Besonders die Landstraßen wollen die bayerischen Polizisten in den Blick nehmen: Bei den Unfällen, die sich dort ereignen, sind zwei Drittel aller tödlich Verunglückten zu beklagen. Bei ähnlichen Aktionen in den Jahren 2013 und 2014 seien auf Landstraßen Fahrer registriert worden, die mit knapp 200 Kilometern in der Stunde statt der erlaubten 100 den Verkehr gefährdeten – trotz vorab angekündigter Kontrollstellen. Aus Niedersachsen wurde am Donnerstag ein Motorradfahrer gemeldet, der auf der Bundesstraße 1 im Kreis Hildesheim mit 159 statt der erlaubten 70 Kilometer in der Stunde unterwegs war.

          Mit zunehmendem Tempo steigt die Gefahr

          Der dritte „Blitzmarathon“ in Bayern ist Teil des bayerischen Verkehrssicherheitsprogramms 2020. Nach offiziellen Angaben haben sich 2014 in Bayern 369.492 Verkehrsunfälle ereignet, davon allein 17.180 wegen überhöhter Geschwindigkeit. 619 Menschen kamen bei Unfällen um – 193 von ihnen wegen erhöhter Geschwindigkeit.

          Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt nicht nur die Unfallgefahr, sondern auch der Schweregrad der Verletzung. Fahrzeuge kommen laut Innenministerium bei 30 Kilometern in der Stunde an einer Stelle zum Stehen, an der bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde aufgrund der menschlichen Reaktionszeit der Bremsvorgang noch gar nicht begonnen hat. Daher sollen die Polizisten nun Raser anhalten und ein „aufklärendes Gespräch“ führen. Man erhofft sich einen Lerneffekt, der wirkungsvoller sei als ein Bußgeldbescheid, der erst Wochen später eintrifft.

          Als „Abzocke“ bezeichnet der Automobilklub „mobil in Deutschland e.V.“ die Aktion. Der Klub hält ihr einen „Blitzatlas“ entgegen, der auf Tausenden Hörer- und Online-Meldungen basiere: „Geblitzt wird vor allem dort, wo nichts passiert – wo viel passiert, wird nicht geblitzt.“ Und die oppositionelle FDP-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen twitterte: „NRW braucht Polizeikräfte zur Einbruchprävention. Was macht der Innenminister? PR-Aktionen wie den #Blitzmarathon.“

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