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Biotechnologie : Masterplan für Martinsried

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Bayerns Biotechnologie kann sich sehen lassen: In Europa liegt nur das britische Cambridge vor dem Standort München. Damit die Region auch langfristig international mithalten kann, empfehlen Unternehmensberater eine verbesserte Standortregie.

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          Die Region München hat sich in den vergangenen Jahren zum bedeutendsten europäischen Biotechnologiezentrum nach der britischen Universitätsstadt Cambridge entwickelt. Wenn es gelänge, die Vernetzung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu optimieren, könnte sich die Region durchaus im Wettbewerb mit den führenden amerikanischen Biotechnologie-Räumen in Boston oder in der kalifornischen Bay Area behaupten, schreibt die Boston Consulting Group in einer Studie.

          Die im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung erstellte Studie vergleicht weltweit acht Biotechnologie-Cluster. Der Begriff Cluster umschreibt eine konzentrierte Ansammlung wissenschaftlicher Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen an einem Ort, die durch ein Netzwerk miteinander verknüpft sind. In Deutschland haben sich verschiedene Cluster gebildet. Hierzu gehören neben dem Großraum München weitere Zentren in Berlin-Brandenburg, im Rheinland und im Rhein-Neckar-Raum.

          Amerikanische Regionen liegen vorn

          Bei aller Freude über die wachsende Bedeutung der deutschen Biotech-Standorte - mit den amerikanischen Hochburgen können diese Zentren noch nicht in Konkurrenz treten. So weisen die amerikanischen Cluster zahlenmäßig mehr und wesentlich größere Unternehmen aus. Viele dieser Firmen sind schon seit längerem börsennotiert und haben eine hohe Marktkapitalisierung. Ein Vergleich macht die Größenverhältnisse deutlich: München verfügte im August 2000 über vier börsennotierte Firmen mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von rund drei Milliarden Dollar, während in der Bay Area um San Francisco zum gleichen Zeitpunkt bereits 41 Unternehmen mit einem Börsenwert von etwa 100 Milliarden Dollar angesiedelt waren.

          Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam stark

          Die Boston Consulting Group weist auf fünf entscheidende Faktoren für die Entwicklung eines erfolgreichen Biotechnologie-Clusters hin: Dazu gehören zum einen die gezielte Errichtung und Förderung von Wissenszentren (“Campus“), bei denen zweitens ein funktionierender Know-how-Transfer zwischen Zentren und Wirtschaft eingerichtet wird. Dieser wendet sich sowohl an junge Start-ups als auch an etablierte Industrieunternehmen. Wenn dann drittens noch Wagniskapital für Neugründungen und Marketing sowie viertens die angemessene Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird, fehlt fünftens nur noch das intellektuelle Know-how - die hochqualifizierten Akademiker und Führungskräfte. Zum Erfolg tragen darüber hinaus die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bei. So werden ein effizientes Patentwesen, solides gesetzliches Regelwerk sowie ein attraktives Steuersystem von den Experten als unumgänglich angesehen.

          Masterplan für Martinsried

          Viele dieser Faktoren treffen nach Einschätzung der Boston Consulting Group auf die Region München zu. „München hat in den vergangenen Jahren einen ausgezeichneten Start in der Biotechnologie hingelegt“, unterstreicht Michael Steiner, Geschäftsführer bei der Boston Consulting Group. Für ein weiteres Wachstum müssten allerdings die Rahmenbedinungen verbessert werden, denn bei den Grundvoraussetzungen würden sich bereits die ersten Defizite zeigen.

          Zur optimaleren Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie zur Förderung von Forschungsinstituten empfehlen die Unternehmensberater eine Standortregie. „Förderlich wäre der Aufbau einer zentralen Stelle, die alle Aktivitäten und Maßnahmen innerhalb des Clusters koordiniert, fortwährend ein Auge darauf hat, wie weit die Erfolgsfaktoren erfüllt sind, und sich mit allen Verantwortlichenabstimmt“, glaubt Steiner. Eine derartige Institution gibt es bereits in Form der BioM AG.

          Keimzelle des bayrischen Biotech-Erfolgs ist das Gründerzentrum in Martinsried, das Ende 1995 an den Start ging. In dieses Projekt hat der bayrische Staat bsilang 46 Millionen Mark investiert - in den kommenden vier Jahren sollen weitere 152 Millionen nach Martinsried fließen. Die Unterstützung der Region hat sich Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu auf die Fahnen geschrieben, ebenso die Stärkung der BioM AG als Koordinationsstelle. „Um die Position der Region im Wettbewerb mit den Biotech-Zentren in den USA und Großbritannien zu stärken, muss sich der Freistaat Bayern weiter engagieren“, so Wiesheu.

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