https://www.faz.net/-gum-7xd67

Welche Ehe hält : Binationales Risiko

  • -Aktualisiert am

Hier gibt es offenbar keine kulturellen Unterschiede: Magdalena Neuner und Josef Holzer Bild: dpa

Ehen mit Partnern unterschiedlicher Herkunft scheitern deutlich öfter, wie eine aktuelle Studie belegt. Das Scheidungsrisiko wird allerdings von zahlreichen weiteren Faktoren bestimmt, etwa dem Alter und der Religionszugehörigkeit.

          Bei Ehen zwischen Personen aus unterschiedlichen Herkunftsländern ist das Scheidungsrisiko um 64 Prozent höher als bei Ehen zwischen Personen gleicher Herkunft. Das haben Nadja Milewski vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels und Hill Kulu von der University of Liverpool in einer Studie über 5648 Ehen in Deutschland herausgefunden. Die Arbeit wurde am Donnerstag in der Zeitschrift „Demografische Forschung“ vorgestellt.

          Milewski und Kulu berücksichtigten in einem ersten Modell nur die seit den achtziger Jahren allgemein steigenden Scheidungsraten. In einem zweiten Modell wurden weitere Faktoren betrachtet, die sich auf das Scheidungsrisiko auswirken. Das Risiko sinkt zum Beispiel um die Hälfte, wenn Kinder mit im Haushalt leben. Es verringert sich auch, wenn die Partner schon vor der Ehe zusammengelebt haben, was meist nicht der Fall ist, wenn die Partner erst kurz vor der Hochzeit aus dem Ausland geholt werden. Gehen zwei Migranten schon vor der Einwanderung nach Deutschland die Ehe ein, ist das Risiko der Trennung nur halb so hoch.

          Wenn der Mann einen geringeren Bildungsstand hat

          In einem dritten Modell prüften die Wissenschaftler, welche Eigenschaften der Ehefrauen das Scheidungsrisiko beeinflussen. Es steigt, wenn die Frau bei der Heirat jung ist, wenn sie einen niedrigen oder gar keinen Bildungsabschluss hat, wenn sie viele Wochenstunden arbeitet, wenn sie keiner Religion angehört oder wenn sie in einer großen Stadt aufgewachsen ist. Der Unterschied zwischen den binationalen und den nicht binationalen Ehen bleibt aber selbst dann bestehen, wenn man diese Faktoren herausrechnet.

          Im vierten Modell führten Milewski und Kulu die Unterschiede zwischen den Ehepartnern und die Eigenschaften des Ehemannes als Faktoren ein. War der Ehemann schon vorher verheiratet oder ist er mehr als zwei Jahre jünger als die Frau, ist es mehr als doppelt so wahrscheinlich, dass die Ehe zerbricht. Das Risiko steigt auch, wenn der Ehemann einen geringeren Bildungsstand hat oder eine andere Religionszugehörigkeit. Bei unterschiedlicher Religionszugehörigkeit liegt das Risiko um 60 Prozent höher als bei Partnern mit gleichem Glaubensbekenntnis.

          Binationale Ehen müssen in Zukunft nicht instabiler bleiben

          Nimmt man noch den Faktor „Herkunftsland“ hinzu, so ergibt sich zum Beispiel, dass Ehen zwischen Migranten aus der Türkei ein besonders niedriges Scheidungsrisiko haben und auch Ehen zwischen Partnern aus Süd- und Südosteuropa stabiler sind als Ehen zwischen Deutschen. Am höchsten wird demnach das Scheidungsrisiko, wenn ein Partner aus Südosteuropa einen Deutschen heiratet.

          Alle Faktoren ändern aber nichts an der grundlegenden Aussage: Binationale Ehen sind instabiler als nicht binationale. Damit widersprechen Milewski und Kulu auch der Adaptions-Hypothese (das Scheidungsrisiko binationaler Ehen passt sich an die Werte des Einwanderungslandes an) und der Konvergenz-Hypothese (das Scheidungsrisiko pendelt sich in der Mitte der Niveaus im Herkunftsland und im Einwanderungsland ein).

          Die Autoren heben hervor, dass binationale Ehen in Zukunft nicht instabiler bleiben müssen: Heute heirateten oft schon Migranten der zweiten Generation. Sie seien meist besser integriert als die eingewanderte Elterngeneration, die kulturellen Unterschiede seien geringer, und es gebe mehr Gelegenheit, schon vor der Ehe das Zusammenleben zu erproben.

          Weitere Themen

          Verhängnisvolle Selbstverteidigung

          Notwehr-Urteil : Verhängnisvolle Selbstverteidigung

          Der Prozess gegen Fredy Pacini, der einen Einbrecher erschoss, bewegt Italien seit Monaten. Nun hat die Staatsanwaltschaft die Klage fallen lassen – dem Werkstattbesitzer hilft das aber nur wenig.

          Kuhdung statt Klimaanlage Video-Seite öffnen

          Inderin will Umwelt schützen : Kuhdung statt Klimaanlage

          Wenn Sejal Shah durch ihre Stadt Ahmedabad fährt, machen Passanten große Augen. Denn die indische Hausfrau hat ihr Auto mit Kuhdung verkleidet. Ziel ist es, das Auto auf umweltfreundliche Weise zu kühlen - ohne Klimaanlage.

          Neuer Atomeisbrecher vom Stapel gelaufen Video-Seite öffnen

          In Russland : Neuer Atomeisbrecher vom Stapel gelaufen

          In der russischen Stadt Sankt Peterburg ist ein neuer Eisbrecher vom Stapel gelaufen. Das Schiff trägt den Namen „Ural" und wird durch einen Kernreaktor angetrieben. Es kann eine bis zu drei Meter dicke Eisdecke durchbrechen und ist damit einer der stärksten Eisbrecher der Welt.

          Topmeldungen

          Lega-Chef Matteo Salvini

          Europawahl : Salvini verbucht Rekordergebnis in Italien

          Die ausländerfeindliche Partei Lega hat in Italien erstmals bei einer landesweiten Wahl die meisten Stimmen geholt. In einer Siegesrede verspricht Parteichef Matteo Salvini seinen Anhängern, „dass sich die Regeln Europas ändern werden“.
          Großer Jubel bei Sebastian Wippel, dem AfD-Landtagsabgeordneten und Oberbürgermeisterkandidaten in der sächsischen Stadt Görlitz

          Europawahl : AfD siegt in Brandenburg und Sachsen

          Die AfD erreicht bei der Europawahl in Ostdeutschland große Zugewinne. In zwei Ländern ist sie nun stärkste Kraft – ein Fingerzeig für die Landtagswahlen im Herbst?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.