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Bill Gates im Gespräch : „Wir müssen Polio ausrotten“

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Deutschland wird 2015 den Vorsitz der Gruppe der acht größten Industrienationen übernehmen. Welche weiteren Forderungen haben Sie an unser Land?

Ich fordere gar nichts von Deutschland...

... aber Sie erhoffen sich bis dahin noch mehr?

Ich erhoffe mir, dass Deutschland, das Land, das sich schon immer für die Belange der Armen eingesetzt hat, weiter vorangeht und sich der 0,7-Prozent-Zielmarke annähert. Ist die Entwicklungshilfe erst einmal erhöht, müssen die Gelder nur noch richtig eingesetzt werden. Zum Beispiel für neues Saatgut, das mehr Produktivität verspricht, oder Impfstoffe, mit denen Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Kinderlähmung ausgerottet werden können. Tatsächlich können wir Polio bis 2015 ausrotten, dafür aber sind wir auf Deutschlands Großzügigkeit angewiesen.

Die letzten Polio-Zahlen waren allerdings nicht so vielversprechend.

Ich bleibe zuversichtlich. Auf der ganzen Welt hatten wir zuletzt weniger als 250 Fälle, die meisten davon in Nigeria. Und die Zahlen in Afghanistan und Pakistan sind von 2011 auf 2012 um zwei Drittel zurückgegangen. Beunruhigend waren allerdings die Übergriffe auf Impfhelfer in Pakistan im Dezember. Doch seither wurde die Sicherheit der Mitarbeiter erhöht, die Impfkampagne konnte abgeschlossen werden, neue Fälle wurden nicht bekannt. In diesen Ländern ist es nicht einfach zu arbeiten, darum sind im großen Budget für den Kampf gegen Polio auch Gelder für Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen. Wir dürfen die gute Gelegenheit jetzt nicht verstreichen lassen: Wenn wir Polio jetzt nicht ausrotten, kommt es vielleicht bald schon mit Macht auf der ganzen Welt zurück. Das wäre eine Katastrophe.

Vor drei Jahren haben Sie, Warren Buffett und Mark Zuckerberg die Kampagne „The Giving Pledge“ gegründet. Viele haben sich darin verpflichtet, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für die gute Sache zu spenden. Es heißt, deutsche Milliardäre wollten sich an der Kampagne nicht beteiligen. Hat diese Einstellung etwas mit unterschiedlichen Geisteshaltungen zwischen alter und neuer Welt zu tun?

Die Kampagne, an der sich mittlerweile 92 Personen beteiligen, konzentrierte sich bislang auf die Vereinigten Staaten. Zusagen gibt es daher auch nur von Amerikanern. Wir sind aber dabei, den Kreis zu erweitern, und werden in ein oder zwei Monaten auch an die Öffentlichkeit gehen. Bis dahin hoffen wir auch auf eine deutsche Beteiligung. Allerdings kann man sagen, dass die Tradition der Philanthropie und die stark gestiegene Bereitschaft, sich philanthropisch zu betätigen, ein vor allem amerikanisches Phänomen ist.

Aber warum ist das so?

Wir haben wohl besonders verinnerlicht, dass die Regierung alleine nicht in der Lage ist, alle Probleme zu lösen. Regierungen sind dafür einfach nicht schnell und innovativ genug. Diese Einstellung geht zurück auf Carnegie und Rockefeller. Eine Vielzahl medizinischer Errungenschaften wurde zum Beispiel von Rockefeller finanziert. Sie verstanden auch früh, dass Marktwirtschaft keine Rücksicht auf Arme nimmt. Wohltätige Stiftungen spielen also eine wichtige Rolle in Amerika. Es ist großartig für mich zu erleben, dass diese Einstellung sich immer mehr durchsetzt. Mittlerweile betätigt sich jeder, der in Amerika zu Reichtum gelangt ist, philanthropisch. Je mehr sich beteiligen, desto mehr fühlen sich angesprochen. Man könnte sagen, wir sind die kritische Masse der amerikanischen Gesellschaft.

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