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Entwicklungshilfe : Die Toilette der Zukunft

Das Ding kann leben retten: Bewohner des Slums Mukuru in der kenianischen Hauptstadt Nairobi installieren eine neue Toilette Bild: Eawag/Eoos

In armen Ländern haben viele Menschen keinen Zugang zu sauberen Toiletten und werden deshalb krank. Bill Gates will das ändern. Seine Toilette kann alles – und das auch noch sehr günstig.

          „Eine Weltraumtoilette, die in den Slum runterfällt und für fünf Cent pro Tag und Kopf zu benutzen ist“: Das sei es im Grunde, was seine österreichische Designfirma EOOS gemeinsam mit dem Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag entwickelt habe, sagt Harald Gründl. „Blue Diversion Toilet“ heißt das blaue Kunststoff-Klo, das Flüssigkeit und Fäkalien trennt und einmalig eingefülltes Spülwasser trotz Verunreinigung durch Urin und Blut in sauberes Wasser zum Spülen und Händewaschen umwandelt. Die mit Fäkalien und Urin gefüllten Behälter werden jeden Tag abgeholt, aus dem Urin wird Dünger gewonnen.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Entstanden ist das Hightech-Klo als Teil des Wettbewerbs „Reinvent the Toilet“, den die Bill & Melinda Gates Foundation ausgeschrieben hat. Ziel des Wettbewerbs war es, eine einfache, billige und umweltfreundliche Toilette für Entwicklungs- und Schwellenländer herzustellen, in denen viele Menschen keinen Zugang zu sauberen Toiletten haben.

          Die Anforderungen: Ohne Wasser, ohne Anschluss an die Kanalisation und ohne Strom sollte die neue Toilette betrieben werden können und am Tag weniger als fünf Cent pro Benutzer kosten. Die hypermoderne Toilette, die für Slums und nicht für Raumschiffe gedacht ist, soll sogar Krankheitserreger vernichten. „Nur jemand wie Bill Gates hat den Mut, so hohe Anforderungen zu stellen“, sagt Arne Panesar, der Leiter des Vorhabens „Nachhaltige Sanitärsysteme“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Denn mit seiner Computererfahrung weiß er, dass das technisch funktionieren kann.“

          Mehr Toiletten – weniger tote Kinder

          Warum steckt der reichste Mensch der Welt sein Vermögen ausgerechnet in Klos? Fast 35 Millionen Dollar investierte Bill Gates allein in den Wettbewerb. Für die Antwort muss man Daten der Vereinten Nationen kennen: 2,5 Milliarden Menschen, also etwa 37 Prozent der Weltbevölkerung, haben keinen Zugang zu hygienischen sanitären Anlagen. Diese Menschen nutzen Eimer oder Gemeinschaftslatrinen – oder die Fäkalien werden in offene Gruben oder in Oberflächengewässer entsorgt.

          Das ist einer der Hauptgründe für Durchfallerkrankungen, an denen pro Jahr mehr als 750.000 Kinder unter fünf Jahren sterben. 80 Prozent der Krankheiten in Entwicklungsländern werden von verunreinigtem Wasser und mangelhaften sanitären Anlagen verursacht.

          Arne Panesar sagt, noch heute sei die menschliche Verdauung und Ausscheidung eines der größten gesellschaftlichen Tabuthemen. Es sei schwer, die besten Köpfe und Mittel für ein solches Thema zu gewinnen. Die GIZ hat dafür mit anderen Organisationen das Netzwerk Susana (Sustainable Sanitation Alliance) gegründet, das Akteure vernetzen und das Tabu bekämpfen will.

          Erster Klo-Preis für England

          Bill Gates wiederum fördert auch Business-Ansätze: Wenn etwa die Leute, die Sickergruben und Latrinen leeren, mit Nebenprodukten wie Energie und Düngemitteln aus Fäkalschlamm zusätzlich Geld verdienen könnten, kippten sie den Inhalt der Gruben wohl nicht mehr in den nächsten Bach.

          Mit solch wertvollen Nebenprodukten arbeiten auch die drei Prototypen, die im August 2012 zu den Siegern des Wettbewerbs gekürt wurden und die seither weiterentwickelt und im Feld getestet werden. Den ersten Preis gewann eine mit Solarenergie betriebene Toilette vom California Institute of Technology, die Strom erzeugen kann.

          Der zweite Preis ging an ein Team von der Universität Loughborough in England. Im Inneren dieser Toilette werden mit Hitze und Druck Biokohle, Mineralien und sauberes Wasser aus menschlichen Exkrementen extrahiert. „Das ist eigentlich der gleiche Prozess, mit dem auch in der Natur Kohle entsteht: organisches Material, das hohem Druck und hoher Temperatur ausgesetzt ist“, erklärt der Projektleiter, Professor Sohail Khan. Die Kohle-Paletten röchen nach Kaffee und könnten als Dünger oder Brennmaterial zum Kochen verwendet werden. Die University of Toronto in Kanada gewann den dritten Preis mit einer Toilette, die Fäkalien reinigt und daraus Rohstoffe und sauberes Wasser gewinnt.

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