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Bilder aus iranischen Wohnzimmern : Die Wahrhaftigkeit im Verborgenen

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Frauen reden, ein junges Mädchen spielt, während eines religiösen Festes. In traditionellen Familien treffen sich Frauen und Männer separat. Bild: Ali Tajik / Iranian Living Room

In einem Land, in dem die politische Führung und das Befinden der Menschen so auseinandergehen wie in Iran, bleibt nicht viel Platz für Individualität. Junge iranische Fotografen zeigen das Leben hinter geschlossenen Türen.

          Manchmal findet das eigentliche Leben nur im Privaten statt. Wenn sich die Menschen erst hinter geschlossenen Türen sicher wähnen, weil die Diskrepanz zwischen ihrem Lebensstil und den Vorgaben der Religion und des Staates unüberwindbar scheint. Dann gibt es nur im Wohnzimmer gefühlte vollkommene Freiheit. Iran ist solch ein Land.

          Das Bild von Iran in der westlichen Welt wird geprägt von den Bildern, die BBC und CNN senden, von Straßenszenen mit verhüllten Frauen, von Geistlichen; vom scheidenden Irren Ahmadinedschad, der induktiv wahrgenommen wird als Sinnbild der Menschen des Landes. 15 Fotografen, alle in ihren Zwanzigern, die meisten von ihnen aus Teheran, schicken sich an, im Bildband „Iranian Living Room“ ein anderes Bild zu zeichnen. Ein wahrhaftiges, wenngleich subjektives Porträt junger Iraner zum Zeitpunkt der Präsidentschaftswahlen im Juni.

          Die Bilder zeigen den einfachen Alltag in einem Land, in dem es keine Cafés gibt, keine Bars, keine Clubs, zumindest offiziell nicht. In dem sich junge Menschen nach Freiheit sehnen, wo fast jeder einen Dealer für Alkohol hat. Wo Frauen sich über Augen-Make-up präsentieren und Nasenpflaster als Zeichen des Wohlstands tragen, selbst wenn sie nicht operiert sind.

          PayPal sperrt sich gegen Verkauf

          Trotz der Profanität dieser Bilder gehört Leidenschaft und Mut dazu, sie zu veröffentlichen. Bilder von rauchenden, trinkenden, tanzenden Mädchen ohne Kopftuch – auf der Straße undenkbar –, die sich schick machen wenn sie reingehen und nicht hinaus. Aufnahmen eines jungen, unverheirateten Paares, Menschen mit ihren Haustieren. Auch das ist ein schwieriges Thema. Einige der Aufnahmen, die im Buch gezeigt werden, wollen die Fotografen vorsichtshalber nicht im Internet sehen.

          Auch wenn der kommende Präsident Hassan Rohani angekündigt hat, die Internetzensur zu lockern, den Menschen mehr Freiraum zu gewähren, ändert das wenig am Stigma, dem sich iranische Menschen ausgesetzt sehen. Wenn ein ganzes Land bei westlichen Mächten in Misskredit fällt, wird es schwer für das Volk, in die Zukunft zu blicken.

          Zwar wurde das Buch von der italienischen Kreativschmiede „Fabrica“ veröffentlicht, dennoch hatte PayPal den Verkauf, der ausschließlich online lief, zunächst ohne Angabe von Gründen gestoppt. Weil das Wort „Iran“ dort auf der Blacklist steht, wie sich später herausstellte. Das gestand PayPal knirschend ein. Wie einfach wäre doch die Welt, wenn alles aus Schwarz und Weiß bestünde.

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