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Bettwanzen erobern New York : First they take Manhattan

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Sie krabbeln und saugen: Bettwanzen in Gefechtsformation Bild: AFP

Das große Kratzen: Fünf Millimeter große Bettwanzen blasen zum Angriff auf New York. Sie saugen nachts das Blut ihrer Wirte und hinterlassen Juckreiz und Rötungen. Die Tierchen galten als ausgerottet, nun kehren sie mit Macht zurück.

          Wenn sie erst eine Wohnung erreicht haben, sind sie überall und treiben die Bewohner zur Verzweiflung: Nach Kakerlaken und Mäusen haben Bettwanzen den Siegeszug durch New Yorker Apartments angetreten. Nach der Eroberung der äußeren Bezirke Queens und Brooklyn machen sie jetzt auch nicht mehr vor gut erhaltenen Mietshäusern und teuren Hotels in Manhattan halt.

          Die fünf Millimeter großen Tierchen saugen in der Nacht Blut aus ihren Wirten mit der Folge, daß am nächsten Morgen die betroffenen Körperstellen jucken und rot werden. Zwischen Juni 2005 und Juni 2006 beschwerten sich bereits über 4600 New Yorker bei den Behörden über die Blutsauger, im Jahr davor waren es nur 1839.

          „Das würde ich nicht meinem ärgsten Feind wünschen“

          „Bettwanzen würde ich nicht einmal meinem ärgsten Feind wünschen“, sagt Rachel Kempster, die monatelang von den kleinen Blutsaugern gequält wurde. Die Viecher waren in Amerika und Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ausgerottet, jetzt starten sie ihr Comeback und machen als erste Stadt New York unsicher.

          Immerhin übertragen die Tierchen keine Krankheiten...

          „Die Menschen sind von den Tierchen überrascht worden“, sagt Louis Sorkin, der als Insektenforscher am American Museum of Natural History in New York arbeitet. Die immer einfachere Art zu reisen und das Verbot von bestimmten Pestiziden hätten die Wanzen wieder nach New York gebracht. „Jedes Zimmer und jedes Haus ist Freiwild für sie.“

          Winzig und durchsichtig

          Der Befall von Bettwanzen hat nämlich nichts damit zu tun, ob eine Wohnung sauber gehalten wird. Erkrankungen übertragen die Krabbeltiere immerhin nicht. Die Bettwanze ist auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen. In Möbelspalten und zwischen Dielenbrettern vermehren sich die Tiere, die als neugeborene Insekten winzig und durchsichtig sind, besonders gerne. Durch die Weitergabe von Kleidung oder durch gebrauchte Matratzen können sie sich ebenfalls ausbreiten.

          Rachel Kempster hatte schon sechs Monate lang immer wieder Bisse und glaubte noch an kleine Mücken, die sie nachts heimsuchten, als sie die Wanzen entdeckte. „Sie waren überall, in meinem Schrank, in meinen Schuhen, in meinen Notizbüchern und sämtlichen Papieren.“ Um die Plage zu bekämpfen, warfen Kempster und ihr Freund in ihrer Wohnung in Queens alles weg, wovon sie glaubten, das es befallen sei. „Wir haben die Matratze weggeschmissen, die Teppiche und mein geliebtes Strickgarn im Wert von ungefähr 1000 Dollar (754 Euro)“, erzählt sie. Ihr Freund habe einen Großteil seiner Bücher vernichtet.

          Kammerjäger räuchern die Wanzen aus

          Die Säuberungsaktion kostete das Paar insgesamt ungefähr 5000 Dollar (3770 Euro) und brachte ihr Sozialleben vorübergehend zum Erliegen. „Rückblickend gab es bestimmt ein paar Sachen, die ich nicht hätte wegschmeißen müssen“, sagt Kempster. „Aber ich war einfach derart in Panik.“ Am Ende räucherte der Kammerjäger die Wanzen aus.

          Bei Französischlehrerin Marie zogen die unerwünschten Gäste mit einem Tisch ein, den sie gebraucht gekauft hatte. „Das Schlimmste ist die Vorstellung, daß man nachts gebissen wird, während man schläft“, berichtet sie. „Und die Gefahr, die Tiere weiterzuverbreiten, sodaß man keine Gäste mehr nach Hause einladen kann.“ Marie fand schließlich auf einer Veterinär-Website ein Anti-Bettwanzenspray, das den Tieren den Garaus machte.

          Wanzenfrei - und doch Verfolgungswahn

          Die New Yorker fühlen sich durch den neuen städtischen Terror bedroht. Auch die Zeitungen beschreiben detailliert die Rückkehr der Plage. Die zuständigen Behörden wollen jetzt möglicherweise den Verkauf von gebrauchten Matratzen verbieten.

          Rachel Kempster und ihre Freund fühlen sich von dem lästigen Viehzeug immer noch verfolgt, obwohl ihre Wohnung jetzt bettwanzenfrei ist. Wenn sie ein Buch aufschlägt, schaut sie noch immer jedesmal nach „ob sich auch nichts bewegt“. Monatelang konnte sie nachts kaum schlafen, weil sie immer an die ekligen Insekten denken mußte. „Wir haben immer noch kein Bett. Wir schlafen auf einer Luftmatratze, denn die hat keine Ritzen.“

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