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: Betrogene Betrüger

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LONDON. 7. Dezember. "Betrug" lautet der Haftgrund, mittels dessen Anne Darwin nach ihrer Landung aus Panama am Londoner Flughafen Heathrow in Polizeigewahrsam genommen wird. Es ist derselbe Tatbestand, der ihren Mann, den überraschend ...

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          LONDON. 7. Dezember. "Betrug" lautet der Haftgrund, mittels dessen Anne Darwin nach ihrer Landung aus Panama am Londoner Flughafen Heathrow in Polizeigewahrsam genommen wird. Es ist derselbe Tatbestand, der ihren Mann, den überraschend wieder aufgetauchten, nur scheinbar tödlich verunglückten Kajakpaddler John Darwin, schon seit drei Tagen im Polizeirevier Kirkleatham festhält. Zuerst hatte der Vermisste einen Gedächtnisverlust als Grund dafür reklamiert, dass er nicht sagen könne, wo und wie er die letzten fünf Jahre verbrachte. Doch jetzt, da die Reporter der englischen Boulevardpresse täglich neue Details des heimlichen Lebens des Ehepaars Darwin aufdecken, da Mrs. Darwin gesteht, ihr Leben sei "eine Lüge gewesen, mit dem ständigen Blick über die Schulter", da offenbar wird, dass Mr. Darwin einen falschen Pass unter dem Namen "Jones" besessen haben soll und dass er vor zwei Jahren in Gibraltar erschien, um einen hochseetüchtigen Katamaran zu kaufen - jetzt gibt der Beschuldigte selbst in Telefonaten mit Freunden an: "Mein Gedächtnis kommt wieder." Er erinnere sich jetzt, dass er im vergangenen Jahr mit seiner Frau in Panama gewesen sei. Ein Foto, das die beiden in Panama-City auf Wohnungssuche zeigt, hatte den Betrug des Ehepaares offenbart.

          Die Polizei hatte schon vor der überraschenden Rückkehr des verschwundenen Paddlers eine Spur aufgenommen. Vor drei Monaten meldete sich eine Kollegin aus der Gemeinschaftspraxis, in der Anne Darwin als Arzthelferin arbeitete, bei den Ermittlern: Ihre Kollegin führe oft während der Dienstzeit heimlich Privatgespräche. Vielleicht rede sie mit ihrem Mann, den sie vor vier Jahren, schon ein Jahr nach seinem Verschwinden, für tot erklären ließ? Einen Monat später jedenfalls löste Anne Darwin rasch ihren Haushalt bei Hartlepool auf, verkaufte die beiden Häuser mit Seeblick, stieß ihren Landrover unter Wert ab, weil sie auf Barzahlung bestand, und übersiedelte nach Panama.

          Der "Daily Mirror" spürte vor zwei Tagen das belastende Foto des in Panama vereinten Ehepaars auf und konfrontierte tags darauf Anne Darwin mit diesem Beweis. Wieder einen Tag später erscheint die Beschuldigte als vertrautes Gesicht auf dem Titelblatt: "Meine Lügen". Viele neue Schwindeldetails mag Anne Darwin aber gar nicht erzählen. Stattdessen entschuldigt sie sich tränenreich bei ihren Söhnen, bezweifelt, dass die ihr jemals verzeihen können, und fragt sich, was für eine Mutter sie sei. Die erwachsenen Söhne, die zunächst ins Radar der Reporter gerieten und sich Spekulationen möglicher Mitwisserschaft ausgesetzt sahen, werden von der Polizei in Schutz genommen: Es gebe keine Anhaltspunkte, dass sie in diesem Fall mehr als Opfer seien, auch wenn der jüngere der beiden überstürzt seine Londoner Wohngemeinschaft verließ und sich nach Basingstoke an den Wohnort des älteren aufmachte.

          Die größte Merkwürdigkeit in diesem Betrugsrätsel: Warum kehrte John Darwin alias Jones überhaupt nach England zurück und offenbarte seine Wiederkehr? Zur Aufklärung bieten die Zeitungen am Freitag eine anonyme Quelle an. Ein "Freund des Ehepaares" habe gesagt, Anne Darwin habe in Panama ein noch viel neueres Leben beginnen wollen, als es mit ihrem Ehemann geplant war: Sie sei drauf und dran gewesen, ihren Kajakpaddler John wegen eines anderen Mannes zu verlassen. "Nachbarn" hätten sie in Panama "mit einem Kanadier" gesehen. Da habe John die Panik ergriffen. "Denn sie hatte das ganze Geld, und er war für tot erklärt."

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