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Bethlehem : Ein neues Dach für die Krippe

Pilger in der Grabeskirche in Bethlehem Bild: dpa

Die Geburtskirche in Bethlehem hat ihre besten Jahre hinter sich. In den kommenden Jahren soll sie renoviert werden. Ein Zusammenprall moderner Technik und jahrhundertealter Tradition.

          2 Min.

          Die Krippe bekommt ein neues Dach. In der Geburtskirche von Bethlehem sind zwar rechtzeitig zu Weihnachten die Gerüste verschwunden, die den Besuch für die Pilger und Touristen bislang zu einem Hindernislauf machten. Aber das war nur ein Vorgeschmack auf das neue Jahr. Denn nach den ersten Untersuchungen im Herbst werden 2011 die Renovierungsarbeiten in der Kirche beginnen, unter deren Hauptaltar sich die Geburtsgrotte befindet, in der vor 2010 Jahren Maria Jesus auf die Welt gebracht haben soll. Besonders das Dach des Gotteshauses, das zum größten Teil aus dem sechsten Jahrhundert stammt, ist morsch und an mehreren Stellen feucht - mit schlimmen Folgen für das restliche Gebäude, das auch unter dem Nahost-Konflikt zu leiden hatte, als im Jahr 2002 die israelische Armee mehr als fünf Wochen die Kirche belagerte, in der sich bewaffnete Palästinenser verschanzt hatten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Im Herbst fingen Fachleute aus Italien und Kanada an, die Kirche vom Dach bis zu ihren Fundamenten zu untersuchen. Mit einem Laserscanner erstellten sie ein millimetergenaues dreidimensionales Modell. "Jetzt werden die Daten ausgewertet. Dann wird entschieden, was wie renoviert wird", sagt Issa Murra von der "Community Development Group", dem an dem Projekt beteiligten Ingenieurbüro aus Bethlehem. Anfang nächsten Jahres entscheidet ein Ausschuss der palästinensischen Autonomiebehörde über die Ausschreibung der Arbeiten. Murra vermutet, dass es Sommer werden könnte, bis die Restauratoren kommen.

          Schon 1,4 Millionen Besucher in diesem Jahr

          "Es wird mehrere Jahre dauern und eine zweistellige Millionensumme kosten. Die erste Million Dollar hat die Autonomiebehörde bereitgestellt. Jetzt hoffen wir auf weitere Geber aus dem Ausland", sagt Siad al Bandak. Der frühere palästinensische Minister ist Berater des Präsidenten für christliche Angelegenheiten und koordiniert die Renovierung. Das Engagement der Autonomiebehörde bringe den "großen Respekt vor dem Heiligen Ort" zum Ausdruck. Die Arbeiten seien zudem Teil der Bemühungen der Regierung, Bethlehem auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes zu bringen.

          In der Geburtskirche prallen bei der Renovierung moderne Technik und jahrhundertealte Tradition aufeinander. Denn Hausherren in dem Gebäude, dessen Vorgängerbau Kaiser Konstantin schon im Jahr 326 über der Geburtsgrotte errichten ließ, sind nicht Stadt oder Staat, sondern gleich drei christliche Konfessionen. Sie wachen mit Argusaugen über den im 19. Jahrhundert festgeschriebenen Status quo. Hauptteil und Geburtsaltar sind im Besitz der griechisch-orthodoxen Kirche; der Dreikönigsaltar und der berühmte Silberstern in der Grotte steht den Katholiken zu; die armenisch-orthodoxe Kirche beansprucht das nördliche Querschiff.

          Schon längere Zeit leben sie in guter Nachbarschaft zusammen. Aber erst im September 2010 unterzeichneten der Kustos der Franziskaner im Heiligen Land, der griechisch-orthodoxe Patriarch und ein Vertreter des armenischen Patriarchen ein Abkommen, das schließlich die Renovierung möglich machte. An Initiativen dafür hatte es zuvor nicht gemangelt. Auch Geld für die Rettung des Gebäudes hatten Christen schon gesammelt, die es weiterhin in großer Zahl dorthin zieht: Mehr als 1,4 Millionen Besucher verzeichnete man in Bethlehem schon in diesem Jahr. Über Weihnachten sollen noch einmal 90 000 kommen. In vielen Herbergen um die Geburtskirche werden die Zimmer knapp.

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