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Berühmtes Pariser Hotel : Das Lutetia soll seine Seele nicht verlieren

„Das Lutetia ist eine alte Dame, die dringend ein Lifting braucht“, sagt Monsieur Jean, der Chef-Concierge. Drei Jahre muss die Welt ohne das Pariser Hotel auskommen. Bild: Hotel Lutetia, Paris Fotos PR

In drei Jahren wird das berühmte Pariser Hotel am Boulevard Raspail als Fünf-Sterne-Haus wieder eröffnet. Verstummen werden die Geschichten über de Gaulles Flitterwochen und Gainsbourgs Besäufnisse.

          Ein letztes Mal wollen sie die Geschichten hören, französische Geschichten, wie sie nur Monsieur Jean erzählen kann. Geschichten von den Flitterwochen des Charles de Gaulle oder den Besäufnissen des Serge Gainsbourg, die Eddy Mitchell in seinem Lied „An der Bar des Lutetia“ besingt. Monsieur Jean kennt sie fast alle, die Erzählungen von Antoine de Saint-Exupéry, André Gide, Henri Matisse, Pablo Picasso und all den anderen, die im Prachtbau am Boulevard Raspail, Ecke Rue de Sèvres, ein und aus gingen und oftmals dort lebten. Er erinnert sich noch gut an den Komiker Coluche, der von seinem Balkon aus mit gefüllten Joghurtbechern auf die Polizisten zielte, die einen Strafzettel an sein vor dem Hotel geparktes Auto heften wollten. Monsieur Jean hat vor 44 Jahren als Hotelpage im Lutetia angefangen, jetzt sagt er als Chef-Concierge dem Hotel „adieu“ – zusammen mit den 210 weiteren Beschäftigten. Vor einigen Tagen ist die Belegschaft zu einer Abschiedsfeier zusammengekommen. Monsieur Jean musste Anekdoten hervorkramen, auch wenn ihm nicht zum Feiern zumute war. „Es fällt schwer“, sagt Monsieur Jean.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Drei Jahre lang wird das 1910 eröffnete Hotel keine Gäste mehr empfangen und von Grund auf renoviert werden. Der französische Stararchitekt Jean-Michel Wilmotte soll es in einen Fünf-Sterne-Palast verwandeln, den einzigen „rive-gauche“ auf dem linken Pariser Seine-Ufer. „Das Lutetia ist eine alte Dame, die dringend ein Lifting braucht“, sagt Monsieur Jean. Die Art-Nouveau-Fassade geht auf den Bildhauer Paul Belmondo zurück, den Vater des Schauspielers Jean-Paul. Sie soll restauriert werden, und der Architekt musste versprechen, mit der Sorgfalt des Denkmalpflegers die Erneuerungsarbeiten vorzunehmen.

          „Wir werden die Umbauarbeiten sehr wachsam verfolgen“

          Im Mai werden die Schmuckstücke des Hotels versteigert, vom Auktionshaus Pierre Bergé, dessen Eigentümer selbst ein Jahrzehnt in der Suite 608, auch „La Parisienne“ genannt, lebte. Mit einem Jazz-Konzert wird die Auktion eröffnet, das passt zum „Geist der rive-gauche“, den Bergé, der Lebensgefährte des Modeschöpfers Yves Saint-Laurent, beschwört. Das Mobiliar, die Kunstsammlung, der Weinkeller, alles wird versteigert. Bettwäsche und Fernsehgeräte dürfen sich die in die Arbeitslosigkeit entlassenen Beschäftigten teilen. Nur ein paar außergewöhnliche Objekte wie die Skulptur Gustave Eiffels von César (der auch vorübergehend im Lutetia lebte) will der neue Eigentümer, der Chef der israelischen Immobilien-Gruppe Alfred Akirov, ins neue Fünf-Sterne-Reich mitnehmen. „Wir werden die Umbauarbeiten sehr wachsam verfolgen“, sagt schon jetzt Michèle Dufour, die dem 250 Mitglieder zählenden Verein „Les amis du Lutetia“ vorsteht. Es komme nicht in Frage, dass das Lutetia seine Seele verliere.

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