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Berliner Modewoche (Tag 2) : Feiern bis zum Show-Beginn

Die Berliner Modeszene versucht Klischees zu erfüllen: Nina Hagen tritt auf Bild: dapd

Wie, Mode? Für viele besteht die „Fashion Week“ vor allem aus Partys. Wir haben einige von ihnen aus Textzwecken besucht.

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          Es ist so etwas wie die inoffizielle Opening Party der Berliner Modewoche. Dabei scheint am frühen Dienstagmorgen die Modewoche vorüber zu sein, ehe sie überhaupt begonnen hat. Denn die Party endet nur Stunden vor der Eröffnungsschau. Die Feier des Männermode-Blogs „Dandy Diary“ findet erst zum vierten Mal statt, hat aber schon längst Kultstatus – zumindest unter denen, die es mit dem Zeitplan nicht ganz so eng sehen. „Auf welche Schauen gehst du nachher?“, schreit einer dem anderen ins Ohr. Die Antwort: „Also Dienstag schon mal auf gar keine mehr.“ Am Mittwoch und Donnerstag, so viel ist klar, wird es ähnlich sein.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für David Roth, einen der beiden Blogger, ist das ein „super Auftakt“. „Wer hat denn am Ende der Fashion Week überhaupt noch Lust auf Partys?“ Auf der Party von „Dandy Diary“ im Scala in der Friedrichstraße haben sich viele entsprechend des Mottos „Punk“ gekleidet, mit zerschnittener Givenchy-Lederjacke und Nieten-Applikationen. Auch Roth hat sich einen Irokesenschnitt zugelegt. Hier fühlt sich Berlin wie eine Metropole an. Die Punks reißen ein Loch in die Hipster-Gleichgültigkeit. Punks mit verschwitzten Oberkörpern taumeln durch die Masse. Eine Bierdusche lässt Modemädchen verstört zurück. Während manche darüber stöhnen, in wenigen Stunden wieder auf die Beine kommen zu müssen, endet die Punk-Party für andere standesgemäß im Streifenwagen. Erstaunlich viele aber reisen am Dienstagmittag schon wieder ab: „Die Party ist geil, aber die Fashion Week – die kann man doch nicht ernst nehmen.“

          Ja, die Berliner Modeszene versucht all die Klischees zu erfüllen, die über sie im Umlauf sind. Dabei sind die Dandys und Punks noch Waisenknaben, denn ebenfalls am Montag feiert die Messe „Bread & Butter“ mit mehr als 2000 Gästen im Metropol am Nollendorfplatz. Nina Hagen tritt auf, Sven Väth legt auf, und Messechef Karl-Heinz Müller ist wieder einmal der Powerbroker der Szene. Das sieht man an einem besonderen Gast. Bei all den Endlosschlangen vor den Türen und dem späteren Gedränge auf den eigentlichen Partys in dieser Woche kann man ihn fast vergessen: Klaus Wowereit. In den vergangenen Saisons stets ein willkommener Gast, scheint er sich dieser Tage nach Einbruch der Dunkelheit ein wenig zurückzuziehen. Zu Karl-Heinz Müller kommt er dann doch, und das ist auch gut so.

          Etwas zurückgezogen dieser Tage, aber doch da: Klaus Wowereit Bilderstrecke
          Etwas zurückgezogen dieser Tage, aber doch da: Klaus Wowereit :

          Das war jetzt erst der Montag. Der Dienstag lässt sich ruhiger an. Die Mailänder Marke Marni ist zum ersten Mal offiziell zum Feiern in die Hauptstadt gekommen und lädt gleich ins KaDeWe ein. Der eine Teil der Marni-Frühjahrskollektion ziert die Schaufenster, der andere scheint im Atrium von den Decken zu schweben, darunter bedienen sich die Gäste um Marni-Chefdesignerin Consuelo Castiglioni am Champagner und an den Parfum-Testern. Denn gefeiert wird der erste Duft des Labels. Eine Duftbar trägt zur allgemeinen Erheiterung bei. Da kann Berlin noch von Mailand lernen.

          Geht´s nicht noch ein bisschen wilder?

          Gediegen auch das „Elle“-Dinner im neuen Hotel Waldorf Astoria am Zoo. Um an den Namensvetter in New York aufzuschließen, fehlt dem Hotel noch die Patina. Die „Elle“ macht die fehlende Atmosphäre wett mit einem schönen Placement, wie man das Seating ja in besseren Modekreisen nennt: Rechts sitzt Dorothee Schumacher, die Designerin, links sitzt eine Dialyseärztin, die das Kinofest in Lünen organisiert, Designermode-Fan ist und natürlich auch genug Schumacher-Stücke für eine schöne Konversation im Schrank hat. Berlin kann also sehr gepflegt sein – wenn Münchner es organisieren.

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