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Berliner Modewoche (3) : Diva nicht schlecht

Bei Rena Lange begannen die Schwierigkeiten mit der ersten Reihe. Bild: Fricke, Helmut

Dorothee Schumacher will auf der Berliner Modewoche „Divas around the world“ ansprechen. Alexandra Fischer-Roehler präsentiert Brautkleider, in denen 100 Stunden Arbeit und 60 Meter Stoff stecken. Und auf einem Laufsteg war eine Farbe zu sehen, die es bisher gar nicht gab.

          Besser konnte der zweite Tag der Berliner Modewoche kaum beginnen. Dorothee Schumacher, eigentlich bekannt für pudrige Farben und liebliche Stimmungen, weckte die Modemenschen am Donnerstag nach einer durchfeierten Nacht sanft auf. Plötzlich sahen die Zuschauer mit Aquamarin, Smaragd, Saphir oder Jade ein Farbenspiel, das nicht nur vom Champagner am Vorabend stammen konnte. Die schmalen Röcke, die hohe Taille, die witzigen Galonstreifen, die weiten Mäntel, die schönen Capes – hier stimmten auch die Silhouetten. Die Designerin aus, ja, Mannheim ging sogar so weit, eigene Moderegeln aufzustellen: „Je länger ihr Rock, desto spitzer der Schuh.“

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          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dorothee Schumacher, die ihre Inspiration von Entwürfen der Couture-Legende Madame Grès aus dem Modemuseum in Kobe bezog, will „Divas around the world“ ansprechen. Das ist nicht nur angesichts wachsender Nachfrage nach ihrer Marke im Mittleren und Fernen Osten sinnvoll. Die internationale Ausrichtung, getragen durch einen immer wieder sportlich aufgepeppten klassischen Stil, begegnet auch einer Meldung der „Textilwirtschaft“ vom Donnerstag: Sieben von zehn deutschen Konsumenten warten demnach mit dem Kleiderkauf darauf, dass Jacke wie Hose billiger zu haben sind – am Montag in zehn Tagen beginnt der Winterschlussverkauf. Da werden es einige Berliner Marken nicht ganz einfach haben, mit ihren Preisen noch an die Frau zu kommen.

          Den schönsten Tag des Lebens

          „Kaviar Gauche“, der weiteren Diva unter den Kollektionen vom Donnerstag, wird das nicht passieren. Denn mit ihrer „Bridal Couture“ staffiert man schließlich den schönsten Tag des Lebens aus, das darf ruhig etwas kosten. Und die Kleider, die Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler über den Laufsteg schweben ließen, verlangen dank vieler handgearbeiteter Details nach himmlischen Preisen. Die Göttinnen-Gewänder bestehen eben nicht nur aus edler Einfalt und stiller Größe: Allein in einem Brautkleid, so erklärt Alexandra Fischer-Roehler nach der Schau, stecken 100 Stunden Arbeit und 60 Meter Stoff.

          Die beiden Modemacherinnen sind intelligent genug, den bei Hochzeitskleidern fast unvermeidlichen Gefühlskitsch zu meiden. Die Schau begann also mit einer schwarzgekleideten Braut, die zu Rammstein-Klängen sinister ein Weihrauchfass schwenkte. Der Schwarz-Weiß-Kontrast blieb den plissierten und teils aufwendig mit Tüllblüten bestickten Kleidern erhalten. Die dunkle Seite lässt tiefenpsychologisch erahnen, dass die beiden Designerinnen sich nicht vereinnahmen lassen wollen durch die Braut, die sich nichts traut: Sie möchten nicht nur Uptown sein. Das Weiß muss gebrochen sein wie die Romantik bei Rammstein. Alles andere wäre wohl reiner Kitsch.

          Starke und eine weiche Seite

          Ohne solche Spannungen verlieren die Kollektionen, wie man bei „Don’t Shoot the Messengers“ sieht. „Wir haben eine starke und eine weiche Seite“, sagte Jen Gilpin, eine Hälfte des Labels, bei der Präsentation. Die Designerin meinte damit natürlich keine qualitativen Gegensätze in ihrer zwei Jahre alten Marke, sondern die ästhetische Ausrichtung.

          Kollektion ohne Spannung: „Don’t Shoot the Messengers“

          Für den Herbst konzentrierte sich das Duo mit einer Serie schwarzer Kleider, mal mit ellipsenförmigen oder Criss-Cross-Ausschnitten, mal mit Federbesatz, besonders auf die weibliche, weiche Seite. Flach blieb dabei leider der Rest der Kollektion. Aus der Inspiration der indonesischen Ureinwohner auf den Mentawai-Inseln zog „Don’t Shoot the Messengers“ wenig Inhalt. Lederbesätze und Blitze von Edelstein-Farben standen leer im Raum – sie rechtfertigen jedenfalls nicht den Hype, den es zur Zeit um das Label gibt.

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