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Berliner Modewoche (2) : Misston in Ton

Schick, schick: Ein Model des Escada-Sport-Labels in Berlin Bild: REUTERS

Fragen über Fragen bei der Modewoche in Berlin: Warum erscheint die Chefredakteurin einer Modezeitschrift mit Bommelmütze, Pelzmantel und Trainingshose? Warum hat eine andere „wieder Anlass, sich zu ärgern“? Und: Ist Berlin nun wirklich eine Mode-Hauptstadt?

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          Kaum hatte die Modewoche am Mittwochmorgen begonnen, gab es die ersten Misstöne. Die Frage, ob Berlin nun eine Mode-Hauptstadt ist, wird erst am Abend, also am Ende dieses Artikels, beantwortet. Daher hatte man tagsüber viel Zeit, über eine ungleich wichtigere Frage zu diskutieren. Wie also konnte „Instyle“-Chefredakteurin Annette Weber zu, ausgerechnet, Escada Sport mit Bommelmütze, Pelzmantel und rosafarbener Trainingshose erscheinen? Der Hinweis, sie sei gerade vom Flughafen gekommen, ließ die Debatte auf dem Blog Modepilot nicht erlahmen. „Peinlich“, „bescheiden“, „schlimm“, meinten die Leser. Und Marie kommentierte entgeistert: „Yeti meets Neon, meets Peru, meets Zwergnase.“

          Die Sohlen auch mal flach halten

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da musste die Bloggerin mit einem Kommentar dazwischengehen: „Jetzt seid´s halt nicht so spießig!“ Und wirklich: Sollte man sich nicht auch mal freuen, wenn eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Mode entspannt auftritt? Sollte nicht gerade Berlin die sonst meist etwas angestrengten Münchnerinnen auflockern? Und, hey, ist nicht gerade das Unverständliche cool? Sollten wir uns nicht alle freuen, wenn aus der glamourgestählten „Instyle“-Redaktion am Arabellapark, wo nur der männliche Bürobote auf High-Heels verzichten darf, die Botschaft in Richtung Berlin nun lautet: Man kann den Ball und die Sohlen auch mal flach halten?!

          Bilderstrecke

          Berlin nämlich hat zugleich belebende und entspannende Wirkung auf die Mode, wie Annette Weber als eine der viel zu wenigen Yetis dieser Branche erkannt hat. Bei Escada Sport sah man das noch nicht so richtig, die kommen aber eben aus München. Die Vergangenheit scheint es der Marke angetan zu haben. In der letzten Saison schaute sie tief in die Siebziger hinein. Für den nächsten Herbst bricht Designerin Madeleine Schäfer nun in der ersten Schau des ersten Tags der Modewoche zu einer Zeitreise durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts auf. Nach einem brav schwingenden, hoch taillierten Rock wie aus den Fünfzigern ging es dann richtig los mit dem Spiel der Referenzen. Minikleider mit Plisseefalten im Stil der Sechziger, Senftöne und Flower-Power-Muster aus den Siebzigern. Seegrüne Samtanzüge trugen böse Achtziger-Jahre-Erinnerungen in das Jahr 2012, hatten dann aber Hosensäume, die kurz über dem Knöchel abschlossen, und schwups, schon war man zurück in den Fünfzigern. Ein roter Grunge-Mantel wie aus den Neunzigern fiel so lässig wie Kurt Cobains Flanellhemden von damals. Umgekehrt passte eine schwarze Bluse zu den Blazer-Jacken einer Neunziger-Jahre-Geschäftsfrau. Alles schon verdammt lang her.

          Spannender Mongrels in Common und Lala Berlin

          Livia und Christine von Mongrels durchbrechen mit einer schwarzen Serie und starken Drucken die aufkommende Lieblichkeit mancher Jungdesigner-Kollektionen. Und Lala, wie ihre Freunde Leyla Piedayesh einfach nennen, ging, wie sie sagt, „zurück zu den Wurzeln“ und brachte viel Strick. Die starken Muster ihrer frühen Palästinensertücher ließ sie einfach eine Etage tiefer rutschen – und siehe da, das Muster hat auf Kleidern, Röcken, Pullovern noch einmal eine ganz andere Wirkung. Auffällig, aber wir sind hier eben nicht in der cremefarbenen Fraktion, wir sind in Berlin.

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