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Leihmutterschaft : Verbotener Babymarkt

  • -Aktualisiert am

Der Traum von der eigenen Familie: Für viele Paare scheitert er am unerfüllten Kinderwunsch. Bild: Getty

In Deutschland verboten: Eizellen kaufen und Leihmütter ausbeuten. Trotzdem gibt es am Wochenende eine Messe, die zeigt, wie es geht. Bleibt dabei die Ethik auf der Strecke?

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          An diesem Wochenende finden in Berlin die „Kinderwunsch Tage“ statt. Das ist eine Messe, die erste ihrer Art in Deutschland. Aussteller zeigen dort, was man als Paar mit Kinderwunsch auf dem Markt der Reproduktionsmedizin alles kaufen kann. Offiziell geht es nicht um Verkauf, sondern um „Information“, und es wird schnell klar, warum.

          Da gibt es zum Beispiel eine Klinik aus Spanien. Sie hat etwas im Angebot, was in Deutschland nicht erhältlich ist: weibliche Eizellen. Auf der Homepage der Klinik ist netterweise gleich der Link: „Are you visting us from DE? Check the Deutchland site“, ein schwarz-rot-güldenes Fähnchen daneben. Unter dem Stichwort Eizellenkauf findet man nichts, wohl aber unter dem Begriff „Eizellenspende“. Dort heißt es: „Die Eizellenspende ist ein Verfahren, bei dem eine Frau auf die Eizellen einer Spenderin zurückgreift, um sich ihren Wunsch, Mutter zu werden, erfüllen zu können.“ Sehr praktisch, einfach so auf die Eizellen anderer Frauen „zurückgreifen“ zu können. Wie das vor sich geht, davon ist keine Rede. Dafür wird man beruhigt, dass die Spenderinnen „eine vollständige psychologische und gynäkologische Untersuchung“ hinter sich haben.

          Ein anderer Aussteller der Kinderwunsch-Messe, eine Klinik aus der Ukraine, beschreibt die Eizellenspende etwas genauer. Man kann dort eingefrorene Eizellen kaufen. Oder frische bestellen („keine Warteliste“). Fünf fixe Schritte reichen aus, „damit Sie Ihren Traum wahr werden lassen“: Man wählt zuerst in der Datenbank der Spenderinnen aus 450 potentiellen Frauen die eine aus, deren Gene es wert scheinen, dem eigenen Kind vermacht zu werden. Danach werde „die Spenderin sich der hormonellen Stimulation unterziehen, um Eizellen reifen zu lassen“. Und schon im nächsten Schritt werden diese Eizellen gewonnen und mit dem Sperma des Mannes (oder der Spermaspende, ebenfalls in der Klinik zu kaufen) in einer Petrischale befruchtet. Der Embryo entsteht und kann narkosefrei der werdenden Mutter eingesetzt werden. Was fehlt, ist der Schritt, der erklärt, wie die Eizellen aus dem Körper der Spenderin kommen. Und was ist eigentlich eine „hormonelle Stimulation“?

          Zwischen Altruismus und Aufwandsentschädigung

          Es kommt nicht gut, wenn man ein Produkt verkaufen will und dabei zeigt, wem dieses Produkt schadet. Arme Afrikaner auf Kaffeepackungen machen miese Stimmung, arme Schweine auf dem Kotelett auch. Deshalb werden die sogenannten Spenderinnen so weit wie möglich unsichtbar gemacht. Als Konsument ihrer Eizellen soll man sie sich als „altruistisch“ motiviert vorstellen, dieses Wort werden die Kliniken nicht müde zu wiederholen. Wenn etwas aus Menschenliebe passiert, dann ist es quasi ein Geschenk, und ein Geschenk kann nicht schlecht sein. Außerdem ist Schenken nicht verboten.

          Ganz so selbstlos handelt die Spenderin dann aber doch nicht, vor allem nicht bei frischen Eizellen. Denn sie bekommt für die Spende eine Aufwandsentschädigung. Eine andere spanische Klinik, die in Berlin vertreten sein wird, antwortet dazu auf Anfrage der F.A.S.: „Die Spende basiert auf einem altruistischen Verlangen, unfruchtbaren Paaren zu helfen. Aber es gibt auch eine Aufwandsentschädigung, jede Frau bekommt etwa 1000 Euro.“ Nicht schlecht in einem Land, in dem die Jugendarbeitslosigkeit bei 44 Prozent liegt und die Eizellenspenderinnen meist als „jung und gesund“ beworben werden. Eine estnische Klinik, auch sie mit Stand auf der Berliner Messe, spricht von durchschnittlich 600 bis 700 Euro „Entschädigung“.

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