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Berlin : Hauptstadthauptbahnhof

Glaskuppel im Lehrter Bahnhof Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Bis Montag morgen werden am Lehrter Bahnhof vier 70 Meter hohe Stahltürme wie eine Zugbrücke heruntergelassen - der Spielraum zwischen den beiden Bügelbrücken beträgt nur zwei Zentimeter. Doch erst ab Mai 2006 soll der neue Hauptbahnhof den Bahnhof Zoo ersetzen.

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          Berlin hatte nie einen Hauptbahnhof. Strahlenförmig liefen im 19. Jahrhundert die Gleise aus den verschiedenen Himmelsrichtungen auf das Stadtzentrum zu, doch die Züge der privaten Eisenbahngesellschaften fanden keine gemeinsame Mitte. Damals endeten die Züge aus Hamburg und Bremen am Hamburger Bahnhof, die Züge aus Lehrte (Hannover) am Lehrter Bahnhof, aus Dresden am Anhalter Bahnhof, aus Stettin und Rostock am Stettiner Bahnhof, aus Frankfurt (Oder) am Schlesischen Bahnhof, aus Görlitz am Görlitzer Bahnhof und aus Potsdam und Magdeburg am Potsdamer Bahnhof. Zumeist waren das Kopfbahnhöfe, die außerhalb des Stadtzentrums lagen. Ende des 19. Jahrhunderts verband schließlich der S-Bahn-Ring die wichtigsten Fernbahnhöfe.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Berlin hatte ebensowenig einen Hauptbahnhof wie London und Paris. Aber das soll sich ändern (siehe auch: Berlin: Stahltürme zu Brücken). Am 28. Mai 2006, kurz vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft, soll der Lehrter Bahnhof als neuer Verkehrsknotenpunkt der Hauptstadt eröffnet werden. Im Neunzig-Sekunden-Takt sollen Züge nach West und Ost, Nord und Süd fahren. Der Name "Hauptbahnhof" soll sich dann - so wollen es die Lokalpolitiker und Bahnchef Hartmut Mehdorn - eingebürgert haben.

          Berlin als „kontinentale Bahnmetropole“

          Seit 2002 wird er schon für den S-Bahn-Haltepunkt benutzt. In Anbetracht ihres Vorzeigevorhabens schwelgt die Deutsche Bahn in Superlativen: Der Lehrter Bahnhof sei der größte und modernste Kreuzungsbahnhof Europas. "Der neue Hauptbahnhof", so hofft die Werbung der Bahn, "etabliert Berlin wieder als kontinentale Bahnmetropole."

          Bild: F.A.Z.

          Der alte Lehrter Bahnhof, 1871 eröffnet, wurde im Zweiten Weltkrieg 1943 durch Bomben schwer beschädigt. 1952 wurde der Verkehr dorthin fast ganz eingestellt, die Ruine des Prachtgebäudes sieben Jahre später gesprengt. Nur der Name des nahen Lehrter Stadtbahnhofs, Haltepunkt auf der Stadtbahnlinie, erinnerte noch an die Fernverkehrsvergangenheit. In der Aufbruchstimmung nach dem Fall der Mauer und der Vereinigung der beiden Stadthälften entstanden rasch die ersten Pläne für einen hauptstädtischen Verkehrsknoten. Vor zehn Jahren wurde auf dem Brachgelände in Berlins Mitte die Baustelle angelegt. Im September 1998 begann mit der Grundsteinlegung der eigentliche Bahnhofsbau.

          Teurer als gedacht

          Das Projekt - vom Gelände des Kanzleramts nur durch die Spree getrennt - wird mehr Geld verschlingen als gedacht. Von zehn Milliarden Euro Gesamtkosten für die Berliner Schieneninfrastruktur ist die Rede, davon angeblich allein 700 Millionen Euro für den Lehrter Bahnhof. Dessen Dimensionen bergen angesichts der heutigen Fahrgastzahlen Kapazitätsreserven für das nächste Jahrzehnt. Die acht Gleise der Nord-Süd-Verbindung liegen 15 Meter unter der Erde, die der 2001 fertiggestellten Ost-West-Trasse zehn Meter über der Erde, dazwischen Gewerbeflächen.

          Durch das Glasdach soll Tageslicht auch die unteren Geschosse erhellen. Über die architektonische Gestaltung wird wohl bald vor Gericht gestritten. Der Hamburger Architekt Meinhard von Gerkan, von dessen Büro die Metall-Glas-Konstruktion mit "Kathedralen-Effekt" stammt, hat vor kurzem Klage gegen die Bahn eingereicht. Er sieht sein Urheberrecht verletzt und klagt, die Bahn habe seine Entwürfe für das Dach ohne seine Einwilligung verändert und dadurch entstellt.

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