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Berlin : Große Premiere für kleine „Kanzler-U-Bahn“

  • Aktualisiert am

Die 1,8 Kilometer lange Strecke wurde für 320 Millionen Euro Baukosten errichtet Bild: AP

Nach fast 14 Jahren Bauzeit mit Kosten von 320 Millionen Euro hat die „Kanzler-U-Bahn“ Fahrt aufgenommen. Angesichts von nur 1,8 Kilometern Länge und der fehlenden Anbindung an das Netz spotten die Berliner bereits über ihre „Stummelbahn“.

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          Im Berliner Untergrund hat die kleine „Kanzler- U-Bahn“ am Samstag eine große Premiere gefeiert. Zehntausende Berliner und Touristen haben die neue Hauptstadtlinie U55 seit ihrer ersten Fahrt um 11.05 Uhr tagsüber ausgiebig und gut gelaunt getestet. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erwarten laut Sprecherin Petra Reetz vom Start bis zum Abend insgesamt etwa 70.000 Fahrgäste.

          Hunderte Neugierige säumten bereits die Bahnsteige, als das geschmückte Mini-Shuttle am Eröffnungstag zwischen dem Brandenburger Tor und dem gläsernem Hauptbahnhof erstmals hin- und herpendelte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die neue Linie U 55 eine „U-Bahn der Einheit“. „Ohne den Fall der Mauer und den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin wäre sie nicht gebaut worden“, sagte er vor der ersten Abfahrt.

          Platz für 300 Fahrgäste

          Feste Fahrzeiten gab es vorsorglich am ersten Tag nicht, jede Mitfahrt war außerdem kostenlos. „Wenn der Zug voll ist, fährt er los. Das passiert etwa alle sieben Minuten“, sagte Reetz. Der Zug hat Platz für etwa 300 Fahrgäste.

          Etwa 70.000 Fahrgäste beförderte die U55 am Eröffnungstag

          Der Bau von Deutschlands kürzester und teuerster U-Bahn-Linie dauerte fast 14 Jahre und kostete 320 Millionen Euro. Für die Strecke mit den drei neuen Stationen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor brauchen die gelben Waggons nur knapp drei Minuten. Rechnen wird sich die Linie erst, wenn sie vom Brandenburger Tor bis 2017 zum Alexanderplatz weitergebaut wird. Das kostet die Steuerzahler voraussichtlich weitere 433 Millionen Euro.

          Die Linie wird dann unter dem Boulevard Unter den Linden entlangrollen und auch an der Museumsinsel halten. Kritiker zweifeln allerdings am Sinn der gesamten Linie, weil die S-Bahn fast parallel fährt.

          „Klein und fein“

          Am Festtag sind solche Zweifel und auch die jahrelangen Verzögerungen beim Bau der „Kanzler-U-Bahn“ Vergangenheit. „Klein und fein“ nennt Wowereit die neue Linie, die im Bahnhof Brandenburger Tor mit einem kleinen Mauer-Museum aufwartet. Beim Warten auf die U-Bahn können sich Fahrgäste vor Foto-Leuchtkästen in die Zeit der Teilung und Wiedervereinigung Berlins hineinversetzen. Auch in den Zwischengeschossen finden sich Antworten auf die Frage: Wo und wie war die Mauer?

          Den neuen Bahnhof Brandenburger Tor mit seinen Säulen und Lichtbändern erklärten die ersten Fahrgäste am Samstag schnell zur schönsten der drei neuen Stationen. Der Haltepunkt Bundestag, der bereits in den 90er Jahren zusammen mit dem Regierungsviertel entstand, fiel bei den Bewertungen dagegen durch. „Betonbunker“ oder „Krematorium“ lauteten die ersten Urteile schwäbischer Touristen. Die Premierengäste aus Stuttgart lobten das Berliner Verkehrsnetz mit allein 146 U-Bahnkilometern vor allem für einen Vorteil: „Es isch billisch“. BVG-Sprecherin Reetz fasste die gute Stimmung so zusammen: „Alle Fahrgäste sind wahnsinnig nett, viele sind sehr neugierig und stellen Fragen zur neuen U-Bahn.“

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