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Bergsteigerin Alix von Melle : „In der Höhe esse ich gern ein Stück Kuchen“

  • Aktualisiert am

Bergsteigerin Alix von Melle hat 2008 als zweite Deutsche den Gipfel des Nanga Parbat erreicht Bild: Luis Stitzinger

Die Hamburgerin Alix von Melle hat sich viel vorgenommen: Sie will den fünfthöchsten Berg der Welt bezwingen. Dafür hat sie schon fast 700 Kilogramm Material in den Himalaya geschickt, darunter eine Campingdusche, Chips, Butterkekse - und Kuchen.

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          Die Hamburgerin Alix von Melle hat sich viel vorgenommen: Sie will den fünfthöchsten Berg der Welt bezwingen. Dafür hat sie schon fast 700 Kilogramm Material in den Himalaya geschickt, darunter eine Campingdusche, Chips, Butterkekse - und Kuchen.

          Frau von Melle, an diesem Mittwoch fliegen Sie nach Katmandu. Mitte Mai, so der Plan, wollen Sie auf dem Gipfel des 8463 Meter hohen Makalu stehen.

          Wir sind elf Bergsteiger aus Deutschland und Südtirol, die sich von einigen Touren kennen. Zwei Tage haben wir in Katmandu Zeit für letzte Vorbereitungen. Dann fliegen wir nach Tumlingtar. Dort beginnt das Trekking. Erst nach elftägigem Fußmarsch werden wir Mitte April im Basislager auf 5500 Metern sein.

          Mitte Mai will die Hamburgerin auf dem Gipfel des 8463 Meter hohen Makalu im Himalaya stehen
          Mitte Mai will die Hamburgerin auf dem Gipfel des 8463 Meter hohen Makalu im Himalaya stehen : Bild: AFP

          Wie viel Zeit haben Sie dann, um den Gipfel zu erreichen?

          Etwas mehr als vier Wochen. Am wichtigsten ist, dass das Wetter mitspielt.

          Und die Kondition. Sind Sie denn fit?

          Ich habe in den vergangenen Monaten bis zu fünf Mal pro Woche trainiert. Ein großer Vorteil ist, dass ich meine Leidenschaft für Berge mit meinem Freund Luis Stitzinger teile. Er leitet auch die Expedition auf den Makalu. Unter der Woche machen wir sogar einmal eine Tour, bevor wir ins Büro gehen. Um fünf Uhr klingelt der Wecker, die Thermoskanne haben wir am Abend gefüllt, die Felle sind schon auf die Ski aufgezogen. Dann fahren wir nach Lenggries, gehen aufs Brauneck rauf, etwa 850 Höhenmeter, rasen runter, kaufen uns eine Brezel beim Bäcker, springen zu Hause unter die Dusche, und gegen halb zehn sitze ich in München an meinem Schreibtisch beim Landesfachverband für Sport- und Wettkampfklettern.

          Der Sport bestimmt Ihr Leben.

          Natürlich kann ich nicht auf jede Party gehen. Da muss ich Abstriche machen. Im Büro muss ich vorarbeiten. Dann muss das Visum besorgt werden, ich muss mir einen Büchervorrat anlegen und lade Musik auf den MP3-Player für Phasen mit schlechtem Wetter im Basecamp. Lauter Kleinkram, der vorher viel Zeit kostet.

          So eine Expedition kostet viel Geld.

          Bei einem Achttausender muss man mit etwa 8500 Euro rechnen. Manche Hersteller stellen mir Ausrüstung kostenlos zur Verfügung. Und seit kurzem habe ich einen Sponsor. Außerdem halten wir jetzt auch Vorträge über die Expeditionen.

          Was reizt Sie an den hohen Bergen?

          Ich habe nicht nur hohe Berge zum Ziel. Meine Wunschliste ist auch in den Alpen noch sehr lang. Bevor ich zum ersten Mal auf einem Achttausender stand, das war 2006 der Gasherbrum II, war ich auf Sechs- und Siebentausendern. Aber wenn man die magische Grenze einmal überschritten hat, dann fasziniert die Höhe einfach. Ich fühle mich mit meinen 38 Jahren gut in Form, finanziell ist es machbar, und vom Job her geht es auch. Im Moment passt einfach alles.

          Im Jahr 2008 haben Sie den Gipfel des Nanga Parbat erreicht, als zweite Deutsche. Im vergangenen Jahr standen Sie auf dem Dhaulagiri. Was kommt noch?

          Ich freue mich über jeden Gipfel. Für eine Hamburgerin wie mich ist Höhenbergsteigen ja schon ungewöhnlich. Erst zum Geographiestudium bin ich nach München gezogen. Und dann ging es richtig los mit Bergsteigen, Skitouren, Klettern, Mountainbiken. Die erste Frau zu sein, die auf allen 14 Achttausendern war, dieses Ziel muss ich Gott sei Dank nicht erreichen. Das machen Oh Eun-sun, Gerlinde Kaltenbrunner und Edurne Pasaban unter sich aus. Mit Profibergsteigerinnen will ich mich gar nicht messen.

          An welchen Gipfel denken Sie denn besonders gerne zurück?

          Das Gefühl auf dem Nanga Parbat war unbeschreiblich, vor allem der Abstieg am Nachmittag mit dem sonnenbeschienenen Wolkenmeer über dem Diamirtal. Aber es geht auch eine Nummer kleiner. In diesem Jahr waren wir zum Jahreswechsel im Osttiroler Villgratental. An Neujahr hatten wir perfekten Pulverschnee. Da habe ich mir gedacht: Wenn 2010 so wird wie die erste Skitour, dann wird das ein wahnsinnig tolles Jahr.

          Der Höhepunkt steht kurz bevor. Die Rucksäcke sind gepackt?

          Auf den Flug dürfen wir 30 Kilogramm Gepäck und sieben Kilogramm Handgepäck mitnehmen. Die Luftfracht haben wir längst aufgegeben. Das waren rund 300 Kilogramm an Schuhen für unsere 80 bis 100 nepalischen Träger und Kleiderspenden. Außerdem haben wir 684 Kilogramm Material vorausgeschickt, Campingdusche, Solarpaneele für das Laptop, 1000 Meter Fixseil, Chips, Butterkekse, Kuchen. Im Basislager knabbere ich gern etwas Salziges. Und in der Höhe, wo ich außer Babybrei und Kartoffelpüree kaum mehr etwas runterbringe, esse ich gerne auch ein Stück Kuchen.

          Was erwarten Sie von der Expedition?

          Der Makalu ist relativ sicher. Die Route ist nicht ganz so steil, die Lager sind nicht so ausgesetzt wie am Nanga Parbat, wo man kaum einen Schritt vor das Zelt machen kann. Dafür ist der Makalu deutlich höher: Da wird der Sauerstoff knapp.

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