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Bellevue : Das Schloss von innen

  • -Aktualisiert am

Schloss Bellevue, der Amtssitz des Bundespräsidenten Bild: dapd

Im Schloss Bellevue regieren die wirklich feinen Sitten. Es empfängt den Gast so, dass er sich seiner Bedeutung bewusst wird, und das Staatsoberhaupt ist auch im Binnenbetrieb der Verwaltung namenlos - immer der Herr Bundespräsident.

          Nirgendwo in Berlin wird der Gast so zuvorkommend behandelt wie im Schloss Bellevue. Nirgendwo sonst am Regierungssitz hebt das Protokoll den Besucher in solche Sphären der Bedeutsamkeit, dass er am Ende von sich selbst ergriffen ist. Selbst im auf das Protokollarische achtenden Auswärtigen Amt hat der Besucher schnöde seinen Personalausweis gegen einen Button auszuwechseln - und anschließend vor dem überaus schmucklosen Kontrollzimmer zu warten.

          Im Kanzleramt kann es - immerhin - auch einmal passieren, dass man Ausweise für sich behalten kann. Im Schloss Bellevue aber, dem Sitz des deutschen Staatsoberhauptes, regieren die wirklich feinen Sitten. Natürlich: Es gibt eine Passkontrolle an der Eingangspforte, Haupteinfahrt geheißen, nebst Sicherheitsschleuse und Wache. Dann aber ist der Besucher zu Gast - nicht etwa bei einer Privatperson wie Johannes Rau (früher), Christian Wulff (kürzlich) oder Joachim Gauck (mutmaßlich: künftig). Er ist zu Gast beim Bundespräsidenten.

          Eine Behörde besonderer Art

          Das Bundespräsidialamt ist eine Behörde besonderer Art. Wenn man so will, ist es zweigeteilt. Vom Spreeweg aus gesehen, der in den Großen Stern mit seiner Siegessäule mündet, liegt linker Hand das Verwaltungsgebäude. Es ist ein einem schwarzen Ei nachempfundener Zweckbau - außen dunkel, innen hell. Er ist von jener Architektur geprägt, die sich mit dem Umzug von Bonn nach Berlin durchgesetzt hat. Der umbaute Raum ist - bei allerlei Eleganz - wuchtig und groß. Die Büros der Mitarbeiter aber sind kleiner, als es die am Rhein gewesen waren. Ein Atrium, balkonartige Gänge sind von unten zu sehen. Je nach Lage sind die Zimmer nur im Winter hell - dann nämlich, wenn die Bäume des an den Tiergarten grenzenden Parks ihre Blätter abgeworfen haben.

          Doch selbst hier, wo die an sich gewöhnlichen Verwaltungsbeamten ihrem Dienst nachkommen, herrscht eine besondere Atmosphäre. Sie sprechen nicht etwa vom „Chef“, für den sie arbeiten. Es scheint verpönt zu sein, diesen selbst in Abwesenheit so zu nennen, wie es im Bundestag oder in Regierungsgebäuden üblich ist. Es gehört sich einfach nicht, etwa - es sei nur beispielhaft erwähnt - über den Amtsinhaber etwa als „Herr Köhler“ oder künftig „Herr Gauck“ zu reden, oder gar - im hässlichen Politikerdeutsch - von „dem Rau“ oder „dem Wulff“ zu sprechen. Das Staatsoberhaupt ist auch im Binnenbetrieb der Verwaltung namenlos. Bislang war der Name des Präsidenten bei Einladungen nur über den Namen seiner Frau zu erfahren. Also war dann, beispielsweise bis vor kurzem, von „Der Herr Bundespräsident und Frau Bettina Wulff“ die Rede. Bald nun wird von „Der Herr Bundespräsident und Frau Daniela Schadt“ zu sprechen sein.

          „Der Herr Bundespräsident wünscht“

          „Der Herr Bundespräsident wünscht“ oder auch „der Herr Bundespräsident hat angeordnet“, hat es im Verwaltungsalltag zu heißen. Und bald schon ertappt sich der einfache Gast dabei, wie er sich diesem Sprachgebrauch anzupassen beginnt. Er ist eben nicht beim „Wulff“, sondern beim „Herrn Bundespräsidenten“. Selbst wenn ein Bundespräsident, was trotz allem nicht so häufig vorkommt, Presseleute zum „Statement“ im Hause hat, wird der Stil gewahrt. Wie aus dem nichts ruft jemand den Wartenden zu: „Meine Damen und Herren, der Herr Bundespräsident!“ Aufstehen.

          Es wurde für einen preußischen Prinzen des ausgehenden 18. Jahrhunderts gebaut

          Nicht einmal bei Bundeskanzlern, den eigentlichen Inhabern der Macht, ist das so. Informell ist nichts, es sei denn, der Herr Bundespräsident sollte locker sein wollen, was dem „Neuen“ aber allem Anschein nach vom „Protokoll“ alsbald ausgetrieben wird. Das „Protokoll“ für Staatsgäste und Auslandsbesuche aber sitzt im Auswärtigen Amt. Dienstrechtlich und organisatorisch handelt es sich um eine eigene Abteilung im Außenministerium. Der stellvertretende Abteilungsleiter ist für die Bundeskanzlerin zuständig. Der Chef aber für den Bundespräsidenten. Zur Zeit ist das Karl Wokalek, der Onkel der gleichnamigen Schauspielerin.

          Dann hinein in den „Ehrenhof“

          Von der Eingangspforte des Präsidialamtes aus gesehen nach rechts führt der Weg ins eigentliche Schloss. Es sind nur ein paar Schritte, vorbei zunächst an einigen geparkten Autos, vorbei vielleicht auch an Gärtnern und Handwerkern. Dann hinein in den „Ehrenhof“ - links herum zum Schloss. Nur die Staatsgäste haben keinen Umweg um die gewöhnliche Eingangspforte zu nehmen. Ihre Limousinen fahren direkt in den Ehrenhof. Doch auch das Selbstbewusstsein des gewöhnlichen Besuchers kann gehoben werden, wenn er den Blick hin zum Spreeweg wendet. Er sieht sich im Arkanum der deutschen Politik. Dort stehen die Busse, dort schauen die Touristen auf das ihnen verschlossene Schloss, und wenn sie die Fahne oben wehen sehen, denken viele - irrtümlich, wie zu sagen ist -, der Bundespräsident befinde sich im Hause.

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