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Belgien : Der König ist zornig, wirklich

Stein des Anstoßes: eine Reise des Prinzen in den Kongo, die er sich bezahlt haben lassen soll Bild: REUTERS

„Krieg im Palast“ überschreiben mittlerweile selbst seriöse Zeitungen ihre Berichte aus dem belgischen Königshaus. Und immer geht es um Prinz Laurent, das Enfant terrible der Monarchie.

          Den Anblick des königlichen Schlosses Laeken im Brüsseler Nordosten kennen Belgiens Fernsehzuschauer inzwischen zur Genüge. Seit jenem Frühlingstag im April 2010, als Belgien zuletzt eine handlungsfähige Regierung hatte, fahren dort regelmäßig Politiker verschiedener Parteien und Muttersprachen vor, um mit dem Hausherrn über die ziemlich verfahrene Lage des Landes zu beratschlagen. Was König Albert II. seinen Gästen zu sagen hat, dringt nicht nach außen. Es unterliegt dem, was in Belgien „colloque singulier“ genannt wird und sich am besten durch „Schweigepflicht“ übersetzen lässt.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Umso ungewöhnlicher war es, dass sich nun der königliche Pressesprecher Pierre-Emmanuel De Bauw, ein eigentlich stets diskreter Karrierediplomat, etwas verwinkelt, aber doch unverblümt äußerte: „Was in der Presse über die Tatsache erschienen ist, dass der König zornig ist, stimmt mit der Wirklichkeit überein.“ Das saß, zumal die Bemerkung keineswegs auf einen der um Interessenausgleich zwischen flämischen und wallonischen Streithähnen bemühten Politiker, sondern auf seinen Sohn Prinz Laurent gemünzt war. „Krieg im Palast“, lautete am Dienstag die Hauptschlagzeile der als zuverlässig geltenden Zeitung „De Standaard“.

          Stein des königlichen Anstoßes war, dass der Prinz entgegen ausdrücklichen Aufforderungen seines Vaters und des Regierungschefs Yves Leterme Mitte März zu einer Reise in die frühere belgische Kolonie Kongo aufgebrochen war. Dort soll der Prinz, den die Sorge um den Schutz der Tropenwälder nach Zentralafrika getrieben habe, den durchaus umstrittenen Staatspräsidenten Joseph Kabila getroffen haben. Die Reise soll ihm bezahlt worden sein. Eine Hotelrechnung in der Stadt Lubumbashi soll ein belgisch-kongolesischer Geschäftsmann beglichen haben – angeblich weil die Prinzendelegation keine passende Kreditkarte dabeigehabt habe.

          Der Haussegen hängt schief im belgischen Königshaus

          Debatte über Aberkennung der Apanage

          Die Debatte darüber, ob dem jüngeren Bruder von Kronprinz Philippe und Prinzessin Astrid die Apanage von zuletzt 312.000 Euro aberkannt werden soll, ist nun voll entbrannt. Der 47 Jahre alte Sohn von König Albert II. und Königin Paola, hat schon längst den Ruf eines Enfant terrible der Monarchie erworben. Schon vor Jahren machten Erzählungen eines früheren Privatlehrers und eines Beraters die Runde. Demnach soll sich der als „Prinz Bleifuß“ verschrieene Liebhaber schneller Autos für Rennen mit Hochgeschwindigkeitszügen begeistert haben. Während eines Fluges soll er auf einen Schlag 15 Uhren erworben haben. Und bei einer Veranstaltung soll der bekennende Tierschützer als Clown gar mit einem lebendigen Pavian auf dem Kopf aufgetreten sein.

          Der ehemalige Privatlehrer Rudy Bogaert hatte gar behauptet, weder Laurent noch sein Bruder Philippe hätten im sechsten Schuljahr anständig lesen und schreiben können. Rechnen kann der jüngste Spross der Königsfamilie hingegen wohl. So konnte Mitte 2006 nur ein Machtwort des damaligen Regierungschefs Guy Verhofstadt ihn davon abhalten, Fotos seiner frisch geborenen Zwillingssöhne exklusiv für 15.000 Euro zu vermarkten.

          Keineswegs mehr lustig war es für ihn, als bekannt wurde, die Kosten für die Einrichtung seiner Privatvilla „Villa Clémentine“ seien aus Kassen der Seestreitkräfte bestritten worden. Vor dem Gericht, das einige Offiziere und Geschäftsleute deshalb verurteilte, hatte der Prinz aussagen müssen. Für die Rückerstattung des Betrags von 185.000 Euro musste schließlich König Albert II. aufkommen. Kurz darauf wurde bekannt, wie schief der Haussegen auf Schloss Laeken damals hing. „Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben“, soll der Prinz seinen Vater angeherrscht haben. In ähnlichem Tonfall soll der König geantwortet haben: „Dann kommst du hier nicht mehr rein!“

          In Zivilkleidung zur Militärparade

          Den nächsten Ärger gab es einige Monate später, während der traditionellen Militärparade am belgischen Nationalfeiertag. Anders als sein Vater und die älteren Geschwister war der Prinz, der es in der Marine immerhin bis zum Fregattenkapitän gebracht hat, in Zivilkleidung erschienen. Vielleicht war es nicht Aufmüpfigkeit, sondern der Kummerspeck, der den damals noch rundlicher als sonst wirkenden Prinzen zum Verstoß gegen die Kleiderordnung gebracht hatte. Als Grund wurde zumindest genannt, dass die alte Uniform nicht mehr gesessen habe und die neue nicht rechtzeitig fertig geworden sei. Für den Ärger um den Abstecher in den Kongo hat der Prinz schon mehr als einen Sündenbock ausgemacht. Dem französischsprachigen Fernsehsender RTBF vertraute er an, es gehe um einen „Coup des Palasts mit dem Ziel, mich zu schwächen“. Schon seit 30 Jahren wolle man ihm schaden. Auch Regierungschef Leterme lasse sich dafür einspannen. Als „stupide“ bezeichnete er belgische Medien. Dort ist dieser Tage schwarz auf weiß nachzulesen, gegen wen sich der Unmut des Prinzen besonders richtet: gegen den engsten Königsberater Jacques Van Ypersele de Strihou, den der Prinz nach Darstellung der Zeitung „De Morgen“ Ende 2009 unter Anspielung auf den umstrittenen Günstling des russischen Zarenhofes als „Rasputin“ bezeichnet haben soll.

          Noch scheint der Königssohn freilich wenig unter dem Eindruck des jüngsten Wirbels um seine Person zu stehen. Zu Pressemeldungen, er denke darüber nach, auf die Apanage zu verzichten, sagte er der Zeitung „De Standaard“ trotzig: „Ich habe das niemals gesagt. Ich denk auch nicht daran, meine Apanage zurückzugeben.“

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