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BBC-Umfrage : Die Welt liebt Deutschland – und die EU

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Laut einer BBC-Umfrage ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Bild: ddp

Nach einer Umfrage der BBC bewerteten 59 Prozent der Menschen in aller Welt den Einfluss Deutschlands als „eher positiv“. Die Bundesrepublik belegt damit zum fünften Mal den ersten Platz bei der Umfrage.

          Deutschland ist – nach einer Umfrage des britischen Rundfunksehsenders BBC – das beliebteste Land der Welt. Der Sender befragte 26.000 Menschen aus 25 Ländern, ob Staaten einen „eher positiven“ oder „eher negativen“ Einfluss auf die Welt hätten. 59 Prozent der Befragten blicken demnach positiv auf Deutschland. Am besten schneidet das Land unter Befragten in Ghana ab, aber auch Frankreich oder Australien bewerteten Deutschland sehr positiv. Somit verdrängte die Bundesrepublik Japan wieder vom ersten Platz, den sie insgesamt zum fünften Mal belegt.

          Woran liegt die Beliebtheit der Deutschen? Stephen Evans, der Berliner Korrespondent der BBC, äußerte sich dazu auf der Website des Senders. Die Umfragewerte seien eine Belohnung der emsigen Diplomatie mit Ländern, in denen deutsche Produkte gefragt seien. Die treibende Kraft sei nicht die Politik, sondern der Handel. So begründet Evans die positive Einstellung Ghanas zu Deutschland mit der hohen wirtschaftlichen Präsenz in dem afrikanischen Land.

          Das Ergebnis lässt sich neben der soliden Wirtschaftsleistung wohl auch mit einem gewandelten Image von Deutschland erklären. Spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006, als die Feierbilder der Fanmeilen um die Welt gingen, sind Klischees wie Lederhosen und Bier nicht mehr so dominant wie früher. Nach dem Motto: Die Deutschen können auch feiern und sind nicht nur die Spießer, die selbst nachts an der roten Fußgängerampel warten.

          Deutschland sammelte in der ganzen Welt positive Stimmen. So schnitt es bei seinen Nachbarn Frankreich, Polen und Österreich sehr gut ab. Auch die meisten Länder, denen die europäische Wirtschaftskrise zusetzt hat, blicken positiv auf die Bundesrepublik. Zum Beispiel haben 68 Prozent der Spanier ein gutes Bild von den Deutschen. „Es freut mich sehr, dass Deutschland gerade in diesen Zeiten so großes Ansehen in Europa und der Welt genießt“, sagt Außenminister Guido Westerwelle. Nur in Griechenland sieht man das anders: Eine knappe Mehrheit äußerte sich dort negativ.

          Abgesehen von der BBC-Umfrage änderte sich das Bild der Deutschen ganz besonders in den britischen Medien. Wurden früher Fußballer mit Kriegshelm porträtiert, findet sich heutzutage etwa in der Boulevardzeitung „Sun“ eine Liebeserklärung an die Deutschen. Das Boulevardblatt schätzt neben Claudia Schiffer, deutschen Autos, Jägermeister und Rudi Völlers alter Frisur die Discounter Lidl und Aldi.

          So sehen 26 000 Befragte aus 25 Ländern diese Staaten

          Trotz alter Klischees trägt besonders die Tourismusbranche Deutschlands zu einem modernen Image bei. Die Übernachtungen von ausländischen Gästen stieg im dritten Jahr in Folge und lagen 2012 bei fast 70 Millionen im Jahr – ein Rekordwert. „Wenn in Europa gereist wird, dann nach Deutschland. Die Zahlen sprechen für sich“, sagt Beate Kilian von der Deutschen Zentrale für Tourismus in Frankfurt am Main.

          Das Goethe-Institut, das weltweit Kultur- und Sprache vermittelt, spürt das sich wandelnde Deutschlandbild in vielen Facetten: Im Süden Europas führt die Eurokrise eher dazu, dass negative Klischees aufgegriffen werden, der Norden nimmt Deutschland tendenziell als Krisenmanager wahr. „Großbritannien ist ein spannender Sonderfall“, sagt Goethe-Instituts-Sprecher Christoph Mücher. Er hat dort eine Liebe zum Deutschen, eine Germanophilie, beobachtet. In der britischen Kulturszene gibt es einflussreiche Deutsche, darunter Martin Roth, Leiter des Victoria & Albert Museums. Selbst deutsche Weihnachtsmärkte haben die Londoner schon für sich entdeckt.

          Berlin zieht junge Leute aus aller Welt an

          Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass Deutsch als Sprache so wichtig wird? Am Goethe-Institut stieg die Zahl der Schüler im Krisenland Spanien um 50 Prozent, in Nordamerika um zehn Prozent. Dazu kommt der „Lifestyle-Faktor“, wie Mücher sagt. Zu dem trägt besonders die Hauptstadt bei, die junge Leute aus aller Welt anzieht. Wenn ein Goethe-Institut eine Berlin-Woche anbiete, laufe das immer, sagt Mücher. Wie das Deutschlandbild sich entwickeln wird, kann er nicht vorhersagen. „Es wird spannend zu sehen, wie die Krise weitergeht. Wir beobachten das wirklich sehr genau.“

          Bei der Umfrage der BBC standen nicht alle Länder der Welt zur Auswahl, sondern nur 16 Staaten und die Europäische Union. Nach dem die EU im letzten Jahr ihren bisher tiefsten Wert erreicht hatte, ging es wieder um einen Punkt nach oben, obwohl die befragten Deutschen die Staatengemeinschaft deutlich schlechter bewerteten als im Vorjahr.

          Die negativsten Bewertungen erreichten Iran und Pakistan. Nur 15 Prozent sahen den Einfluss dieser Länder „eher positiv“. Deutlich schlechter beurteilt als bisher wurden China, Indien und Japan. Einen Sprung nach vorne machten die zweitplatzierten Kanadier und das auf Platz drei folgende Vereinigte Königreich. Die Vereinigten Staaten rangieren im Mittelfeld.

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