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BBC-Serie : Sein Name ist Poldark, Ross Poldark

Wie es im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gewesen sei, wird der Brite Poldark (Aidan Turner) gefragt. „Eine Verschwendung guter Männer“, sagt er. Bild: Sony Entertainment

Ein altmodischer Held macht sich frei: Die BBC-Serie „Poldark“ erzählt vom Schicksal eines Kriegsheimkehrers vor zweihundert Jahren. Aidan Turner gibt dabei eine so gute Figur ab, dass er als neuer James Bond gehandelt wird.

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          Deine Zukunft liegt woanders!“, herrscht der greise Onkel den vom Krieg gezeichneten Helden an. Drei Jahre hat Ross Poldark (Aidan Turner) sich als britischer Soldat durch den amerikanischen Unabhängigkeitskampf geschlagen, nun kehrt der Totgeglaubte heim nach Cornwall. Sein Vater lebt nicht mehr, seine Erbe scheint wertlos, das Land wirft nichts ab, von der Zinnmine blieb nur eine Ruine, und seine Liebste hat sich mit einem anderen verlobt – dem Sohn eben jenes wohlhabenden Onkels, der an der Steilklippe immer weiter auf Poldark einredet: „Ändere deine Profession! Gesetzesvertreter oder ein Kirchenamt. Ein Umzug nach London. Oxford! Ich bezahle die Ausbildung.“

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Natürlich will er den unliebsamen Neffen nur loszuwerden. Aber dass Onkel Charles (Warren Clarke) unverrichteter Dinge davonreitet, ist weder der ökonomischen Unvernunft des Neffen geschuldet noch dessen gebrochenem Herzen. Captain Poldark bleibt, weil er ein ausgesprochen altmodischer Held ist. Anders als die aufstrebende Konkurrenz im Minengeschäft gebärdet er sich nicht wie ein Frühkapitalist, sondern wie ein Grundbesitzer, auf den seine Pächter und Grubenarbeiter zählen. Die Verantwortung zum Neuanfang hält ihn auf scheinbar verlorenem Posten – das passt bestens zu einer romantischen Hauptfigur, die zwar durchs späte 18. Jahrhundert galoppiert, tatsächlich aber aus dem Jahr 1945 stammt.

          Selfmademann des 18. Jahrhunderts

          Damals veröffentlichte William Graham den ersten von zwölf Romanen um den Veteranen Poldark, der vormacht, dass es nach dem Krieg weitergeht. In seinem Charakter vereint er das Beste männlicher Heroen, wie sie Jane Austen und die Brontë-Schwestern ersonnen haben: von Mr. Darcy über Heathcliff bis Mr. Rochester. Doch Poldark wirkt nahbarer und selbst in dunklen Momenten weniger abgründig. Als Selfmademan fast neuweltlicher Prägung packt er lieber selbst an, statt wie die Verwandtschaft pseudo-feudale Bälle zu zelebrieren. Er macht nicht viele Worte, prügelt sich, wenn es sein muss, verteidigt Schwächere und kommt doch in Versuchung, einen Widersacher ertrinken zu lassen. Aber wenn man sich auf etwas verlassen kann, dann darauf, dass sein moralischer Kompass fest justiert ist, egal, welche Unbilden drohen. Und es droht eine Menge.

          Altmodisch ist das, weil wir einem Typen wie ihm kaum noch im Fernsehen begegnen und Historien-Dramen lieber das Scheusal auf dem Thron ausleuchten (wie in den „Tudors“) oder die männliche Hauptperson von ihrem weiblichen Gegenpart aus dem 20. Jahrhundert definieren lassen (wie im Fantasy-Zeitreiseepos „Outlander“). Die achtteilige BBC-Serie „Poldark“ dagegen verzichtet sogar auf rohe Gewalt, blutige Geburten und explizite Sexszenen, wie sie sonst zum Standardrepertoire des Genres gehören.

          Alte Flamme: Elizabeth (Heida Reed) verlobte sich mit Poldarks (Aidan Turner) Cousin.

          Verblüffend harmlose Familienunterhaltung also, Eskapismus in der Hoffnung auf friedlichere Zeiten, der es allerdings in Herzschmerz-Szenendichte, Ausstattung und optischer Opulenz – nie sah Cornwall besser aus – ohne weiteres mit der Konkurrenz aufnehmen kann. Denn hinter dem Erfolg der ersten Fernsehadaption aus den siebziger Jahren wollte die Produktion keinesfalls zurückstehen: Damals fegte Poldark die Straßen leer und beflügelte den Südengland-Tourismus.

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