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Drohne über dem Kölner Dom : Auch Engel haben Paparazzi

Überblick verschaffen: Die Spitze des Doms zu Köln, mittels einer Drohne fotografiert Bild: Height-Tech GmbH Bielefeld

Pilotprojekt ohne Pilot: Zum ersten Mal werden am Kölner Dom Drohnen eingesetzt, um den Bauzustand der Kathedrale zu untersuchen. So soll der Restaurierungsbedarf der gotischen Kathedrale ermittelt werden.

          Die einen sehen aus wie Engel, doch sie können nicht fliegen. Seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts umstehen die monumentalen Figuren aus Kalkstein, der in der Nähe von Caen gebrochen wurde, in fünfundsiebzig Meter Höhe die Türme des Kölner Doms, zweimal sechzehn im Kreis, zweiunddreißig insgesamt. Kann ganz schon stürmen dort droben. Standfest sind sie, doch Wind, Wetter und Schadstoffbelastungen ausgesetzt, die sie angreifen und mehr als nur Spuren hinterlassen, auch Flügel, Hände und Verzierungen abgebrochen haben.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Im Frühjahr 2012 hat es sogar einen Unfall gegeben, als Gestein auf die Domplatte krachte und ein Passant getroffen wurde. Danach wurde der untere Südturm von einem Fahrkorb aus untersucht, lose Fragmente wurden abgenommen und Gefahrenzonen mit Netzen provisorisch abgehängt. Seitdem bestand akuter Handlungsbedarf: Die Engelfiguren müssen untersucht, gefestigt und gegen die fortschreitende Verwitterung geschützt werden.

          Technische Neuerung macht den Drohneneinsatz möglich

          Die anderen sehen nicht aus wie Engel, sondern wie große Spinnen, doch sie können fliegen. Zwei dieser Drohnen aus stabilen Leichtbaumaterialien, beide das neueste Modell, HAT-8 C180, mit einer um 180 Grad schwenkbaren Kameraaufhängung und weniger als fünf Kilogramm schwer, umschwirren das Wahrzeichen und stehen stabil in der Luft, um die Engel an der Kathedrale genauer anzusehen. Doch nie gleichzeitig, immer abwechselnd, und nur am Südturm.

          Seit 2006 kommen die Geräte zum Einsatz, aber erst seit kurzem können sie hochleistungsfähige Kamerasysteme tragen, die bis zu einer Windgeschwindigkeit von 55 Kilometern pro Stunde Vibrationen auffangen. Ausgestattet mit einem Vollformat-Sensor mit 36 Mega-Pixeln, machen sie Aufnahmen der Figuren wie auch der Fassade aus Drachenfelser Trachyt, der auf den unteren 58 Metern verbaut wurde, und übertragen sie an die mobile Bodenstation, wo Vorschaubilder permanent mitverfolgt werden können. Fast in der Mitte ihres zweiten Lebensjahrhunderts, bekommen es die Engel zum ersten Mal mit Paparazzi zu tun.

          Acht Flügel aber nur ein Auge

          Nur, landen können die bei den Engeln nicht. Abgehoben und gelandet sind die Paparazzi am Montag auf der Domplatte vor der Westfassade, die dafür zwei Stunden gesperrt wurde. Die Kölner Dombauhütte, seit jeher ein Ort des fachübergreifenden Pioniergeistes und der technischen Innovation, an dem Forschung und Praxis Hand in Hand gehen, hat in diesem Pilotprojekt erstmals „Oktokopter“, Flugroboter mit acht Antrieben, eingesetzt, um Bauzustand und Restaurierungsbedarf der gotischen Kathedrale zu dokumentieren. Die Aufnahmen sind genau genug, um die Erneuerungs- und Konservierungsmaßnahmen abschätzen und vorbereiten zu können. Ihre Auswertung wird mindestens eine Woche beanspruchen.

          Die Drohnen aus stabilen Leichtbaumaterialien sind mit einer um 180 Grad schwenkbaren Kamera ausgestattet und wiegen weniger als fünf Kilogramm Bilderstrecke

          Restaurierungstechnisch markiert der Übergang vom Nord- zum Südturm eine Zeitenwende. Beide wurden im Mittelalter, zwischen 1360 und 1448, bis auf etwa 58 Meter hochgezogen, der Weiterbau bis zur Spitze in 157 Meter Höhe aber fand erst im Zuge der Domvollendung von 1868 bis 1880 statt. Während die Sanierung des Nordturms in den neunziger Jahren begonnen und die letzte, dreißig Meter hohe Hängekonstruktion an seiner Südostecke im Juli 2013 endlich entfernt wurde, wird der Südturm erst dann ein Gerüst tragen müssen, wenn die Steinmetze mit den Arbeiten an der Fassade anfangen.

          Siebzehn Jahre, von 1996 bis 2013, hatte das käfigartige Gestänge den Nordturm belastet. Derart lange wird es durch den Einsatz der Drohnen künftig nicht mehr gebraucht. Auch normale (Foto-)Touristen erleichtert diese Aussicht. Den Paparazzi sei Dank.

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