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Bautechnik : Füße in Schalen

  • -Aktualisiert am

Manche Häuser wackeln nur, andere fallen um Bild: AP

Ob mit der kunstvollen Entkopplung des Gebäudes vom Untergrund oder dem einfachen Rückgriff auf den flexiblen Baustoff Holz: Häuser können so konstruiert werden, daß sie auch starke Erdstöße überstehen.

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          Geologen hatten mit dem jüngsten Erdbeben in Südasien gerechnet. In den zurückliegenden Jahren hatten sie bei Messungen der unterirdischen Spannungen eine Zunahme der seismischen Aktivitäten der Erdplatten unter Kaschmir registriert. Daraufhin waren immer wieder Forderungen aufgekommen, zumindest bei neuerrichteten Häusern auf eine erdbebensichere Bauweise zu achten - Mahnungen, die so gut wie nicht beachtet wurden.

          Weiter wurden selbst vier- und fünfstöckige Häuser aus nur schwach gebrannten Lehmziegeln errichtet. Bestehende Bauvorschriften wurden mißachtet und zahlreiche Schwarzbauten ohne bautechnische Kontrolle hochgezogen. So ist der Einsturz eines großen Apartmenthauses in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine viel zu schwache Baustruktur zurückzuführen.

          Das Erdgeschoß ist die Achillesferse

          Größere Bauten bestehen in den getroffenen Gebieten meist aus einem Skelett aus Stahlbeton, das mit Backsteinwänden ausgemauert ist. Die Achillesferse dieser Gebäude ist das Erdgeschoß, da anders als in den oberen Stockwerken durch die hier vorhandenen großen Öffnungen für Garagen und Fensterflächen von Läden und Büros keine aussteifende Wirkung erzielt wird.

          Im Normalfall halten die Pfeiler die von oben wirkende Last der Gebäude zuverlässig aus, da die Kräfte lotrecht in die Fundamente übertragen werden. Da bei einem Erdbeben die Kräfte aber auch von unten und vor allem von der Seite kommen, gerät der gesamte Rahmenbau ins Wanken. Und da sich der Boden und damit das Fundament schneller bewegt als das durch seine Masse „bewegungsträge“ Gebäude, sind es vor allem die unteren Enden der Tragpfeiler, die versagen.

          Dieses „Schadensbild“ hat sich auch nach dem schweren Erdbeben des Jahres 1999 in der Türkei ergeben. Hier waren die Stützen wie Strohhalme gebrochen, worauf die schweren Betondecken herunterbrachen und alles unter sich begruben. Zum Versagen der Pfeiler trug auch bei, daß die Armierungseisen der Stützen nicht - oder viel zu schwach - mit dem Betonstahl der Decken verbunden waren.

          Instabile Baustoffe

          Neben diesen in der Konstruktion liegenden Ursachen sind es vor allem wenig stabile Baustoffe, die Gebäude bei einem Erdbeben einstürzen lassen. So haben Untersuchungen nach dem schweren Erdbeben des Jahres 1995 im japanischen Kobe an angeblich erdbebensicheren Gebäuden gezeigt, daß die meisten beschädigten oder eingestürzten Gebäude Betonbauten waren. Bei der genauen Analyse stellten die Fachleute schlechte Betonqualitäten fest, aber auch schlechte Verbindungen zwischen dem Beton und den Armierungseisen - man hatte Eisen mit einer zu glatten Oberfläche eingesetzt.

          Aus den Erfahrungen haben die Bauingenieure gelernt: Heute ist es prinzipiell möglich, Bauten so zu konstruieren und zu bauen, daß sie auch starke Erdbebenstöße überstehen, ohne daß Leben und Gesundheit von Menschen gefährdet werden. Mit zwei unterschiedlichen Strategien läßt sich dieses Ziel erreichen. Man baut sehr stabile, solide ausgesteifte Häuser, die den Erschütterungen standhalten und sorgt (bei höheren Gebäuden) zudem dafür, daß die aufgenommenen Schwingungen gedämpft werden.

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