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Barcelona : Die Nackten und die Roten

  • -Aktualisiert am

Mit Bikini und Badehose vom Strand in die Stadt - auch das wird künftig bestraft Bild: dpa

Barcelona geht schärfer gegen Nudisten vor und macht damit eine radikale Kehrtwende in der Textilpolitik der Stadt. Vor allem Touristen waren der Einladung, leicht bis gar nicht bekleidet durch die Stadt zu spazieren, gern gefolgt.

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          Die „rote“ Stadtregierung von Barcelona will jetzt den Nudismus auf den Straßen der Innenstadt verbieten. Wer ganz nackt geht oder Rad fährt, dem droht von März an eine Geldbuße von bis zu fünfhundert Euro. Wer - abseits der Strände - im Badeanzug flaniert, muss auch mit einem Strafzettel von bis zu dreihundert Euro rechnen. Die Polizei soll gleichwohl angewiesen werden, die Nackten versuchsweise erst einmal zu bitten, sich Kleider anzuziehen. Der Vorschlag der konservativen Volkspartei, auch noch den blanken Torso in ein Hemd zu zwingen, konnte sich nicht durchsetzen.

          Die jetzt von den Sozialisten im Rathaus mit Hilfe der bürgerlichen Opposition - gegen die Stimmen der katalanischen Nationalisten und der grünen Kommunisten - verabschiedete Regelung bedeutet eine radikale Kehrtwende in der Textilpolitik der Stadt. Denn im Jahr 2006 hatte die gleiche rote Stadtregierung noch Plakate subventioniert, auf denen ausdrücklich dazu eingeladen wurde, nackt durch Barcelona zu spazieren. Das Argument war, dass es sich hier um ein persönliches Freiheitsrecht handle. Und es wurde genutzt. Nicht nur auf den Ramblas ergingen sich fortan Nackte auch bei schlechtem Wetter mit Regenschirm. Es waren in der Regel weniger Einheimische als Touristen, die sich in mehr oder minder unbekleidetem Zustand auch unbefangen in die Schlange vor der Kirche der Heiligen Familie einreihten.

          Nackte in Souvenirläden und im Gothischen Viertel

          Allmählich wurde es aber dem Gaststättengewerbe und der Geschäftswelt doch unangenehm. Nackte beim Essen auf den Terrassen, Nackte in den Souvenirläden, Nackte im Gothischen Viertel: Sie erschienen in ihrer nicht immer attraktiv zu nennenden und von der Sonne gegrillten Leibesfülle zunehmend als Beleidigung für das Auge des Betrachters. So hatte Bürgermeister Jordi Hereu, der ohnehin größte Mühe haben wird, im Mai wiedergewählt zu werden, ein Einsehen und befürwortete die Kurskorrektur. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, das sei in wirtschaftlichen Krisenzeiten auch als Hilfsmaßnahme für die notleidende lokale Textilindustrie zu deuten.

          So sind wohl auch für die Naturistenorganisationen, die im Sommer immer zu einem befreienden „Tag ohne Badeanzug“ einzuladen pflegten, diesbezüglich die Tage gezählt. Währenddessen geht die politische Auseinandersetzung an einer anderen Textilfront weiter. Mehrere katalanische Städte und Gemeinden haben schon das Tragen einer Burka verboten und debattieren hitzig darüber, welches Maß an Verschleierung muslimischer Frauen zu dulden sei. Hier machte eine Kolumnistin der Zeitung „La Vanguardia“ einen Vorschlag zur Güte und schrieb: Es wäre doch schon ein Fortschritt, wenn im Zeichen auch der von der spanischen Regierung geförderten „Allianz der Zivilisationen“ gleichermaßen auf Splitternacktheit wie auf Vollverschleierung verzichtet werden könnte.

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