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Barack Obama : Süße Töchter als politisches Gold

  • -Aktualisiert am

Nicht nur für das Weihnachtsfoto müssen die Präsidententöchter Sasha (links) und Malia mit ihren Eltern posieren. Bild: dapd

Barack Obama wollte es anders machen als alle anderen - seine Töchter Malia und Sasha zahlen trotzdem den üblichen Preis.

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          Schon der erste Versuch ging daneben. Als die Obamas nach dem historischen Sieg der Demokraten bei den Präsidentenwahlen vom November 2008 den Umzug ins Weiße Haus planten, wollte Michelle Obama mit den Töchtern Malia und Sasha zunächst noch in der Heimatstadt Chicago bleiben. Bis zum Ende des Schuljahrs im Sommer 2009, so plante Michelle Obama, sollte Malia und Sasha der Schulwechsel erspart bleiben. Sie selbst würde als neue First Lady hin und wieder nach Washington pendeln, während ihre Mutter Marian Robinson derweil auf die Enkelinnen aufpasst.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der Plan, den damals zehn und sieben Jahre alten Töchtern in Chicago vorerst noch ein normales Leben fernab von den Kameras zu gewähren, während der Vater als mächtigster Mann der Welt in Washington die Geschicke der Nation bestimmte, war naiv, ja grotesk. Barack Obama hielt die Idee seiner Frau von Beginn an für abwegig. Dies ließ er sie auch wissen. Und er setzte sich, wie eigentlich immer in seiner politischen Laufbahn, gegen seine Frau durch: Die „First Family“ zog am 20. Januar 2009, dem Tag der Amtseinführung des 44. Präsidenten, ins Weiße Haus ein.

          Michelle Obamas Vorstellungen vom schrittweisen Umzug waren nicht konsequent. Schon als ihr Mann sich im Jahr 2004 um einen Senatssitz für den Bundesstaat Illinois bewarb, erkannten der Kandidat und seine Frau sowie vor allem die Berater rasch, wie effektiv ein Wahlkampfauftritt mit den Töchtern war. „Die Obama-Familie zusammen war politisches Gold“, schreibt Jodi Kantor, Korrespondentin der „New York Times“, in ihrem soeben erschienenen Buch „Die Obamas“. Der Ehemann und Familienvater Obama ließ dieses Gold gern auf den Politiker Obama scheinen.

          Kantors Buch, das auf Gesprächen mit mehr als 200 Freunden und Verbündeten Obamas und zumal mit fast drei Dutzend ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeitern des Weißen Hauses beruht, ragt nicht nur aus der Flut der Lobpreisungen des ersten schwarzen Präsidenten Amerikas hinaus. Es bietet vor allem ein politisches Psychogramm des Präsidenten und der First Lady, die beide von großem Ehrgeiz getrieben und von einem noch größeren Sendungsbewusstsein beseelt sind. Im Weißen Haus, wo man sich an eine handzahme Presse gewöhnt hat, ist man von Kantors Buch nicht begeistert.

          Die Töchter treten mit auf, wenn es die politische Botschaft fördert

          Die Lebensumstände der Töchter Malia und Sasha, die am 4. Juli 1998 und am 10. Juni 2001 in Chicago geboren wurden, schildert Kantor im Zusammenhang mit ihrer Funktion für die Karriere des Politikers Obama. Gewiss will das Präsidentenpaar, dass seine Kinder in Geborgenheit aufwachsen, in möglichst zuträglichen Verhältnissen. Kantor zeigt aber auch, dass die Töchter immer dann in Wahlkampfauftritten des Kandidaten und später des Präsidenten vorkommen, wenn es seine politische Botschaft befördert.

          Das offizielle Foto der Präsidentenfamilie

          Kurz nach Obamas furioser Rede beim Parteitag der Demokraten zur Ernennung des damaligen Präsidentschaftskandidaten John Kerry von Ende Juli 2004 in Boston ging Obama mit Frau und Töchtern im Wohnmobil auf einen „Familienurlaub“, der in Wahrheit eine Wahlkampftour für die Senatswahl in Illinois war. Obama war der heimliche Star des Parteitages gewesen, er hatte dem Kandidaten John Kerry nicht nur die Schau gestohlen, sondern er wurde sogleich als Präsidentschaftskandidat gehandelt. Die Reise im Wohnmobil war ein Riesenerfolg für den Kandidaten Obama - und zugleich eine Katastrophe für die Familie. Für Malia und Sasha war sie eine Tortur. „Mir hat es mehr Spaß gemacht, wenn keine Kameras da waren“, sagte die damals sechs Jahre alte Malia, „ehrlich gesagt mag ich keine Kameras.“

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