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Barack Obama : Der aus der Reihe tanzt

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP-Foto eines Wahlplakates aus dem Jahr 2008

Die Herkunft seines Namens beschäftigt Barack Obama auch in seinen autobiographischen Büchern. Wegen der Ähnlichkeit zu „Osama Bin Laden“ und Saddam Hussein sagte sein Medienberater ihm einst das frühe Ende der politischen Karriere voraus.

          5 Min.

          What’s in a name? Shakespeares Frage hat sich auch Barack Hussein Obama oft gestellt. Schon zu Beginn seiner autobiographischen Bücher, „Dreams from My Father“ (1995) und „The Audacity of Hope“ (2006), thematisiert er die Herkunft des seltsamen Namens, der ganz mit dem seines Vaters übereinstimmt und zu zwei Dritteln mit dem des muslimischen Großvaters, Hussein Onyango Obama.

          Die Vornamen sind arabisch (Barack: der Gesegnete; Hussein: der Gute, Schöne), der Nachname kommt aus dem Dholuo, der Sprache des kenianischen Luo-Stamms, dem Vater und Großvater angehörten. Die Übersetzung „brennender Speer“ erklärt Obama selbst: Sie sei eine Mystifikation, die er benutzt habe, um seinen Mitschülern zu imponieren. Im Dholuo kennzeichnet das Präfix o die dritte Person Singular, das Suffix a das Objekt „mich“, der Stamm bam bedeutet „biegen“. Obama wäre also zu übersetzen: Er, sie, es möge mich biegen/biegt mich/hat mich gebogen/aus der Reihe gebracht/ich tanze aus der Reihe.

          Als der Vater 1959 als erster afrikanischer Student an die Universität von Hawaii kam und sich in eine weiße Amerikanerin verliebte, wurde sein Vorname – wie der ihres 1961 geborenen Sohns – im Alltag zu Barry rundgeschliffen. Aber so sehr die einlullende amerikanische Konsumkultur dem Jungen auch gefiel – er beharrte auf dem Original, dem Authentischen.

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          Natürlich änderte Obama seinen Namen nicht

          Ein Name kann politische Konsequenzen haben. Das demonstriert Obama, wenn er ein Gespräch schildert, das er in einer schwierigen politischen Phase Ende September 2001 mit einem Medienberater hatte. Auf dem Tisch lag eine Zeitung, deren Titelseite den Steckbrief Usama Bin Ladins (im Englischen: Osama Bin Laden) zeigte. Der Medienberater zuckte bedauernd die Achseln. Da könne man nichts mehr machen. Einerseits sei seine Karriere schon so weit fortgeschritten, dass er jetzt kein Pseudonym mehr annehmen könne. Andererseits sei seine Karriere zu Ende, da der politische Gegner derartige Anklänge ausschlachten werde. Natürlich änderte Obama seinen Namen nicht. Die Einheit von Zeichen und Bezeichnetem ist nun einmal das Kerngeschäft der Poesie. Obama muss gespürt haben, dass in seinem Namen eine Magie, ein Geheimnis beschlossen liegt, stärker als die zufällige Ähnlichkeit mit „Osama Bin Laden“ und Saddam Hussein.

          Von Jugend an war ihm die Macht des Wortes und der Stimme bewusst. „Ich muss nur die richtigen Worte finden, sagte ich mir. Mit den richtigen Worten konnte alles anders werden.“ Er beweist Sinn für transkulturelle Wortspielerei, wenn er erwähnt, dass über den Namen seines indonesischen Stiefvaters Lolo gescherzt wurde, der auf Hawaiianisch „verrückt“, aber auch „Gehirn“ bedeutet. Ein Glanzstück ist seine Usurpation des Begriffs „Hope“. Er erscheint an zentraler Stelle der Antrittsrede des Präsidenten: „Wir haben uns für Hoffnung anstelle von Angst entschieden.“ Als der aufstrebende Senator 2006 dem zweiten Teil seiner Autobiographie den Titel „Die Kühnheit der Hoffnung“ gab, lag darin Chuzpe. Denn die Wendung geht zwar auf den Pastor Jeremiah Wright zurück – als Beschreibung des amerikanischen Geistes und Gemeinschaftsgefühls, des Mutes zur Selbstverantwortung. Aber sie bekundet in der Anspielung auf Bill Clintons Buch „Between Hope and History“ (1996), die ungerührt über dessen Alleinstellungsmerkmal, in Hope (Arkansas) geboren zu sein, hinweggeht, einen veritablen Machtanspruch.

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