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Bambi-Verleihung : Alles wie gehabt

  • Aktualisiert am

Sarah Jessica Parker: „Ich bin sehr nervös” Bild: dapd

Neue Musik, mehr Überraschungen, ein neues Moderations-konzept: Bei der Bambi-Verleihung 2010 in Potsdam sollte eigentlich einiges anders werden. Und doch blieb dann alles beim Alten. Wirklich frischer Wind wehte nicht durch die Fernsehgala.

          Shakira schwärmte von „Jogis“ süßem blauen WM-Pullover, Sarah Jessica Parker plagte Lampenfieber und Udo Lindenberg fühlte sich für seinen Lebenswerk-Preis eindeutig zu jung. Ein „Küken“, ein „Bambino“ sei er noch, stellte der 64-Jährige klar. Zum 62. Mal wurde am Donnerstagabend in Potsdam der Medienpreis Bambi vergeben. Einige Neuerungen waren angekündigt worden: Neue Musik, mehr Überraschungen am Abend, ein neues Moderationskonzept. Trotzdem war eigentlich alles beim Alten bei der Fernsehgala. Wirklich frischer Wind wehte nicht.

          „Ich bin sehr nervös“, hatte Sarah Jessica Parker schon vor ihrem Auftritt am roten Teppich bekannt. „Ich weiß noch nicht mal, warum sie mich für diese Aufgabe hier ausgewählt haben.“ Auf Deutsch eröffnete sie den Abend mit den Worten: „Guten Abend, Deutschland und herzlich willkommen zum Bambi!“ Zu diesem Zeitpunkt hatte die Mode-Ikone bereits ihren ersten von mehreren Kleiderwechseln hinter sich. Auf Englisch fuhr Parker dann fort und begrüßte den Stifter des Preises, den - wie sie sagte - „größten deutschen Verleger“ Hubert Burda.

          Der Weltstar wirkte etwas verloren in einer Runde von ansonsten fast ausnahmslos deutschen Stars und Preisträgern. Auch Hannah Herzsprung staunte, als sie ihren Bambi als beste Schauspielerin (“Weissensee“, ARD) aus den Händen von Parker entgegennahm. „Das ist Wahnsinn, ihn von Ihnen zu bekommen“, rief sie. Mit den Worten „And the Bambi goes to...“ - angelehnt an die Oscars - hatte die Amerikanerin ihn ihr überreicht und wurde dabei von Comedian Michael Mittermeier unterstützt.

          Die Schauspielerin, die den Abend eröffnete, plagte Lampenfieber

          Nicht wie in den Vorjahren mit einem festen Moderatorenteam, sondern mit Parker als prominentem Stargast und den verschiedenen Laudatoren wurde durch den Abend geführt. Fußball-Nationaltrainer Joachim Löw könnte sich sogar über zwei Auszeichnungen freuen. Nach dem Bambi (Sonderpreis der Jury) bekam er gemeinsam mit Popstar Shakira hinter der Bühne auch noch eine Doppel-Platin-CD für den WM-Hit „Waka Waka“ - weil er und seine Mannschaft, so war zu erfahren, die Nachfrage danach auf dem deutschen Markt angekurbelt hatten.

          Bühnen-Comeback von Sarah Jessica Parker

          Wie immer erfrischend präsentierte sich die Frontfrau der Band Gossip (Bambi Pop International), Beth Ditto. Als bei der Präsentation ihres Hits „Heavy Cross“ nicht alles glatt lief, kicherte die schwergewichtige Sängerin munter auf der Bühne und sagte danach: „Bei Live-Auftritten macht man immer Fehler und ich mache besonders viele.“

          Modeschöpfer Karl Lagerfeld hatte Ditto zuvor als „strammen Brummer“ gewürdigt. Es habe in den vergangenen Jahrzehnten nie eine Sängerin mit dieser Energie gegeben. Sie sei „ein Vorbild“, auch wenn er aus Gesundheitsgründen ein wenig Sorge habe, ob das gesund sei, sagte er mit Blick auf Dittos Gewicht. Udo Lindenberg widmete seinen Bambi seinen Eltern Hermine und Gustav, „ohne die diese ganze Power ja nicht hier wäre“. Zugleich versprach er: „Hinterm Lebenswerk geht“s weiter“, klemmte sich sein goldenes Rehkitz zwischen die Beine und „ritt“ unter Jubel im Saal symbolisch davon.

          Sarah Jessica Parker zeigte sich nach längerer Pause wieder auf der Bühne, um die Laudatio auf ihren Hollywoodkollegen Orlando Bloom zu halten. Der Star aus Filmen wie „Fluch der Karibik“ wurde für sein Engagement für das Kinderhilfswerk UNICEF geehrt. Potsdam kannte Bloom bereits: Bis vor kurzem hatte er für den Film „Die drei Musketiere“ hier und in Bayern vor der Kamera gestanden. „Ich habe mich verliebt in euer Land besonders in eure Currywurst und in das bayerische Bier“, sagte er.

          „Dieses niedliche Geschöpf“

          Einen „Überraschungsbambi“, der doch nicht wirklich überraschen konnte, ging gegen Ende des Abends noch an Parker für ihre Leistungen als Schauspielerin. „Ich nehme dieses niedliche Geschöpf mit nach Hause nach New York und werde jedem erzählen, was für eine tolle Zeit ich hier gehabt habe“, gab sie zu Protokoll.
          Unmittelbar vor Beginn der Gala war bekannt geworden, dass knapp drei Monate nach seinem Tod der Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief mit dem Medienpreis in der Kategorie Kultur geehrt wurde. Schlingensief war am 21. August im Alter von 49 Jahren gestorben. Schon zu Beginn des Jahres habe die Jury entschieden, dass er den Preis erhalten solle, sagte Schauspieler Michael Mendl. Schlingensief habe sich „sehr darüber gefreut und sofort zugesagt, ihn hier entegenzunehmen“. Er werde „immer unersetzlich“ sein, betonte Mendl.

          Zu den weiteren Preisträgern zählten Florian David Fitz (Bester Schauspieler), Mesut Özil (“Integration“), die Aachener Band Unheilig (Pop National) und die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall (“Unsere Erde“-Bambi).

          Der erst zum fünften Mal vergebene „Millennium“-Bambi ging - 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung - an den früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher. „Niemals in ihrer wechselvollen Geschichte waren die Europäer so nah beieinander in ihren Hoffnungen, in ihren Wünschen und in ihrer Sehnsucht wie in jenen wunderbaren Wochen des Jahres 1989. Das dürfen wir nie vergessen“, sagte Genscher mit Blick den Fall der Mauer. Gerührt zeigte er sich von der Laudatio des heutigen Außenministers Guido Westerwelle. „Der schönste Nachruf ist nichts gegen ein gutes Wort bei Lebzeiten“, scherzte Genscher.

          Die Preisträger der Bambi-Verleihung 2010

          - Millennium-Bambi: Hans-Dietrich Genscher
          - Charity: Orlando Bloom
          - Lebenswerk: Udo Lindenberg
          - Schauspielerin National: Hannah Herzsprung („Weissensee“)
          - Schauspieler National: Florian David Fitz („Vincent will Meer“)
          - Pop International: Gossip
          - Pop National: Unheilig
          - Beste Fernsehserie (Zuschauerwahl): „Um Himmels Willen“ (ARD)
          - Stille Helden: Claus Muchow, DRK-Helfer aus Steinfurt bei Münster,
          der in Haiti ein Notkrankenhaus aufbaute; Dr. Daniela Lesmeister,
          Gründerin der Hilfsorganisation I.S.A.R. (International Search and
          Rescue) Germany, die in Haiti half; Tom Wenzel, Installateur aus
          Dresden, der in Katastrophengebieten für sauberes Wasser sorgt
          - Unsere Erde: Jane Goodall
          - Integration: Mesut Özil
          - Kultur: Christoph Schlingensief
          - Sonderpreis der Jury: Joachim Löw und sein Trainerteam
          - Sport: Verena Bentele und Verena Sailer
          - Shooting Star: Hurts
          - Talent: Jana und Sophia Münster („Hanni & Nanni“) (dpa)

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